Rio Escondido (1948)

OT: Rio Escondido - 110 Minuten - Drama
Rio Escondido (1948)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Rio Escondido

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Eine große griechische Tragödie, die allerdings in Mexiko angesiedelt ist. Wie ernst es Regisseur Emilio Fernández damit ist, zeigt er schon zu Beginn: Eine malerische Kamerafahrt vor dem Regierungspalast in Mexiko Stadt, dazu Off-Kommentare des Engels der Unabhängigkeit und des Platzes der Verfassung. Mythisch überhöht, fast schon religiös mutet das alles an. Die herzkranke Lehrerin Rosaura Salazar (Maria Felix) erhält vom Präsidenten der Republik, den man nur angeschnitten oder als Riesenschatten auf der Wand sieht und der wie ein Prediger spricht und nicht wie ein Politiker, einen Spezialauftrag. Im abgelegenen Dorf Rio Escondido soll sie die Schule aufbauen und mit ihrem Wissen für Fortschritt und Wohlstand sorgen.

 

Es ist von Anfang an klar, wie sehr dieser Auftrag scheitern muss und wie sehr die Heldin zum Untergang verdammt ist. Schon als sie das Büro des Präsidenten verlässt, erleidet Rosaura einen Zusammenbruch und wird von einem anwesenden Arzt erkannt. Der hat ihr aufgrund ihres Herzleidens vor einigen Jahren schon verboten zu studieren und zu arbeiten. „Sie hat nicht mehr lange zu leben“, flüstert er einem Kollegen zu. Unbeeindruckt davon macht sich Rosaura auf den Weg, ihren „heiligen“ Auftrag umzusetzen. Nach einem weiteren Zusammenbruch gabelt sie der junge Arzt Felipe auf, der für den Aufbau im Nachbardorf sorgen soll. Ein smarter Typ, der sofort mit Diagnosen zur Hand ist und der selbstverständlich die Kranke durchschaut. Aber auch er kann sie nicht dazu bewegen umzukehren.

 

In Rio Escondido angekommen, zeigt sich schnell, wer Schuld an der Misere ist: Der selbstsüchtige Landbesitzer Sandoval, dessen Colt und Peitsche locker sitzen und der mit seinen treuen Vasallen die Bevölkerung unterdrückt. Die Schule dient als Pferdestall und die Not leidenden Einwohner müssen mit ansehen, wie ihr Brunnen versiegt, während Sandoval in seiner Privatzisterne über Wasser in Hülle und Fülle verfügt. Rosaura weigert sich, das Dorf wieder zu verlassen. Der Ausbruch der Pocken rettet sie schließlich, denn auch Sandoval erkrankt an den Viren und Felipe rettet ihm das Leben. In Sandoval findet ein Umdenken statt, er will sich ändern - mehr noch: Er verliebt sich in die resolute Rosaura. So geschah das schon mit ihrer Vorgängerin, die Sandoval kurzerhand von seinen Männern umbringen lässt. Rosaura denkt jedoch nicht daran, seine Gefühle zu erwidern. Sie wehrt sich und demütigt Sandoval vor allen in der Schule.

 

Seine Liebe wandelt sich in blanken Hass. Im Suff erschießt er einen Jungen, der Wasser aus seiner Zisterne stiehlt und erregt so nach und nach den Zorn der Bevölkerung. Nach einer weiteren Provokation kommt es zum Aufstand: Rosaura erschießt Sandoval und die Dorfbewohner lynchen seine Männer. Ein weiterer Zusammenbruch Rosauras überschattet ihren Triumph. Sie schafft es gerade noch, ein Schreiben an den Präsidenten zu verfassen. Beim Verlesen seiner Antwort verstirbt sie im Krankenbett.

 

Wäre RIO ESCONDIDO eine große Oper, so würde Rosaura nach dem Aufstand der Bauern tödlich zusammenbrechen: Sie hätte sich gewissermaßen wie Brünnhilde ins Feuer gestürzt und den Weltenbrand entfacht. RIO ESCONDIDO ist aber keine Oper, sondern mehr ein Mysterienspiel: Vieles ist religiös überfrachtet, wenn der Präsident zu Beginn und zum Schluss aus dem Off seine mahnenden Worte an Rosaura richtet, oder sie von ihrer Mission beflügelt Brandreden auf die Menschlichkeit, Benito Juarez und auf den gesellschaftlichen Umbruch schwingt, so geschieht dies seltsam entrückt. Und daher darf sie am Schluss nicht so einfach vergehen, sondern muss noch die Absolution erhalten.

 

In der Hauptrolle ist Maria Félix zu sehen, wohl die berühmteste mexikanische Schauspielerin, die in zahlreichen Filmen starke Frauenrollen verkörperte und später auch in Filmen von Jean Renoir und Luis Bunuel dem europäischen Publikum bekannt wurde. Regisseur Emilio Fernández inszenierte fast 50 Filme und war ebenso als Schauspieler erfolgreich (wie in Sam Peckinpahs THE WILD BUNCH). 1946 erhielt er für seinen Film MARIA CANDELARIA den großen Preis.

 

RIO ESCONDIDO war im Rahmen der Filmschau zum „Goldenen Zeitalter“ des Mexikanischen Films im Österreichischen Filmmuseum zu sehen.


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