African Queen (1951)

OT: African Queen - 105 Minuten - Abenteuer / Komödie
African Queen (1951)
Kinostart: Unbekannt
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Filmkritik zu African Queen

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Der Künstler Werner Pokorny „baut“ Häuser. Seine Skulpturen manifestieren den Versuch der Menschen, über den Hausbau eine relative Sicherheit, Schutz vor Gefahren, Wärme, Zusammengehörigkeit und einiges mehr zu finden. Haus – das heißt hier nicht nur das physisch Fassbare, Sichtbare. Der Begriff Haus steht hier ebenso als eine Metapher für dieses Bedürfnis nach allumfassenden Schutz, sogar Identitätsstiftung, Behausung, Heimat. In Pokornys Skulpturen, die in vielen Museen und Kunstausstellungen zu sehen sind, manifestiert sich aber ebenso das Scheitern dieser Versuche: nicht fertig gewordene Häuser, Rohbauten sozusagen, und damit – wieder Metapher – steht „Haus“ eben auch für Konflikt, für Leid, Schmerz, ja möglicherweise sogar für Gefängnis, Unfreiheit. Diese Ambivalenz in der Metapher zieht sich durch die Geschichte der Menschheit von der ersten Höhle bis zu den modernen Massen-Häusern, vom Zelt bis zum Iglu, von der Strohhütte bis zu den Wellblech-Unterkünften in den Slums am Rande „moderner“ Großstädte. Selbst Kinder bauen schon Häuser und wissen um ihre Bedeutung: Baumhäuser, einige Meter oberhalb des Erdbodens, der Baumwipfel als Dach, ein paar Bretter, die Blätter als Schutz und Sichtschutz. Haus ist eben auch Versteck.

Das Haus des Herumtreibers Charlie (Humphrey Bogart) ist die „African Queen“, ein 30 Fuß langes Dampfboot, so ungefähr 30 Jahre alt. Aber dieses Boot fährt noch, es tuckert durch Ostafrika, durch englische und deutsche Kolonien zu Beginn des ersten Weltkrieges im September 1914. Charlie raucht, trinkt Gin, rasiert sich nur, wenn er Lust dazu hat. Charlie ist ein sympathischer, leicht ungehobelter Abenteurer, der auf seinem Boot allerlei von hier nach da transportiert.

Zwei andere haben auch ein zu Hause gefunden. Der englische Reverend Samuel Sayer (Robert Morley) und seine offenbar ebenso gottesfürchtige Schwester Rose (Katherine Hepburn), die in einem kleinen afrikanischen Dorf die Orgel spielt, wenn der methodistische Reverend seine Predigt beendet hat und alle heilige Lieder singen sollen. Das hört sich mitunter grauslich an, denn dem christlichen Sendungsbewusstsein der Sayers steht eine afrikanische Kultur gegenüber, die meilenweit davon entfernt scheint. Wer ein richtiger Methodist ist, allerdings, der gibt nicht auf. Ab und an, alle paar Monate tuckert Charlie mit seinem Boot auch zu den Sayers, um Dinge zu liefern, auf die trotz des freiwillig gewählten einfachen Lebens ein richtiger Engländer nicht verzichten kann.

Nun allerdings, im September 1914 bricht der Krieg auch in den Kolonien aus. Deutsche Soldaten befinden sich auf einer Strafexpedition, brennen die Hütten nieder, vertreiben die Einwohner. Samuel Sayer verkraftet das nicht. Er phantasiert, bricht zusammen und stirbt schließlich an gebrochenem Herzen angesichts der Gräuel, die der Krieg mit sich bringt. Charlie nimmt Rose mit auf sein Boot.

So tuckern beide den Ulanga hinunter, der später in den Fluss Bora übergeht und in einem großen See in Zentralafrika endet. Charlie wäre zufrieden damit, an einer ruhigen, abgelegenen Stelle des Flusses zu „überwintern“, bis der Krieg vorbei ist. Gin ist genug auf dem Boot, Zigarren und auch Wasser. Doch Rose ist damit gar nicht einverstanden. Sie entpuppt sich plötzlich als eine Frau, die nicht nur eigenwillige Ideen entwickelt, sondern es auch versteht, sie in die Tat umzusetzen. Dazu allerdings braucht sie Charlie. Warum könne man nicht aus den an Bord befindlichen Sauerstoffflaschen und dem Dynamit Torpedos bauen, um die „Louisa“, ein deutsches Kriegsschiff, das den See überwacht und mit den besten Waffen in Ostafrika ausgestattet ist, zu vernichten? Charlie kann nicht glauben, was er da hört – zumal es auf dem Fluss Stromschnellen und Wasserfälle gibt, die die „African Queen“ sicher nicht überwinden könne – und eine deutsche Festung, von der aus die Armee den Fluss überwacht.

