Mein Kampf (2010)

OT: Mein Kampf - 104 Minuten - Komödie
Mein Kampf (2010)
Kinostart: 26.03.2010
DVD-Start: 30.09.2011 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Mein Kampf

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Sommer 2008: Der Filmladen Verleih und die Produktionsfirma Dor laden zum Pressetermin in den 7. Wiener Gemeindebezirk zu den Dreharbeiten der Verfilmung von George Taboris „Mein Kampf“. Regisseur Urs Odermatt hat neben zahlreichen TV Filmen zumindest einmal in seinem Leben einen bemerkenswerten Film aus dem Ärmel gezaubert, das war „Gekauftes Glück“ aus den späten 80ern mit Regielegende Werner Herzog in einer Hauptrolle. „Mein Kampf“ sollte sein Comeback in die Kinos darstellen. Nach der Pressekonferenz geht es auf zum Setbesuch: Fotos mit Tom Schilling, Götz George und Anna Unterberger. Und dann fast zwei Jahre lang nichts mehr. Jetzt kommt der Film in die Kinos. Als Regisseur wird nicht mehr nur Urs Odermatt angegeben, sondern auch Martin Lehwald. Lehwald ist eigentlich Produzent („Short Cut to Hollywood“) – so auch bei diesem Projekt. Ursprünglich. Was haben wir hier also vor uns: Ein Filmprojekt, das viel zu lange dauerte und in das sich der Produzent zum Co-Regisseur machte. Scheint, als seien – um endlich die Brücke zum Filmtitel zu schlagen - zahlreiche Kämpfe bei diesem Film ausgetragen worden. So viel noch, bevor wir uns dem Film zuwenden: „Mein Kampf“ ist eine deutsch/österreichisch/schweizerische Produktion. Bislang hat der Film nur in Österreich einen Kinostarttermin.

 

George Taboris „Mein Kampf“ handelt vom jungen Adolf Hitler (Tom Schilling), der nach Wien kommt, um Maler zu werden. Im Männerheim nimmt ihn der Jude Schlomo Herzl (Götz George) unter seine Fittiche und wird zur Vaterfigur, die Hitler nicht hatte. Der jedoch macht bereits in jungen Jahren mit einem ausgeprägten Sinn für Antisemitismus von sich reden und nachdem es nichts mit der Künstlerkarriere wird, schließt er sich einer nationalen Bewegung an, deren Führer er am Ende sein wird.

 

So weit, so gut, so historisch unkorrekt – aber es handelt sich nun mal um ein Theaterstück des großen George Tabori, den man als gebildeter Mensch in Österreich einfach verehren sollte. Muss man aber nicht, und schon gar nicht im Zusammenhang mit diesem Machwerk, das jetzt von der Leinwand strahlt. Denn an diesem Film ist einfach alles falsch. An der Grundannahme, man könne Theater einfach ins Medium Film transportieren scheitert er gewaltiger, als man es sich vorstellen könnte. Alles an MEIN KAMPF wirkt hilflos: Die gestelzte Sprechweise Tom Schillings als Hitler, der unmotivierte Einsatz von Bildbearbeitungseffekten, die künstliche Dramaturgie, die nicht funktionieren kann und will, die hölzerne Inszenierung. Götz George stemmt sich gegen dieses Nichts von Film. Aber, so scheint es mit fortschreitender Laufzeit (immerhin lächerlich-qualvolle zwei Stunden), er resigniert schnell. Und so ist MEIN KAMPF nicht einmal für Fans des Schimanski-Darstellers interessant.

 

Woran erkennt man wirklich schlechte Filme? An schlechten Schauspielern? Anschluss- und Logikfehlern? Nicht vorhandenem Budget, keinem Sinn für Ästhetik? An all diesen Grundvoraussetzungen liegt es nicht – sie sind bei MEIN KAMPF durchaus vorhanden. Man erkennt wirklich schlechte Filme vielmehr daran, dass sie keinerlei Bezug, keinerlei Reibungsfläche bieten. Würde sich MEIN KAMPF nicht so furchtbar ernst nehmen, könnte man ihn als mehr oder weniger missglückte Komödie abtun. So bleibt der Film bloß ein absolutes Ärgernis, eine Zeitverschwendung, schlimmer als jeder „Trashfilm“ es je sein könnte. Überhaupt findet eine der spannendsten (und nebenbei gesagt auch komischsten) Konfrontationen mit der Figur Hitlers im italienischen Klamaukfilm statt: ONKEL ADDI, GIB DEM FÜHRER SAURES (mit Adriano Celentano in einer Doppelrolle) sei an dieser Stelle jedem empfohlen, als Lehrstück, wie man im Kino gefälligst mit dieser Materie umzugehen hat. Denn obwohl der es sich nicht zur Aufgabe macht, uns die Welt des jungen Hitler zu erklären, tut er genau das viel wirkungsvoller, als es MEIN KAMPF je könnte. Und macht dabei noch dazu einen Haufen Spaß!

 

Eine letzte Frage: Warum startet der Film derzeit nur in Österreich und nicht in Deutschland und der Schweiz? Sicherlich nicht, weil wir hierzulande besondere Affinität zu Adolfs Jugendstory, die sich ja in Wien zutrug, hätten. Der Grund ist vermutlich völlig banal: Weil hier der Name George Tabori einem Bildungsbürger ein Begriff ist, der Skandal, den das Stück vor über 20 Jahren auslöste vermutlich ebenfalls und sich damit leicht Marketing machen lässt. Filmering.at Leser lassen sich davon aber nicht in die Irre leiten und bleiben dem Film konsequent fern!

 

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