Der lange Weg nach Hause (2002)

OT: Rabbit-Proof Fence, Long Walk Home - 94 Minuten - Drama
Der lange Weg nach Hause (2002)
Kinostart: 29.05.2003
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der lange Weg nach Hause

Von am

Nachdem Phillip Noyce mit Filmen wie Die Stunde der Patrioten, Sliver, The Saint und Der Knochenjäger bereits Fuß am amerikanischen Kinomarkt gefasst hatte sah sich der Regisseur scheinbar verpflichtet ein essentielles Kapitel seines Heimatlandes Australien aufzuarbeiten. Sieht man von Kenneth Branagh und der australischen Aborigine-Schauspiellegende David Gulpilil ab, ohne bekannte Darsteller, widmete er sich in Long Walk Home der erschütternden Thematik der Stolen Generations und beleuchtet ein auf der Weltbühne leider viel zu wenig beachtetes Thema der australischen Vergangenheit.

 

Molly (Everlyn Sampi), Daisy (Tianna Sansbury) und Gracie (Laura Monaghan) sind Mischlingskinder, hervorgegangen aus sexuellen Übergriffen Weißer an Aboriginesfrauen. Sie leben in der Nähe eines Depots, in der Nähe des so genannten Rabbit-Proof-Fence, der das Land teilt, und verhindern soll, dass Hasen auf die andere Seite des Zauns kommen. Mr. Neville (Kenneth Branagh) ist Aborigine-Abgeordneter und exekutiert das Recht Mischlingskinder von ihren Müttern wegzuholen. So trifft es auch Molly, Daisy und Gracie und die drei werden ins weit entfernte Moore River gebracht, wo sie katholisch erzogen werden sollen. Doch sie beschließen zu fliehen, und wollen zu Fuß nach Hause gehen…

 

Long Walk Home ist ein wichtiger Film, vor allem weil er ein bei uns viel zu wenig bekanntes Thema der australischen Geschichte ans Tageslicht holt, und die Jahre der Unterdrückung der australischen Ureinwohner ins kollektive Gedächtnis holt. Es ist eine Zeit der furchtbaren Dominanz der Weißen, die die Aborigines nicht als Menschen sehen, sondern nur als eine lokale Tierart, über die man nach belieben herrschen kann. Eine tragische Ausgangslage, die seit der Kolonialisierung Australiens begonnen hat. Die Stolen Generations Problematik, die ja auch etwas oberflächlicher in Australien von Baz Luhrman verarbeitet wurde, ist dabei eine wesentliche Thematik, vor der man nicht die Augen verschließen sollte.

 

Long Walk Home macht dabei vielleicht den Fehler, dass man mit der Skizzierung der Figur des Mr. Neville, von den Kindern nur Mr. Devil genannt, vielleicht einen Schritt zu weit gegangen ist, und die kollektive Verantwortung der gesamten Regierung, bzw. des gesamten Landes nur in den Verantwortungsbereich eines einzelnen Beamten schiebt, der auch etwas zu karikaturhaft gezeichnet ist, sodass man etwas von der Dimension des Themas ablenkt. Aber weil man es gleichzeitig so gut versteht seine Hintergedanken in den Zuckerguss der „guten Absicht“ zu tränken, er also eigentlich den Aborigines nur helfen will, in dem er sie über Generationen hinweg zu Weißen machen will, gleicht Long Walk Home diese Schwächen wieder aus, und erlaubt einen Blick ins Unterbewusste, und offenbart welche Probleme sich wirklich hinter dem Thema verstecken.

 

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der drei entführten Aborigine-Kinder was den Zuseher in ihre Position rückt und uns die Auswirkungen dieser menschenverachtenden Politik miterleben lässt. Aus der bekannten Umgebung gerissen, und hineingesteckt in ein katholisches Erziehungslager, versuchen die Mädchen irgendwie über die Runden zu kommen, und brechen schließlich aus dem „Gefängnis“ aus, und machen sich auf zu einer beschwerlichen Reise durch das ganze Land. Diese Reise wird eindringliche geschildert und in imposante Bilder gesetzt, die es verstehen die Bezüge der Aborigines zur Natur und auch ihre Seelenlandschaft mit wenigen Worten abzubilden.

 

Bis zum Ende gibt sich Long Walk Home dabei knackig und straff inszeniert und erlaubt sich kaum Längen. Phillip Noyce gelingt dabei das Kunststück sein brisantes Thema sowohl kurzweilig, als auch eindringlich zu schildern. Die Figuren wirken pointiert und glaubwürdig, und im Großen und Ganzen stellt sich, trotz kleineren Problemen, das Gefühl ein, dass die Stolen Generations Problematik sehr gut wiedergegeben wurde, und die australische Filmlandschaft um einen sehr guten Film reicher ist.

 

Fazit:

Long Walk Home widmet sich dem brisanten Thema der Stolen Generations, einem dunklen Kapitel der australischen Vergangenheit und schafft es dabei sehr gut sowohl spannend und kurzweilig zu bleiben, als auch dem Thema die Aufmerksamkeit zu widmen, die es verdient. Long Walk Home ist dabei in eindringliche Bilder gehüllt und knackig inszeniert, und gibt sich insgesamt sehr überzeugend. Ein wichtiger und sehenswerter Film, der auch etwas zur Vergangenheit Australiens zu sagen hat.

 

Wertung:

8/10 Punkte

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Erstellt: 29.06.2014