Kampf der Titanen (Clash of the Titans) (2010)

OT: Clash of the Titans - 106 Minuten - Fantasy / Action
Kampf der Titanen (Clash of the Titans) (2010)
Kinostart: 09.04.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Kampf der Titanen (Clash of the Titans)

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Mythologische Schlachtplatten sind offensichtlich momentan sehr beliebt, das Interesse dahingehend ist sowohl Genre-übergreifend als auch intermedial breit gefächert: mit God of War III hat etwa der Global-Player Sony gerade einen lang ersehnten AAA-Titel (also eine hoch budgetierte, potentielle Blockbuster-Produktion) für die hauseigene Gaming-Plattform PS3 auf den Markt gebracht, dessen Vorgängertitel sich zig-millionenmal verkauft haben. Die Verknüpfung beider Fabrikate erscheint dabei ebenso wie deren Erscheinungsdaten logisch: Die God of War-Reihe weist in vielerlei Belangen Übereinstimmungen mit der Vorlage des 1981 erschienenen Stop-Motion-„Wunderwerks“ Clash of Titans auf, im zweiten Teil der mittlerweile abgeschlossenen Spiele-Trilogie ließ sich sogar Harry Hamlin zu einem virtuellen Cameo als Perseus bewegen.

 

Auf derselben Welle archaischer Racheepen reitet das neue Werk des bisher kommerziell eher glücklosen französischen Regisseurs Louis Leterrier daher, der mit Filmen wie Transporter 2 oder The Incredible Hulk mehr handwerklich- als dramaturgisch interessante bzw. relevante Actionspektakel fabrizierte. In genau dieser Reihe der eher belangloser CGI-Orgien vermag sich Clash of Titans, natürlich schon allein aufgrund der trashigen Vorlage, perfekt einzuordnen.

 

Vorwiegend durch das amerikanische Mainstream-Publikum gehypt, welches durch überwältigend Effektspielereien immer besonders leicht zu beeindrucken erscheint, ist vor allem der aus dem Trailer bekannte Ausspruch „Release the Kraken“ (gemeint ist damit ein mythologisches Untier, das den Titanen Einhalt gebot) seit einiger Zeit ein beliebter Spielball der US-Medien. Bis dieses Wesen allerdings das Kinopublikum erschaudern lassen kann, muss die durchwegs martialische Rahmenhandlung rund um Halbgott Perseus (motiviert langweilig: Sam Worthington) durchgestanden werden. Dieser wird als Kleinkind samt Mutter Danae (Tine Stapelfeldt) per sarg-ähnlicher Truhe im Meer versenkt, da Stiefvater Acrisius (Jason Flemyng) nicht an der Zeugung beteiligt war. Eben jenen Part übernahm pikanterweise Göttervater Zeus (bärtig: Liam Neeson), der ja bekanntlich den fleischlichen Vergnügen mit menschlichen Frauen nicht gerade abgeneigt war und mittels einer List (warum auch immer) eben auch nicht von Perseus Mutter Halt machte.

 

Wenig überraschend überlebt der Säugling jedoch und wird von einem Fischer geborgen sowie aufgezogen. Die Tragödie nimmt alsbald nach einer Schicksalswendung ihren Lauf: Perseus Eltern sterben als göttlicher Kollateralschaden, der desillusionierte Halbgott mit undeutbaren chronischen Herzschmerzen (bei Gewittern) sinnt klarerweise nach Rache. Praktischerweise befindet sich die Menschheit gerade auf Kriegsfuß mit ihren Göttern, das Fass des Unmutes bringen die Herrscher der Hafenstadt Argos just bei der Ankunft des Helden zum Überlaufen. Hoch oben am Olymp beraten die als 70er Jahre Glamrock-Band verkleideten Gottheiten Zeus, Poseidon und seine Background-Tänzer über das Schicksal der aufmüpfigen Gebetsverweigerer, der verstoßene Hades (Direkt mittels Copy-and-Paste aus Harry Potter: Ralph Fiennes) bietet die „perfekte“ Lösung an: entweder wird ein Frauenopfer dar gebracht, oder der Kraken wird Argos samt Bevölkerung in Schutt und Asche legen und ein Exempel an der Menschheit statuieren.

