Transporter 2

OT: -  88 Minuten -  Action
Transporter 2
Kinostart: 01.09.2005
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Transporter 2

Von am

Es ist inzwischen hinlänglich bekannt, dass Luc Besson, der lange Zeit in den Neunzigern als einer der wenigen europäischen Filmemacher Hollywoods Traumfabrik mit seinen absolut gelungenen Filmen („Léon“, „The Fifth Element“) Paroli bieten konnte, nach seinem Desaster „The Messenger: The Story of Joan of Arc“ seinen Hintern vom Regiestuhl schwang und sich stattdessen darauf konzentrierte, oberflächliche Actionflicks am Fließband zu schreiben und zu produzieren. Speziell die „Taxi“ – Trilogie konnte es sich ziemlich leicht machen, indem sie mit seinem damals noch relativ makellosen Namen warb. Inzwischen scheint dem Mann aber inzwischen gänzlich egal zu sein, was er da letztlich zu Papier bringt, denn „Michel Vaillant“, „Crimson Rivers 2: Angels of the Apocalypse“ oder „Danny the Dog“ waren hohle Kommerzschnellschüsse, die gewaltig über ihr bescheidenes (um nicht zu sagen beschissenes) Drehbuch stolperten. Mit „Transporter 2“ schießt er nun vorübergehend endgültig den Vogel ab, auch wenn die überraschend guten U.S. – Einspielergebnisse eine andere Sprache sprechen. Besson stahl zusammen mit seinem Co-Schreiberling Robert Mark Kamen („The Fifth Element“, „Kiss of the Dragon“) dem Film seine europäische Seele und verunstaltete ihn in einen gerade mal mittelmäßigen, in höchstem Maße amerikanisierten Kommerzfilm.

Eins vorweg: Ich bin ein riesiger Fan des Vorgängers, der so gekonnt französisches Flair mit hongkongscher Eleganz in Einklang brachte und zu kurzweiliger, extrem spaßiger Actionkost kulminierte. Doch davon bemerkt man hier leider nicht mehr viel. Von der homogenen Regiesymbiose des Vorgängers bleibt hier gar nichts mehr übrig. Louis Leterrier („Danny the Dog”) wollte in der frühen Entstehungsphase des Films ohnehin Corey Yuen („High Risk“, „So Close“), der mit seiner prägenden Regie „The Transporter“ erst die furiosen Fights bescherte, ganz aus dem Projekt drängen und alles selbst filmen, besann sich dann jedoch (oder wurde dazu gedrängt…), so dass uns Yuen zumindest als exzellenter Martial-Arts-Choreograph erhalten blieb. Dafür bin ich auch riesig dankbar, denn Frank Martins irre Fights gegen zahlenmäßig stets weit überlegene Gegner im Hongkong-Style, wo dann von Früchten bis Wasserschläuchen wieder alle möglichen Gegenstände zweckentfremdet werden, sind, neben Jason Statham („Snatch.“, „Cellular“) selbst, das Beste am gesamten Film.

Den Film von Frankreich nach Florida respektive Miami zu verlegen, war die größte Fehlentscheidung, die Luc Besson traf, denn mit einen für amerikanische Verhältnisse kleinen Budget von gerade einmal 32 Millionen Dollar, lässt sich auf unserem Kontinent wesentlich mehr anfangen und das spiegelt sich überdeutlich im Drehbuch wieder. Es ist bekannt, dass die Dreharbeiten durch etliche Unwetter im Süden der U.S.A. erschwert wurden, aber Bessons Skript hätte ohnehin nie zum Budget gepasst. Um diese vielen schwachsinnigen Einfälle wenigstens ansatzweise ansehbar umzusetzen, hätte der finanzielle Rahmen größer sein müssen, was sich wiederum in den wohl miesesten CGI-Tricks des Kinojahres 2005 widerspiegelt.

