Turistas - Mörderisches Paradies (2006)

OT: - 94 Minuten - Horror
Turistas - Mörderisches Paradies (2006)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Turistas - Mörderisches Paradies

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Auf John Stockwell („Blue Crush“, Into the Blue“) ist Verlass. Wie schon in seinen vorherigen Regiearbeiten verkauft der ehemalige Schauspieler erfolgreich traumhafte Naturkulissen inklusive attraktiven Frauen nebst einer unkomplizierten Geschichte mit guten Actionszenen als kurzweiliges Filmvergnügen, das keine hohen Ansprüche stellt, mit seiner Schnörkellosigkeit und seinem hohen Tempo aber wieder einmal sein Publikum findet. „Turistas“ hatte es letztlich seiner leider völlig falsche Erwartungen weckenden Vermarktung zu verdanken, dass er an den Kinokassen lediglich enttäuschende Einspielergebnisse erzielen konnte. Denn mit „Hostel“ hat dieses Abenteuer nur entfernt zu tun, auch wenn eine ziemlich ungemütliche Operation Assoziationen zu Eli Roths plumpen Horrorthriller weckt und die Prämisse einige Parallelen aufweist.

John Stockwell schickt sein Rudel hilfloser Rucksack-Touristen nämlich nicht nach Osteuropa sondern nach Brasilien. Als ihr Bus mitten im Nirgendwo verunglückt, gelangen sie nach einem kurzen Wegmarsch an einen traumhaften Strand nebst Bar. Das Paradies. Man tollt herum, betrinkt sich, gibt sich freizügig, tanzt und bechert maßlos. Die feuchtfröhliche Party soll jedoch ein jähes Ende nehmen, als am nächsten Morgen alle mit der Erkenntnis aufwachen, betäubt und ausgeraubt worden zu sein. Verzweifelt zieht die um ihre Habseligkeiten erleichterte Truppe weiter, um bald festzustellen, dass ein schmieriger Organhändler weitere Pläne mit ihnen hat.

Positiv fällt zunächst einmal auf, dass „Turistas“ keine nervigen Hohlbratzen auffährt, sondern dass alle Mitglieder der Gruppe einen recht sympathischen Eindruck machen und auch nicht in Klischees ersaufen. Frauen wie Melissa George („The Amityville Horror“, „Derailed“), Olivia Wilde („The Death and Life of Bobby Z“) und Beau Garrett („Unearthed“, „Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer“) bieten in knappen Bikinis daneben genug fürs (Männer)-Auge, während John Stockwells Regie sich wie gewohnt Mühe dabei gibt, in möglichst attraktiven Einstellungen die beeindruckend schöne Natur zu präsentieren. Eye-Candy pur und weil es unter den talentierten Darstellern keine Ausfälle gibt, gleich nochmal so genießbar. Die Maßnahme ausnahmsweise mal reifere Figuren in ihr Verderben zu schicken, anstatt pubertäre Plagegeister zu entsenden, erweist sich als echter Glücksgriff.

Die anfängliche Naivität und Gutgläubigkeit der unbeschwerten Gruppe stößt den schon Böses ahnenden Zuschauer zwar gern mal vor den Kopf, trübt den Filmspaß aber nicht wirklich. Schließlich gibt es erst einmal Party und gute Laune, bevor die ersten Touris in Scheiben geschnitten werden und man am nächsten Morgen ziemlich aufgeschmissen den beschwerlichen Fußmarsch antritt, der sie über etliche Umwege zurück in den Dschungel zur Villa von Dr. Zamora (Miguel Lunardi) führt. Dort erst einmal rastend, ahnen sie nicht, was ihnen blüht, als Zamora per Helikopter eintrifft. Der fackelt nämlich nicht lange, wetzt seine Skalpelle und beginnt Organe loszuschnippeln. Diese wirklich unangenehm inszenierte Operation, in dessen Verlauf Zamora eine ekelhafte Ruhe und Selbstverständlichkeit an den Tag legt, geht im wahrsten Sinne des Wortes an die Nieren, stellt aber gleichzeitig den einzig wirklichen Horroranteil dar.

Der Rest des Films stellt sich nämlich als ein einziger Survival-Trip durch den Dschungel mit einigen guten Ideen heraus. Das inszenatorische Highlight bildet dabei der von Peter Zuccarini („Into the Blue“, „Pirates of the Caribbean: Dead Man's Chest“) gefilmte Kampf in den Unterwasserhöhlen, wo lediglich vereinzelte Luftblasen für kurzes Durchatmen sorgen. Natürlich beißen einige Opfer ins feuchte Dschungel-Gras und gehen die Verfolger hops. Das Treiben wir zunehmend blutiger und brutaler, artet aber nicht in unappetitliche Schlachtplatten aus. Von der Flora & Fauna wechselt man für das Finale dann noch in „The Descent“ - Kulissen, um auch hinsichtlich der Locations noch ein wenig Abwechslung zu bieten, den Film allerdings gleichzeitig überraschend abrupt zu beenden.

Spannung und Atmosphäre hat John Stockwell dabei überraschend gut im Griff. Der Dschungel bei Tag und Nacht, Sonne oder Regen, ergibt eine unübersichtliche Kulisse und die Flucht vor Zamora und seinen Handlangern eine packende Situation nach der anderen. Auch wenn sich die Kandidaten, die noch den Abspann erleben werden, schnell herauskristallisieren, drückt man dem Rest die Daumen, dass der ein oder andere vielleicht doch die Schädeldecke behält oder nicht von Kugeln durchsiebt wird.

Das mulmige Gefühl seitens des Publikums nachdem die Dschungel-Villa betreten wird, die böse Vorahnung als der Arzt mitsamt Crew tatsächlich eintrifft und die verzweifelten Versuche der misslichen Lage zu entkommen sind trotz fehlender Innovationen verdammt haarige Angelegenheiten, die deutlich aufzeigen, wie viel Talent in Stockwell schlummert, wenn es darum geht die Zuschauer mit in das Geschehen zu involvieren. Möge man ihm doch mal bessere Drehbücher und mehr Budget zur Verfügung stellen.

Fazit:
John Stockwells kurzweiliges Survivalabenteuer überzeugt anhand einer guten Inszenierung, einer recht spannenden Geschichte und ordentlichen Darstellern. Innovationen sind „Turistas“ völlig fremd, die attraktive Optik macht aber Vieles wieder wett. Stockwell bleibt seinem Stil damit treu. Erneut versteht es der talentierte Filmemacher lediglich durchschnittliche Drehbücher attraktiv und spannend in Szene zu setzen. Auch wenn der Erfolg dieses Mal ausblieb, reicht es letztlich zu einem klar überdurchschnittlichen Genrefilm, der rundum Spaß macht, aber in keinerlei Hinsicht etwas wirklich Großartiges bietet. Ordentliche Unterhaltung, wie man sie von Stockwell mittlerweile gewohnt ist.

Wertung:
6/10 Punkte



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