 

Idealerweise wurde den Bewohnern der Hafenstadt eine Bedenkzeit von zehn Tagen eingeräumt, die natürlich vom unerwartet kriegerischen Fischer Perseus genutzt wird, um sich zusammen mit den illustren Resten der Legion (u.a. Mads Mikkelsen) auf eine abenteuerliche Suche zu begeben. Es existiert nämlich ein Objekt, mit dem sowohl der Kraken als auch der Mörder von Perseus Eltern zur Strecke gebracht werden kann (Achtung – Spoiler des klassischen Altertums beim Nachdenken)

 

Eine kleine Gruppe voller unterschiedlicher Charaktere begibt sich auf eine Reise mit ungewissem Ausgang und voller Gefahren; der Protagonist hat eine persönliche Odyssee zur Identitätsbildung zu absolvieren, die er aber dank des Auffindens seiner ungeahnten bzw. verborgenen Fähigkeiten meistert (das Lichtschwert seines Vaters ist zudem auch hilfreich); eine mit einer hauchdünnen Seidenrobe verhüllte Damsel in Distress muss gerettet werden; anfangs noch wilde Kreaturen werden zu wertvollen Verbündeten, usw., usf. – Sollte man überrascht sein, das diese Anhäufungen von wortwörtlich „klassischen“ Klischees nicht gerade zur Neuerfindung des Sandalen/Abenteuer/Action-Films beitragen oder ist eher stille Resignation hinsichtlich eines mehr auf pompöse Effekte abzielenden Mainstream-Werks angebracht?

 

Das fertige Sammelsurium kann aber zumindest Freunde nicht allzu tiefgründiger Actionfilme überzeugen, die sich an trashigen Produktionen in neuen Gewändern ergötzen wollen. Ein passender Vergleich mit dem 1999 erscheinen The Mummy-Remake rückt hier in greifbare Nähe: Ein mehr oder minder engagierter Hauptdarsteller, ein wenig Tam-Tam rund um grundsätzliche Remake-Qualitäten, zeitgemäße SFX und ein halbgarer Plot ohne allzu viel Bedeutung, fertig, Rekordeinnahmen in Höhe der Produktionskosten folgen.

 

Interessanterweise lässt Clash of Titans den Zuseher aber aufgrund der beinahe vollkommenen Absenz dramaturgisch relevanter Konstruktionen in eine emotionale Leere abdriften, die auch der tollste Riesenskorpion–Kampf nicht zu überdecken vermag (The Mummy war zumindest in Ansätzen amüsant). Vielleicht liegt es ja an Sam Worthington selbst, der sich offensichtlich bei der Rollenauswahl gerne von Blue- bzw. Greenscreens blenden lässt, um eventuell verstärkt zu Tage tretende schauspielerische Qualitäten zu überdecken – sonst ist sein Einsatz als Bestienschlächter, Terminatorverschnitt oder Avatar kaum noch zu erklären. Auch beim absurden Overacting von Neeson und Fiennes überkommt vermutlich niemanden eine andere Reaktion außer einem ungläubigen Blick oder einem mitleidigen Lächeln. Ray Harryhausen, Special-Effects-Legende und weiters noch Produzent des ursprünglichen Clash of Titans, kann man es nur immer wieder hoch anrechnen, dass er seine Mitarbeit am Remake verweigerte – warum sollte er auch seinen damals schon mit Augenzwinkern fertiggestellten Film nochmals auflegen, wenn doch das Ergebnis derselbe Trash sein würde?

 

Fazit:

Mythologische Bestien, zornige Götter in funkelnden Rüstungen, der bullige Sam „Avatar“ Worthington als antiker Jason Statham und jede Menge Statisten-Restmaterial aus Zack Snyders überlegenen 300: Optisch ist Clash of Titans gelungen, inhaltlich hat man sich dann doch die bald 30 Jahre alte Trash-Kultvorlage gehalten. Wer mehr erwartet als kernig-grimmige Visagen, die durch hübsch drapierte CGI-Landschaften wandern und allerlei altbackene Sprüche klopfen, Monster erlegen oder sich auf jenen fortbewegen, der darf sich gern und bedenkenlos nach gehaltvollerem umsehen. Für diejenigen, die eine Sichtung dennoch wagen wollen, ein Satz zur 3D-Version: Geld sparen, besser Popcorn kaufen - es lohnt sich absolut nicht!

 

Wertung:

4/10 Punkte

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Ø Wertung: 4.6/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 29
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