Wer, wie ich, mit den Erwartungen an den Film geht, eine würdige Fortsetzung zu erhalten, der wird bitter enttäuscht, wer extrem flotten Hochglanztrash sehen will, der kann begeistert sein. Zumindest die Stimmung im Kino war jedenfalls ziemlich gut und, ich muss es betonen, Frank Martin ist immer noch der Alte, denn Jason Statham ist neben Thomas Jane („Deep Blue Sea“, „The Punisher“) nun mal die coolste Sau, die man zurzeit auf der großen Leinwand zu sehen bekommt. Der durchdringende Blick, die stoische Mimik, seine lässige Professionalität, sein eleganter Stil und seine Martial-Arts-Skills machen ihn zu DEM Actionhelden schlechthin. Ich hoffe, dass sich in den nächsten Jahren die Rollenangebote bessern werden, da er immer noch zu oft in Nebenrollen vergammelt, aber eigentlich unglaublich viel Potential beherbergt. Viel cooler kann man das Audi-Flagschiff, den A8 12-Zylinder, mit Sicherheit nicht durch die Straßen Miamis steuern.

Das war es dann jedoch auch schon mit der Herrlichkeit. In „Transporter 2“ erledigt Frank Martin vorübergehend einen Chauffeursjob für den kleinen Jack (Hunter Clary). Sein Vater (Matthew Modine, „Full Metal Jacket“, „Any Given Sunday“) ist ein wichtiger Mann im Kampf gegen kolumbianische Drogenkartelle und mit seiner Ehefrau Audrey (Amber Valletta, „Hitch“) verzofft. Damit Jack davon nichts mitbekommt, lenkt Frank ihn nach Möglichkeit ab. Audrey dankt ihm dafür, schüttet ihm ihr Herz aus und taucht alsbald nachts bei ihm auf, doch Stopp… die Affäre bahnt sich nicht an. Martin löst auch diese Lage sehr elegant, womit Besson, wohl in einem Anfall von geistiger Umnachtung, seinem Streben, der Hauptfigur kurzfristig Emotionen zuzugestehen, auch flugs wieder Einhalt gebietet. Schließlich soll es ein Actionfilm sein und einer der dazu noch nur knapp über 80 Minuten geht. Deswegen sputet sich das Drehbuch auch. Irgendwelche Terroristen lauern Frank und dem kleinen Jack beim Arztbesuch auf, bekommen ihn schließlich auch in die Finger und spritzen ihm einen Virus. Nun ist Frank darum bemüht den Kleinen zu finden und das Gegenmittel zu beschaffen.

Die Story um die Terroristen und ihren überkomplizierten Plan, der auch wesentlich einfacher sein könnte, ist eine mittelschwere Katastrophe, die Unmengen an Fragen aufwirft. Der Film ist zwar so flott, dass man nicht dazu kommt, sie währenddessen zu stellen, aber man fragt sich dafür hinter doch schon, warum dies und das nun passiert, unbedingt so kompliziert gelöst werden musste, man so verquer handelt und etliche Actionszenen so hoffnungslos comichaft überzogen werden, dass sie nur noch lächerlich sind.

Die Verfolgungsjagden sind bestenfalls solide und damit auch nicht mehr mit denen aus dem Vorgänger zu vergleichen: Viele, unübersichtliche Schnitte, eine hektische Kameraführung von Mitchell Amundsen (fällt leicht, zu glauben, dass er an „Bad Boys II“ und „The Bourne Supremacy“ beteiligt war) und keine außergewöhnlich guten Stunts. Die Rasereien durch die Stadt sind von mittelmäßiger und zufriedenstellender Qualität, die Springereien von Hochhaus zu Hochhaus und das Fahren auf dem Dach nur noch Schwachsinn. In fast jeder zweiten Szene habe ich mich ernsthaft gefragt, ob Besson noch bei Verstand ist, so einen Mist auf das Publikum zuzulassen. Nun, der finanzielle Erfolg scheint ihm leider recht zu geben.

Mit François Berléand gibt es immerhin ein Wiedersehen mit einem liebgewonnenen Bekannten, denn Tarconi trifft gerade zu Besuch in Amerika ein, als Frank mitten in Schwierigkeiten steckt, muss deswegen während des gesamten Films auf dem Polizeirevier hocken und verkommt daher zu einer kleinen Nebenfigur, die Frank Informationen zuspielt und ein ums andere mal sehnsüchtig an das Original erinnert. Immerhin hat er einen witzigen Insidergag, als er sich einem stürmenden S.W.A.T. – Team als Koch (vergleiche Shu Qi ..) vorstellt. Zwar wirken auch noch ein unterforderter Keith David („The Thing“, „Pitch Black“) und Stathams langjähriger Weggefährte Jason Flemyng („Lock, Stock and Two Smoking Barrels“, „Mean Machine“) mit, wirklich auffallen tut aber nur die mordlüsterne, ewig geile Kate Nauta, die wie Milla Jovovich („The Fifth Element“, „Resident Evil“) nach einem Schminkunfall ausschaut und in Strapsen beidhändig mit Uzis um sich ballert, im Finale dann aber relativ schnell aus der Handlung aussteigt.

