Greenberg (2010)

OT: Greenberg - 107 Minuten - Tragikomödie
Greenberg (2010)
Kinostart: 02.04.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Greenberg

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Noah Baumbach konnte im Jahr 2005 mit Der Tintenfisch und der Wal seinen Durchbruch feiern und einen durchaus respektables Indie-Erfolg verbuchen. Auch das Drehbuch zu Wes Andersons sehr gelungenem Animationsfilm Fantastic Mr. Fox stammt aus seiner Feder und so kann man durchaus gespannt auf seinen neuesten Film Greenberg blicken, der während der Berlinale 2010 im Wettbewerb gelaufen ist. Die teilweise harsche und sehr gespaltene Reaktion auf den Film leuchtet allerdings nicht ganz ein, schafft es der Film doch insgesamt, trotz seinen Schwächen, zu überzeugen.

 

Roger Greenberg (Ben Stiller), gerade frisch erholt von einem Nervenzusammenbruch, reist nach Los Angeles um dort im Haus seines wohlhabenden Bruders zu leben, während dieser mit seiner Familie in Vietnam Urlaub macht. Unterstützen soll den schwierigen Fall dabei Florence (Greta Gerwig), die Assistentin seines Bruders. Doch aus gelegentlicher Hilfe entwickelt sich bald schon eine Art Beziehung, die Greenberg jedoch überhaupt nicht will, da der zynische Misanthrop die junge Florence nicht verletzen will. Es folgt also ein wildes Hin und Her, während Greenberg versucht sich selbst zu finden…

 

Beim näheren Hinsehen ergibt sich bei Greenberg ein interessantes Konzept, das den Film durchaus sehenswert werden lässt. Bereits die Einführung liefert dabei einen Hinweis: Denn der Film beginnt nicht, wie ansonsten üblich, mit der Einführung des Titelcharakters, sondern mit Florence und er etabliert dabei den Ort des Geschehens und das Love Interest. Interessant ist dies gerade deshalb, weil sich Florence im Laufe des Films als emotionaler Anker für den Zuseher erweist, und als Oase zwischen den Tiraden des kauzigen Greenbergs dient. Und somit ist Florence quasi eine geheime Hauptfigur, an die man sich viel eher als an die „wirkliche“ Hauptfigur Roger Greenberg klammert.

 

Dieser wird übrigens recht spannend von Ben Stiller verkörpert, der es tatsächlich schafft gegen sein Starimage anzuspielen. Der graumelierte, magere, wahnwitzige, zwangsneurotische Menschenfeind distanziert sich geschickt vom normalen Rollenstereotyp das Stiller normal zu erfüllen hat. Auch in den immer wieder hervorbrodelnden Wutausbrüchen bildet sich nicht nur eine wachsende Distanz zwischen Stiller und seiner Figur, sondern auch zwischen der Figur und dem Publikum. So richtig sympathisch wird einem dieser Roger Greenberg nämlich nie, und obwohl dies eigentlich ein Kritikpunkt ist, schafft es der Film dennoch diesen negativen Aspekt zu kompensieren.

 

Denn wie bereits erwähnt gleicht Greenberg die mangelnde Empathie für die Hauptfigur dadurch aus, die gesamten Sympathien in Richtung der weiblichen Hauptfigur zu schieben. So seltsam dies auch klingen mag, es funktioniert (aber wie die gespaltenen Kritiken zeigen, eben nicht für alle). Denn durch das gemeinsame Leiden an den oftmals unverständlichen Ausbrüchen Greenbergs identifiziert man sich stärker mit Florence und würde sich tatsächlich eine glückliche Auflösung für beide wünschen. Eigentlich eine Grundvorrausetzung, aber das Mainstream-Hollywood scheint diese Form der Identifizierung leider verlernt zu haben.

 

Und auch wenn man sich nie wirklich vollständig mit Greenberg verbunden fühlt, so besitzt der Film doch Momente, die Erinnerungen auch im Publikum wecken und Projektionsflächen erschaffen. So z.B. die Partys, in denen Greenberg zwischen den Welten hängt, und weder in sein Alter passt, noch zu den jungen Gästen. Oder auch wenn er sich hinsetzt und eine Mix-CD für Florence brennte, geradezu die Metapher schlechthin für die unbeschwerte Jugend, als man eine Freundin noch mit einer selbstgebrannten CD für sich gewinnen konnte, und alle Fehler wieder gutmacht. Auch dank eines stimmungsvollen Soundtracks und einem bewusst anderen Stil (der zugegeben vielen Independentfilm-Klischees entspricht) kann Greenberg überzeugen und gibt sich gefällig.

 

Doch es muss auch klar sein, dass der Film wohl nichts für alle ist. Die Hauptfigur wird vielen zu unsympathisch sein, der Stil hängt irgendwo zwischen Independent und fast schon zu klassisch Independent, und Greenberg driftet nur vor sich hin, ohne klassische Höhepunkte zu erreichen. Doch genau das spiegelt eben auch sehr gut die Hauptfigur wieder und ist irgendwie imponierend. Und auch dank den guten Leistungen von Ben Stiller, Greta Gerwig und Rhys Ifans entwickelt Greenberg einen angenehmen Fluss und schafft es zu berühren und zu unterhalten. Andere sehen das anders, aus meiner Sicht ist Greenberg trotz seinen Schwächen ein sympathischer Film.

 

Fazit:

Greenberg erzählt die Geschichte eines zynischen Misanthropen, der versucht den Fallstricken des Lebens auszuweichen. Ben Stiller schafft es in der Hauptrolle sehr gut sich von seinem Image zu distanzieren, mit der Nebenwirkung, dass seine Figur fast schon zu unsympathisch geraten ist. Doch dies ist auch Teil des Konzepts des Films, und mit der sympathischen weiblichen Hauptdarstellerin Greta Gerwig gleicht Greenberg diese Schwächen wieder aus, und schafft es eine positive Identifikationsfigur für den Zuseher anzubieten. Stilistisch bewegt sich Greenberg auf klassischem Independentterrain, gibt sich aber dennoch gefällig und überzeugend. Trotz Schwächen somit ein sehenswerter Film.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Liste von arienette
Erstellt: 09.04.2013