Dämon (Kichiku) (1979)

OT: Kichiku - 110 Minuten - Drama / Thriller
Dämon (Kichiku) (1979)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Dämon (Kichiku)

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Langsam aber doch hält das asiatische Kino auch Einzug in die westliche Welt. Das Werk des japanischen Filmemachers Yoshitaro Nomura dürfte hierzulande aber noch weitgehend unbekannt sein, was vor allem auch dadurch begründet ist, dass es bis dato keine DVD-Veröffentlichung seiner Filme im europäischen Raum gab. Diesen Umstand will nun Polyvideo im Zuge der Reihe "Japanische Meisterregisseure" verbessern, und präsentiert Nomuras großartigen, beunruhigenden und fesselnden Film Dämon, der sich garantiert in der Erinnerung des Betrachters festsetzen wird.

 

Sokichi (Ken Ogata) betreibt gemeinsam mit seiner Frau Oume (Shima Iwashita) eine Druckerei, und kann sich damit gerade über Wasser halten. Eines Tages taucht eine Frau bei ihnen auf, die sich als Sokichis Geliebte vorstellt, und die drei gemeinsamen Kinder mitbringt. Sie will mehr Geld, doch so schnell wie sie gekommen ist, ist sie auch wieder verschwunden, lässt aber die Kinder bei Sokichi und Oume zurück. Das Paar ist mit der neuen Situation überfordert, und da kommt Oume eine Idee, wie sie gemeinsam die unliebsamen Gäste wieder loswerden können…

 

Man soll sich vom deutschen (und auch englischen) Titel nicht täuschen lassen. Dämon ist nicht etwa der x-te Vertreter der Japan-Horrorwelle die über uns hereinbricht, stattdessen zeigt uns Yoshitaro Nomura den Horror aus einer anderen Perspektive. Es ist der alltägliche Horror, der sich in das Leben der Menschen schleicht, dort schließlich Wurzeln schlägt und irgendwann auf grauenvolle Weise hervorbricht. Mit einer messerscharfen Bildsprache, irgendwo zwischen kühler Präzision und maschineller Automatisierung, drängt Nomura seine Figuren immer weiter Richtung Abgrund, und zwingt uns nicht nur alles mitanzusehen, sondern auf gewisser Weise die Taten auch nachzuvollziehen.

 

Dämon wird erzählt aus der Perspektive von Sokichi. Er ist ein willensschwacher Held, unglaublich eindringlich verkörpert von Ken Ogata, der sich seinem Schicksal ergibt, und blind den vorgegebenen Pfaden folgt. Das Problem der Sache ist dabei seine Frau, die man am ehesten noch als den Dämonen des Films bezeichnen könnte. Bereits ihre Inszenierung lässt schlimmes vermuten: Bleiches Gesicht, schwarzumrahmte Augen, den Wahnsinn im Blick und dabei vor allem agierend wie ein Pitbull den man von der Leine gelassen hat. Auf Geheiß  dieses Dämons begeben wir uns ins Herz der Dunkelheit und loten dabei die Grausamkeit die im Menschen steckt aus.

 

Unter dem kühlen Blick von Nomura, der seine Geschichte präzise wie ein Uhrwerk taktet, und uns unaufhaltsam in Richtung Abgrund schiebt, entfaltet sich in Folge eine Geschichte, die unter die Haut geht. Der Zuseher findet sich in der Position von Sokichi wieder, der gefangen ist zwischen eigenen Emotionen und dem Druck seiner Frau. Nomura spielt aber auch mit der Hilflosigkeit, die den Zuseher ergreift, wenn er beobachten muss, wie sich alles weiterentwickelt. So sind wir gefangen zwischen der Betroffenheit angesichts der Grausamkeit, und dem Verständnis warum dieser willensschwache Vater so handeln muss.

 

Dämon arbeitet dabei auch mit einer zynischen Form des Suspensekinos, wenn man etwa mitfiebert ob das Kind sein Essen soweit isst, dass es das eingearbeitete Zyankali erwischt, oder wenn man miträtseln darf, ob der Vater nun sein Kind die Klippe hinunterstößt oder nicht. Es sind Momente wie diese, die man nicht so schnell vergessen wird. Eingerahmt ist diese schockierende Geschichte in fabelhaften Bildern, die nicht nur atmosphärische Qualitäten in sich tragen, sondern vor allem eine längst vergangene Zeit heraufbeschwören und den Zuseher ins ferne Japan transportieren. Als nicht ganz überzeugend erscheint jedoch die Auflösung der Geschichte, aber ansonsten ist Dämon ein Film, den man nur wärmstens empfehlen kann und den man dank der ausgezeichneten DVD-Veröffentlichung nun endlich auch in unseren Breitengraden genießen kann.

 

Fazit:

Dämon ist ein präzise inszenierter Film, der es versteht den Zuseher an der Hand zu nehmen und in eine abgründige Welt zu führen. Es ist der Horror der im Menschen lauert, der hier thematisiert wird und einige Bilder des Films werden sich garantiert sehr lange im Kopf des Zusehers festsetzen. Eingebettet in eine fabelhafte Bildsprache und ein atmosphärisch großartiges Setting schafft es Dämon, auch dank seinen fabelhaften Darstellern, zu überzeugen. Die DVD-Veröffentlichung aus dem Hause Polyvideo ist somit eine großartige Möglichkeit diesen, im westlichen Raum noch nicht erschienen, Film zu genießen. Klare Kaufempfehlung!

 

Wertung:

8/10 Punkte

 

DVD-Tipp:

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