Das Leuchten der Stille (Dear John) (2009)

OT: Dear John - 105 Minuten - Romantik / Drama
Das Leuchten der Stille (Dear John) (2009)
Kinostart: 06.05.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Das Leuchten der Stille (Dear John)

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Romantik in Hollywood ist ein leidiges Thema. Großteils werden nämlich nur die üblichen Schemata wiederholt und etwas variiert wiedergegeben. Stilistisch lehnt man sich dabei nicht besonders weit aus dem Fenster, sondern verlässt sich auf die gute alte Retorte, und wiederholt nur was schon 100mal zuvor gemacht wurde. Doch Regisseur Lasse Hallström, Regisseur von Filmen wie Gilbert Grape, Gottes Werk und Teufels Beitrag, Chocolate und Hachiko ist kein klassischer kantenloser RomCom Abspuler. Und so bringt sein Film Das Leuchten der Stille auch tatsächlich wirkliche Gefühle mit, und kann dabei fast darüber hinwegtäuschen, dass man sich im Kern auch bei diesem Film sehr auf klassische Motive verlässt.

 

Es ist Liebe auf den ersten Blick: John (Channing Tatum) und Savannah (Amanda Seyfried) begegnen sich am Strand, und sofort funkt es zwischen den beiden. Doch es bleibt nicht viel Zeit: Savannah muss nach dem Sommer wieder zurück und ihre Ausbildung abschließen, der beurlaubte Soldat John muss zurück zu seiner Einheit. Doch er muss nur mehr ein Jahr dienen, dann bleibt ihnen alle Zeit der Welt. Und beflügelt vom schönsten Sommer ihres Lebens wollen die Beiden die Zeit so schnell wie möglich abspulen. Um sich die Wartezeit zu verkürzen schreiben sie sich ständig Briefe, da John anders nicht erreichbar ist. Doch es soll anders als erwartet kommen: Nachdem sich John verpflichtet fühlt um seine Einheit nicht im Stich zu lassen, schickt ihm Savannah schon kurze Zeit später einen Abschiedsbrief: Sie hat sich mit jemand anderes verlobt…

 

Wie aus dem Nichts schaffte es Das Leuchten der Stille an seinem Startwochenende den globalen Megahit (und aktuell erfolgreichsten Film aller Zeiten) Avatar vom ersten Platz der US-Charts zu verdrängen. Der Film ist ein klassischer Überraschungshit, mit dem kaum jemand gerechnet hat, und seine Kosten von 25 Millionen Dollar waren bereits am ersten Wochenende wieder eingenommen. Woher das Interesse stammt ist schwer zu erklären, aber man muss dem Film zugestehen, dass er seine Ziele erreicht, und ein interessiertes Romantik-Publikum wohl großteils überzeugen wird.

 

Dabei fällt es aber sehr schwer genau zu beschreiben, warum dem Film das gelingt, woran die meisten Hollywoodproduktionen scheitern. Auf den Kern reduziert ist nämlich auch Das Leuchten der Stille klassische Romantikware, mit vielen bekannten Motiven und Konstellationen. Aber man hat eben nicht das Gefühl, dass die Figuren am Reissbrett entworfen wurden, und nur glatte Abziehbilder sind. Stattdessen scheint Regisseur Lasse Hallström sein Paar ernst zu nehmen und sich wirklich für ihre Geschichte zu interessieren. Und dabei macht es auch keinen Unterschied, dass diese Geschichte relativ klassisch ist, denn das Interesse des Regisseurs für seine Figuren wirkt ansteckend.

 

Auch gelingt das Kunststück, dass die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren stimmt, und man beide sympathisch findet, und mit ihnen mitfiebert. Der Funke springt einfach über, und man kann sich gerne fallenlassen und die Atmosphäre aufsaugen. Wer mit dem Genre aus Prinzip auf Kriegsfuß steht, der wird auch mit Das Leuchten der Stille keine Freude finden, aber wer offen für diese Art Film ist, der kann sich auf eine berührende Geschichte mit zahlreichen Hochs und Tiefs freuen. Natürlich werden eher kitschige Handwerkskniffe des Genres auch hier erfüllt (man darf auch nicht vergessen, dass der Film keine kreative Genrevariation wie (500) Days of Summer, sondern ein klassischer Romantikfilm sein will), aber weil der Film seine Figuren ernst nimmt, wirken diese Momente hier nicht aufgesetzt, sondern tatsächlich großteils berührend.

 

Erzählt wird der Film dabei ausschließlich aus der Sicht von John, was natürlich auch bedeutet, dass wir mit ihm in den Krieg ziehen, und hier hat es sich der Film mit einigen amerikanischen Kritikern auch verscherzt. Denn Das Leuchten der Stille setzt wirklich, wie auch oft kritisiert, den Krieg als reines Plotwerkzeug ein, ohne sich wirklich auch nur ansatzweise für die Auswirkungen auf John oder den Krieg an sich zu interessieren. Diese Kritikpunkte sind verständlich, aus meiner Sicht tut der Film aber gut daran, dass er sich eher auf seine romantischen Kompetenzen besinnt, ansonsten würde man wohl allzu bald ohne Publikum dastehen. Denn eine Genremischung aus Krieg und Romanze ist ein sehr heißes Eisen (Pearl Habor lässt grüßen).

 

Überraschend überzeugend geben sich auch die Darsteller des Films. Gut, dass ein sehr unterschätzter Charakterdarsteller wie Richard Jenkins (vorwiegend als Nebendarsteller bekannt, aber für Ein Sommer in New York mit einer Oscarnominierung bedacht) eine starke Darstellung liefert war eher zu erwarten, aber auch Channing Tatum kann sich von seinen letzten Darbietungen alá G.I. Joe distanzieren und liefert tatsächlich eine einfühlsame und sympathische Darstellung, was so auch für seine Leinwandkollegin Amanda Seyfried gilt.

 

Ein großer Film ist Das Leuchten der Stille freilich dennoch nicht geworden. Denn dazu hält der Film zu sehr am klassischen Romantikkorsett fest, auch wenn er sich inszenatorisch doch auch teilweise davon entfernt, und traut sich nicht wirklich tiefer vorzustoßen. Doch das hat wohl auch kaum jemand vom Film erwartet. In seiner Funktion als Romantikfilm schafft es Das Leuchten der Stille aber durchaus zu überzeugen. Und das will schon was heißen, denn ansonsten zeichnen sich die jüngeren Romantikfilme der Traumfabrik vor allem durch enorme Glätte und leblose Figuren aus. Da ist Das Leuchten der Stille zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Fazit:

Das Leuchten der Stille überzeugt vor allem deshalb, weil man merkt, dass Regisseur Lasse Hallström seine Figuren ernst nimmt und die Figuren nicht am Reissbrett entworfen wurden. Stattdessen schafft es ihre Geschichte tatsächlich emotional zu berühren und zu gefallen. Überraschend gut auch die Darsteller: Die Leistung des Films liefert natürlich der großartige Richard Jenkins, aber auch Channing Tatum und Amanda Seyfried spielen einfühlsam und sympathisch. Vor allem aber stimmt die Chemie zwischen allen Beteiligten, und dies überträgt sich auch aufs Publikum. Das Leuchten der Stille ist somit ein tatsächlich gefälliger und berührender Romantikfilm, der für Genrefans mit Sicherheit einen Blick wert ist.

 

Wertung:

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