Unforgettable (2010)

OT: Unforgettable - 104 Minuten - Drama
Unforgettable (2010)
Kinostart: Unbekannt
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Filmkritik zu Unforgettable

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Man muss dem Team hinter dem österreichischen Amateurfilm Unforgettable auf jeden Fall ein Lob aussprechen. Mit geschickt lancierten Teaser-Trailern schaffte man es Interesse zu wecken, dank Sponsoren konnte man ein Budget von 10.000 Euro aufstellen und in Eigeninitiative hat man es sogar geschafft einige Kinos davon zu überzeugen den Film zu spielen (die Premiere fand am 17. April in Salzburg statt, weitere Aufführungen sind geplant). Das zeigt zumindest eines: Mit genügend Einsatz und Engagement können junge Leute tatsächlich etwas auf die Beine stellen. Dass es beim fertigen Produkt einige Probleme gibt, sollten sich die Jungfilmemacher nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Denn Potential ist hier durchaus erkennbar.

 

Daniel Reiter (Maximilian Schmid) und seine Freunde sind in der letzten Klasse einer Maturaschule in Salzburg. Doch Daniel hat ein Problem: Er kann sich einfach nichts merken. So vergisst er den neuen Referatstermin, den ihm der Professor gesagt hat, und sogar den Geburtstag seiner Freundin. Doch dann kommt es zu einem schrecklichen Zwischenfall: Bei einem Unfall stirbt Daniels Freund Michael Leitner (Andreas Forsthuber) und auch Daniel wird schwer verletzt. Als er sich von den Verletzungen erholt stellt er eine Veränderung fest. Plötzlich kann er sich an alles erinnern. Doch wie lange kann es gut gehen, wenn man nichts mehr vergessen kann?

 

Bei Amateurfilmen sollte man sich immer einer Tatsache bewusst sein. Der große Bruder, also die professionell gedrehten Filme, sind in der Regel in allen Mainstreamaspekten überlegen, deshalb sollte man nicht den Fehler der meisten Amateurproduktionen machen, und einfach den Mainstreamstil kopieren. Denn dabei kommt selten etwas wirklich Überzeugendes heraus. Ganz besonders natürlich wenn man sich nicht an einem Kurzfilm, sondern an einem Projekt in Spielfilmlänge versucht. Stattdessen eignen sich Amateurfilme eigentlich vortrefflich dazu sich etwas vom Gewohnten zu entfernen, und Themen anzugreifen, die das Mainstreamkino nicht interessiert. Man denke nur an Peter Kollers einzigartige Spaßgranate Auf bösem Boden.

 

Liest man sich die Inhaltsangabe durch, so scheint es zunächst so, dass man diese Problematik durchaus verstanden hat. Die Ausgangslage des Hauptdarstellers der nicht vergessen kann, ist eine durchaus geschickte Variation des endlosen „Gedächtnisverluststhemas“ und man hätte durchaus Möglichkeiten gehabt gegen den Strom zu schwimmen, und die Möglichkeiten des Amateurfilms auszunutzen. Doch leider haben sich die Filmemacher anders entschieden: Bereits von Anfang an wird klar, dass man sich lediglich an den Mechanismen des Mainstreamfilms orientiert. Das ist für die Filmemacher sicher eine gute Option, da sie so ihr Handwerk kennen lernen, aber für den Zuseher drängt sich so förmlich die Konkurrenz der professionellen Filmindustrie auf, und da Unforgettable sehr auf ihren Pfaden wandert, ergibt sich leider kaum ein Mehrwert für den Film.

 

Das soll jetzt bei Gott nicht heißen, dass Unforgettable so schlecht wäre. Denn das ist der Film sicher nicht. Alle Beteiligten haben sehr viel Zeit und Mühe investiert, und das Projekt ist sicher kein Schnellschuss. Handwerklich gibt sich der Film auch tatsächlich rund, und Kameraführung und Schnitt gehen sehr gut Hand in Hand. Auch haben sich die Filmemacher tatsächlich getraut zu kürzen (es ist ja eine bekannte Falle des Amateurfilms, dass die Filmemacher Angst haben zu schneiden, was zu elendiglich langen Einstellungen und unrunden Szenen führt) was dem Filmfluss sehr gut tut. Unforgettable gibt sich auch recht kurzweilig und flott, was bei einem Amateurfilm in Spielfilmlänge ja auch keine Selbstverständlichkeit ist. Aber trotzdem will der Funke nicht so recht überspringen.

 

Es mag für Freunde der Filmemacher ja ganz interessant sein die Gruppe Jugendlicher beim Biertrinken und „philosophieren“ zu sehen, aber speziell zu Beginn erweist sich dies für einen Zuseher, der nicht unbedingt zu den Bekannten der Schauspieler gehört, als nicht besonders interessant. Hinzu kommt, dass hier schlicht die Dynamik des Mainstreamkinos fehlt. Speziell in den allzu klassischen Szenen vermisst man doch die Professionalität mit der diese Szenen gewöhnlich gezeigt werden, sodass die Szenen oftmals reichlich spröde und unnahbar wirken. Man hat nicht das Gefühl wirklich in die diegetische Welt zu driften, sondern bleibt an der Oberfläche hängen. Unforgettable macht es dem Zuseher nämlich sehr schwer wirklich wohlige Gefühle zu entwickeln, da er sehr kalt und teilweise hölzern wirkt.

 

Doch die Filmemacher sollten sich dies nicht allzu sehr zu Herzen nehmen. Sie haben insgesamt gute Arbeit geleistet, und handwerklich vieles richtig gemacht. Auch die Schauspieler agieren großteils besser als man es aus Amateurproduktionen gewohnt ist. Doch dies ändert nichts an dem eher hölzernen Grundtenor, der auch viele Amateurproduktionen durchzieht. Und deshalb ist es in der Regel besser Amateurfilme als Kurzfilme zu drehen. Denn da ist man als Zuseher dem Ganzen doch eher positiv zugeneigt. Geht der Filme aber in Richtung Spielfilmlänge, so beginnt die Laufzeit doch an den Nerven zu nagen. Dennoch großes Lob für das engagierte Projekt. Es ist auch nicht allzu schlimm, dass der Film dann nicht so gut geworden ist, wenn man ihn am freien Markt betrachtet.

 

Fazit:

Unforgettable ist ein handwerklich durchaus gefälliger Amateurfilm geworden, der sich jedoch leider allzu sehr auf die klassischen Methoden des Mainstreamkinos verlässt. Dabei hätten gerade Amateurfilme die Möglichkeit Neues auszuprobieren und die ausgetrampelten Pfade zu verlassen. Auch ist es in der Regel besser Amateurfilme als Kurzfilme zu realisieren, da sie so etwas angenehmer zu konsumieren sind. Denn auch bei Unforgettable erweist sich einiges noch als hölzern und unrund. Dies ist ganz normal für einen solchen Film, aber deshalb würde sich eben ein Kurzfilm anbieten. Trotzdem: Insgesamt haben sich die Filmemacher wirklich bemüht und auch ein Ergebnis abgeliefert auf das sie stolz sein können.

 

Wertung:

4/10 Punkte

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