Als alles bis dato negativ toppende Enttäuschung stellt sich dann übrigens der finale Showdown in einem abstürzenden, mies programmierten CGI - Jet heraus, wo sich Frank dann mit dem bösen Obermotz prügelt, während das Flugzeug in Richtung Erde abschmiert und man das optisch wie eine Waschmaschine im Schleudergang präsentiert bekommt. Ohnehin wird es zum Ende hin immer hektischer. Gerade so, als hätte man mächtig unter Zeitdruck gestanden. Die Kämpfe werden kürzer und beide Endgegner, verglichen mit den vorherigen Fights, geradezu unspektakulär besiegt.

Ich will ja gar nicht abstreiten, dass man sich von „Transporter 2“ ganz prima unterhalten lassen kann. Mit „xXx: State of the Union“ klappt das ja auch. Nur angesichts des Vorgängers, der stilistisch nahezu komplett in eine andere Richtung weist, weil er seinen europäischen Charakter behält und die nötige Selbstironie aufbringt, ist die Fortsetzung in jedem Fall unwürdig. Es knallt und bumst ohne Ende, der Plot wird flott vom Leder gezogen, Besson klaut bei „Man on Fire“, immer wieder Explosionen und unmögliche Stunts, Verfolgungsjagden, kurze Ballereien, klischeehafte Bösewichte und megamiese, sich ganz nah an der Grenze zum Trash bewegende Spezialeffekte sorgen zweifellos für Kurzweil, nur habe ich eben einen Film in der Tradition des Vorgängers erwartet und nicht so einen seelenlosen, hochglänzenden, bunten Kommerzschnellschuss. „The Transporter“ war keineswegs perfekt, aber ihm merkte man Herz, Einsatz und Kreativität an. Allein der „Ölkampf“, auf den hier einmal kurz angespielt wird, hat mehr Unterhaltungswert als die gesamte Fortsetzung.

Fazit:
Wer also, wie ich, eine Fortsetzung in der Tradition des Originals erwartet wird bitter enttäuscht. Ich verlange von einem Actionfilm ja gar nicht, dass er ständig logisch ist, nur mit „Transporter 2“ sprengt Luc Besson wirklich alle Unmöglichkeiten. Der Plan des Terroristen ist hirnverbrannt, die Action viel zu oft überzogen comichaft und damit lächerlich, die Effekte mies und fast jede Szene überinszeniert, weil mit Stilmitteln überfrachtet. Louis Leterrier möchte optisch nämlich möglichst stylisch sein und glaubt daher jeden Schwenk über Gebäude mit Reißschwenks oder Fastmotion aufwerten zu müssen. Den Humor vernachlässigt er oft stiefmütterlich, die Actionszenen zelebriert er nie, sondern handelt sie enorm schnell und höhepunktfrei ab. Na danke schön… Bleiben in den gut 80 Minuten eben die Erkenntnis, dass Jason Statham viel bessere Rollen verdient hat und Corey Yuen immer noch ein ausgezeichneter Martial-Arts-Choreograph ist. Nicht auszudenken, was dabei herausgekommen wäre, wenn er allein die Regie übernommen hätte und nicht Besson, dessen schwachsinniges, mit blödsinnigen Ideen (Der schwarze Rasta – Taxifahrer…. Haha… wie lustig…) vollgestopftes Skript sich fernab der finanziellen Möglichkeiten bewegt, das Drehbuch geschrieben hätte. Das mir stets zuwidere Product Placement (Seit „Swordfish“ kotzt mich der Griff in den Kühlschrank nach einem Heineken an…) tut sein übrigens. Mit ganz vielen Sympathien für Statham und Yuen gerade noch 6 Punkte...  Damit setzt sich das Kinojahr 2005 enttäuschend fort. Für das Actiongenre wahrlich kein gutes Jahr.

Wertung:
6/10 Punkte

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Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 15
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