Charlie ist entsetzt. Er betrinkt sich, singt laut und benimmt sich nicht gerade wie ein Gentleman. Rose weiß sich jedoch auch hier zu helfen. Sie kippt den gesamten Gin ins Wasser. Charlie kann es nicht fassen. „A man takes a drop too much once and a while, it's only human nature.“ Doch mit diesem Satz hat Charlie die Schlacht an Bord verloren. Er bekommt zur Antwort: „Nature, Mr. Allnut, is what we are put in this world to rise above.“ Sagt Rose, ohne Charlie dabei anzusehen, in einem lehrhaften, doch zugleich sehr überzeugenden Ton.

Der Zweikampf an Bord setzt sich fort, allerdings auf einer anderen Ebene: zwei gegen die Gefahren, die da warten. Charlie wird sich bewusst, dass diese Frau, die vor kurzer Zeit noch Orgel spielte und die er für eine anständige, aber langweilige Dame hielt, es auf andere Weise genauso faustdick hinter den Ohren hat wie er. Nur, Rose weiß ihren Verstand gezielter einzusetzen. So bringt sie ihn dazu, die defekte Schraube zu reparieren, die die „African Queen“ vorwärts treibt. Gemeinsam überwinden beide Stromschnellen, deutsches Fort und einige andere Unbill, die der Fluss mit sich bringt.

Da gelingt ein eigentümlicher Hausbau in der Fremde, und am Schluss erweist sich das Haus „African Queen“ als äußerst nützlich, aber eben nicht als zentral für den „Hausbau“. Rose und Charlie werden (natürlich) ein Paar. Charlie ist ein Schlawiner, ungehobelt, und in manchen Situationen büxt er lieber aus, als sich unnötig, wie er meint, einer Gefahr zu stellen. Rose dagegen will es den Deutschen heimzahlen (die übrigens – der Film stammt aus dem Jahr 1951 – nicht besonders gut wegkommen). Schließlich haben sie ihren Bruder und einiges andere auf dem Gewissen. Charlie baut Torpedos, und aus dem Hausboot wird ein kleines Kriegsschiff.

Rose – auf den ersten Blick nur gottesfürchtig – erweist sich als emanzipierte Frau. Und niemand anders hätte diese Rolle spielen können als die wunderbare Katharine Hepburn, die als Susan Vance schon in „Bringing Up Baby“ („Leoparden küsst man nicht“, Regie: Howard Hawks) 1938 Cary Grant als Dr. David Huxley auf äußerst humorvolle Art das Fürchten und das Lieben lehrte. Rose ist Charlie überlegen. Rose pocht auf ihre Überlegenheit, aber sie spielt sie nicht gegen Charlie aus. Der Hausbau glückt – trotz aller Gefahren und trotz aller Lebensgefahr, in die sich beide begeben. Aber da ist noch etwas, was beide zusammenbringt: Charlies Geduld und seine Duldsamkeit. Die ermöglicht ihm nämlich, sich Rose – wenn auch in der Form „zwei Schritte vor, einer zurück“ – zu nähern. Was sollte da am gegenüber liegenden Ende des Krieges anderes stehen als die Liebe?

Bogart ist hier in einer außergewöhnlichen Rolle zu sehen. Das ist nicht Bogart als Rick in „Casablanca“ (1942) oder als Gangster Frank McCloud in „Key Largo“ (1948) oder als Philip Marlowe in „Tote schlafen fest“ (1946). Der Herumtreiber hat Witz, scheint „einfach gestrickt“ und ist doch zu intelligent, um nicht zu erkennen, was sich zwischen ihm und Rose wirklich abspielt: eine Annäherung, die so ziemlich alles sprengt, was anfangs zwischen beiden steht.

Huston „tauchte“ die Hepburn und Bogart in einen farbenfrohen afrikanischen Regenwald mit allem Drum und Dran, sprich mit aller Schönheit und Gefahr, und schuf ein Meisterwerk der Filmkunst, in dem er ein ausgewogenes Maß an Tragik, Romanze und Komödie fand, das an Spannung nie verliert und zudem von humorvollen und intelligenten Dialogen lebt.

 

Wertung:

10/10 Punkte


Quelle: Follow-me-now.de / Ulrich Behrens

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