Die 12 Geschworenen

OT: -  96 Minuten -  Drama
Die 12 Geschworenen
Kinostart: 14.08.1957
DVD-Start: 12.07.2013 - Blu-ray-Start: 12.07.2013
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Filmkritik zu Die 12 Geschworenen

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Sidney Lumet. Seinen Namen kennt heutzutage jeder, der sich etwas mit Filmen auseinandersetzt. Im Jahr 1957 war das freilich noch anders. Der aufstrebende Regisseur hatte gerade ein paar mal fürs Fernsehen gearbeitet und das kammerspielartige Justiz-Drama Die 12 Geschworenen war sein erster Film fürs Kino. Der Film gilt natürlich längst als Klassiker und als Vorzeigebeispiel für einen perfekten Spannungsaufbau. Ohne dieses Meisterwerk würde es wohl auch nicht solch großartige Filme wie Network, Hundstage, Serpico oder The Verdict geben. Die 12 Geschworenen öffneten Lumet alle Türe, doch für mich bleibt sein Kinodebüt auch sein bester Film.

Während einer Hitzeperiode wird ein 18 jähriger Puertoricaner wegen des Mordes an seinem Vater vor Gericht gestellt. Die 12 Geschworenen müssen nun über das Schicksal des Mannes entscheiden. Es wird ein einstimmiges Urteil benötigt, da der Angeklagte bei einem Schuldspruch zum Tode verurteilt wird. Die Beweise gegen ihn scheinen erdrückend: Ein alter Mann, der unter der Wohnung der Familie wohnt, sagt er habe einen Streit gehört und dann gesehen wie der Junge die Treppen runter gelaufen ist und eine Frau in einer gegenüberliegenden Wohnung hat den Mord beobachtet.

Für die Geschworenen scheint der Fall eindeutig. Sie wollen den Jungen möglichst schnell schuldig sprechen um das Ganze hinter sich zu haben. Einer jedoch will es sich nicht so einfach machen: Geschworener Nummer 8 (Henry Fonda) stimmt als einziger für Nicht Schuldig. Zwar will er keinenfalls behaupten dass der Junge wirklich unschuldig ist, aber er will dass sie sich mit dem Fall auseinandersetzen. Immerhin geht es doch um ein Menschenleben. Im sticken Hinterzimmer treffen nun 12 unterschiedliche Charaktere aufeinander und die Hitze der Umwelt, gemeinsam mit der Anspannung unter den Geschworenen lässt den Aggressionspegel in die Höhe schnellen...

Die 12 Geschworenen spielt bis auf die Eröffnungsszene im Gerichtssaal und der Endszene nur in einem Raum. Der Zuseher wird mit den Geschworenen in die klaustrophobische Atmosphäre des Hinterzimmers geworfen und die drückende Hitze im Film überträgt sich nahtlos auf das Publikum. Hier in diesem fiebrigen Grundtenor zeigt uns Sidney Lumet einen Film, der nur aus intelligenten Dialogen und interessanten Charakteren besteht und der es dennoch schafft einen Spannungsbogen wie aus dem Lehrbuch zu erzeugen. Nach und nach werden die Argumente des Staatsanwalts entkräftigt und immer mehr Geschworene kommen zum Entschluss, dass der Verdächtige wegen eines begründeten Zweifels für unschuldig zu befinden sei.

Sidney Lumet schafft es im Film den Spannungspegel Szene für Szene zu steigern. Zu Beginn sitzt der Zuseher quasi ruhig neben den Geschworenen und lauscht den Argumenten, doch je weiter der Film fortschreitet umso mehr wird auch das Tempo erhöht und die Tension gesteigert. Durch schnellere Schnitte und eine Kameraführung, welche die klaustrophobische Atmosphäre des Hinterzimmers sehr gut einfängt verstärkt sich das Gefühl mit dabei zu sein und die angespannte Stimmung unter den Geschworenen überträgt sich ungefiltert auf das Publikum.

Besonders bemerkenswert ist, dass Sindey Lumet und sein Autor Reginald Rose es schaffen das Interesse des Zusehers ganz alleine durch ein durchdachtes Szenario und die faszinierenden Charakteren aufrecht zu erhalten. Die Figuren unterscheiden sich grob voneinander und im Laufe des Films werden von allen persönliche Informationen in den Film eingebracht. Dieses sympathische Näherbringen der Charaktere verleiht dem Film zusätzlich Authentizität. Die 12 Geschworenen ist ein absoluter Klassiker der Filmgeschichte und jeder der sich für Filme interessiert muss ihn gesehen haben.

Fazit:
Die 12 Geschworenen ist ein kammerspielartiges Justiz-Drama, das fast ausschließlich in einem Raum spielt und nur durch die interessanten Charaktere und seine intelligente Story überzeugt. Trotz lokaler Einseitigkeit wird es nie langweilig und Sidney Lumet schafft es auf virtuose Weise die fiebrige Atmosphäre zu übermitteln und einen makellosen Spannungsbogen zu konstruieren. Ein Klassiker!

Wertung:
10/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 9.1/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 9
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