Das Grab der Sonne (Taiyo no hakaba) (1960)

OT: Taiyo no hakaba - 94 Minuten - Drama
Das Grab der Sonne (Taiyo no hakaba) (1960)
Kinostart: Unbekannt
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Filmkritik zu Das Grab der Sonne (Taiyo no hakaba)

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Das heimische DVD-Label Polyvideo hat sich mit der Filmreihe Japanische Meisterregisseure das ehrgeizige Ziel gesetzt das, in unseren Breitengraden, sträflichst vernachlässigte Kino aus dem Land der aufgehenden Sonne ins Rampenlicht zu zerren. Passend dazu ist der erste Film der Reihe Das Grab der Sonne, Nagisa Oshimas wütender Abgesang auf sein Land und in seiner rauen Stilistik und seinem unbarmherzigen Blick auf Missstände eine sehr würdige Auswahl, die allen Arthouse-Fans empfohlen werden kann.

 

In Kamagasaki, dem größten Slum Japans, zeigen sich keine Auswirkungen des wirtschaftlichen Aufschwungs der 50er Jahre. Stattdessen sind dort Prostituierte, Gangster und alle möglichen zwielichtigen Gestalten zusammengepfercht und versuchen über die Runden zu kommen. Tabus und moralische Grenzen scheinen nicht zu existieren. Gewalt ist an der Tagesordnung und der illegale Handel mit Blut ist am boomen. Es scheint keinen Ausweg aus diesem Höllenloch zu geben…

 

Nagisa Oshima dürfte den meisten hierzulande wohl vor allem auf Grund seines Skandalfilms Im Reich der Sinne bekannt sein, doch wie der, nun mögliche, Blick auf sein Frühwerk zeigt, bietet das Oeuvre des Regisseurs viele Facetten. Unter anderem gilt er als Vorreiter des japanischen Gegenstück zur Nouvelle Vague, und Das Grab der Sonne gilt als einer der wichtigsten seiner frühen Filme. Ohne erkennbare „größere“ Geschichte wirft er einen Blick in den brodelnden Hexenkessel der Unterschicht, und fühlt damit den Missständen Japans auf den Zahn.

 

Angelegt als riesiger Moloch folgen wir nicht etwa einer bestimmten Figur durch den Alltag, stattdessen serviert Oshima einen kaleidoskopartigen Überblick über den Slum und taucht in die unzufriedene Volksseele ein. Die Unzufriedenheit der Menschen schwebt förmlich spürbar im Raum, und in den wütenden Ausbrüchen der Slumbewohner spiegelt sich die radikale Abkehr vom glorreichen Land der aufgehenden Sonne. Somit darf man die „Postkartenbilder“ die Oshima von Sonnenuntergängen einschiebt durchaus als zynisches Kommentar verstehen.

 

Es ist ein desolater, auswegloser Blick, der hier den Film durchzieht. Man sitzt in einer dreckigen Spelunke und versucht die Sorgen mit Alkohol wegzuspülen, oder verkauft sein Blut um über die Runden zu kommen. Schlussendlich bricht immer wieder die Gewalt durch, wie z.B. als ein Paar romantisch auf einer Wiese liegt, Gangster den Mann niederschlagen und die Frau vergewaltigen und sich der Mann aus Scham schließlich das Leben nimmt, in Folge aber nur von einer Prostituierten ausgelacht wird. Er hätte doch schließlich lieber den Vergewaltiger töten sollen.

 

Charakteristisch ist dabei ein breit gestreuter Blick, der es einem Mainstreampublikum schwer machen wird überhaupt einen Zugang zum Film zu finden. Aber wer sich darauf einlässt wird mit einer faszinierenden Spurensuche des Elends belohnt, und darf hinabsteigen in einen Moloch aus Abscheu und Gewalt. Kein einfacher Film, aber ein symbolträchtiger Rundumschlag, der es schafft mit seiner ungeschönten Sozialkritik zu überzeugen.

 

Wertung:

7/10 Punkte

 

DVD-Tipp:

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Im Shop von Polyvideo

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