The Brown Bunny (2003)

OT: The Brown Bunny - 94 Minuten - Drama
The Brown Bunny (2003)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Brown Bunny

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Selten ist die Handlung eines Films in so knappen Worten zusammengefasst worden. Bud Clay  (Hauptdarsteller und Regisseur Vincent Gallo) -Amateur-Rennfahrer- fährt von New Hampshire nach LA um seine Geliebte Daisy in einem Hotelzimmer zu treffen. Auf der Reise trifft er andere unbekannte Mädchen zu denen er keine emotionale Bindung aufbauen kann. Vielleicht ist das noch zu seriös umschrieben. Das zweistündige Werk von Vincent Gallo ist voll von nichts sagenden Szenen, als ob er die Symbolik, oder den großen Gestus verachten würde. Der Story-Aufbau entsagt völlig entscheidenden Momenten, die eine Figur bilden und vor die Wahl stellen. Manche meinen, gerade deswegen sei es das Roadmovie schlechthin. Das stimmt auch bis zu dem Zeitpunkt, wo Bud Clay das  Hotelzimmer betritt und mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird, die seine kurzfristigen Erlebnisse mit den unbekannten Mädchen noch fragwürdiger machen.

 

Neunzig Minuten kann man nur vermuten, dass der lethargische Held entweder von Enttäuschungen geprägt wurde, kürzlich einen großen Schicksalsschlag erlitten hat, oder einfach nur ein hausgemachtes Problem mit sich trägt. Die letzten Minuten sind ein kleiner Aha-Moment, es bleibt dennoch ein trockener Nachgeschmack. Davor sehen wir Clay, verloren über den Asphalt Amerikas treiben. Hin und wieder stellt sich eine völlig Fremde zur Verfügung  und man weiß weder noch ein und aus bei diesen Aufeinandertreffen. Um ein konkretes Beispiel der unnatürlichen Vorgänge zu schildern, könnte man den Besuch Clays' bei Daisys' Eltern heranziehen. Weil eine gemeinsame Vergangenheit zwischen ihm und ihren Eltern nicht vorhanden ist, entsteht eine einseitige Konversation bei der hauptsächlich Trivialitäten ausgetauscht werden. Dem Zuschauer wurde eine Szene geliefert, die dem Schnitt  eines jeden klar denkenden Regisseurs zum Opfer gefallen wäre. Witzigerweise hat der Film selten andere Szenen als solche zu bieten, also was soll's.

 

„The Brown Bunny“ ist Vincent Gallos erst zweite Regiearbeit, da fragt es sich natürlich, wieso nach „Buffallo 66“ ein so unverständliches Werk folgen musste. Unverständlich war es von der Idee bis zur Umsetzung. Ein Statement Gallo's Gleichgültigkeit gegenüber dem Vermarktbarem? Sei es nun Mainstream oder Independent? Wagen sich Regisseure so weit aus dem Fenster, dass weder Unterhaltungswert noch künstlerische Arbeit zu erkennen ist, so müssen sie sich wenigstens auf ihren Namen verlassen können.

 

Gallo weist nicht ständig darauf hin wie wenig ihn etwas kümmert, er macht einfach. Nun könnte „The Brown Bunny“ seine letzte große Produktion gewesen sein. Angeblich verschlang der Streifen 10.000.000 Dollar (ZEHN MILLIONEN) Als eine dramaturgische Katastrophe und visuell ein Schlag ins Gesicht, kann man sich die Kosten als gewöhnlicher Zuschauer kaum erklären. Zwar führt die Fahrt Bud Clay von New Hampshire nach LA, wofür aber kein einziger Quadratmeter für die Dreharbeiten abgesperrt werden musste. Gedreht wurde die Fahrt – das wirklich deprimierende an diesem Film- ausschließlich aus dem Van.

 

Die statische  Kameraeinstellung wechselt zumeist zwischen lieblosen Close-Up Bud Clay's ausdruckslosem Gesicht, einer weiteren Nahaufnahme seines Hinterkopfes und der allseits bekannten Straßen-Aufnahmen eines Polizeiwagens. In Anbetracht der ohnehin mangelnden Bildergewalt ist Gallo's Mähne von hinten kein Aufreger aber nebenbei erwähnenswert. Wenn sich eine Idee dahinter befindet, dann ist es jene, was für andere Filmemacher von Roadmovies als ein absolutes No-Go gilt: Den Zuschauer zu einem unwillkommenen Beifahrer zu machen. Schlimmer noch, man ist der übermüdete Fahrer selbst.

 

Der Fokus liegt klar auf der Strasse, ohne von ihr nur einmal abzuweichen um die Umgebung zu erleben. Jede Einstellung verharrt in einer für den Zuschauer unbequemen Situation. Wirklich neu an diesem Konzept ist, die Konzentration des Publikums auf die Straße zu lenken, der wunderschönen Landschaft Amerikas keine Beachtung zu schenken. Reiseromantik  im Keim erstickt. Einziger optischer Happen bleibt der kurze Ausflug in Utha's Salzwüste.

 

Fazit:
Überhaupt ist der Film sehr existenzialistisch geprägt bis Rückblenden gegen Ende alles verwerfen. Die Grundaussage von „The Brown Bunny“ ist eine moderne Version von „Die Leiden des jungen Werther“. Die Grundaussage von Gallo's zweiter Regiearbeit hingegen ist, seine Unfähigkeit Tristesse und gebrochenen Willen in ihrer ganzen Schwere zu transportieren. Es fällt leicht „The Brown Bunny“ zu hassen. Ihn aus der Erinnerung zu verdrängen unmöglich. Vincent Gallo muss sich eingestehen, dass die höchst authentische Fellatioszene nicht alles rechtfertigt, sondern als der unlogische Gegenpol zu den vorangegangenen ein und halb Stunden steht. Kurz gesagt: Dieser Film ist ein übelkeitsereegendes Hungergefühl und die einzige Mahlzeit weit und breit ein giftiger Kugelfisch. Wohl oder übel wird man versuchen müssen, etwas essbares aus diesem Fisch zu schneiden, da sich der Koch weigert ihn anständig zu zubereiten.

 

Wertung:

2/10 Punkte

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Ø Wertung: 2/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
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Liste von Enrico
Erstellt: 19.05.2014