Wholetrain

OT: -  89 Minuten -  Sprayer / Drama
Wholetrain
Kinostart: 06.07.2007
DVD-Start: 06.11.2012 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Wholetrain

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Graffitis, welche Hauswände, Züge, Busse und nahezu jede mögliche ergraute und einfärbige Ebene zieren, waren lange Zeit nur eine Domäne im amerikanischen Raum, doch aus der Hip Hop Subkultur im New Yorker Untergrund wurde bald ein weltweites Phänomen. Selbst in Europa traten die bunten Muster ihren Siegeszug an und verwandelten triste Häuser in bewohnbare Kunstwerke. Dahinter steht neben der künstlerischen Verschmelzung aus Graffiti, Break-Dance und Rap zu einer zusammengehörenden Kunst, vor allem der kreative Wille des Sprayers, der mit seinen Taten nach Anerkennung strebt. Wer könnte nun eine solche Geschichte besser erzählen, als Florian Gaag, der lange Zeit selbst in der Szene unterwegs war?

 

Die drei Freunde David (Mike Adler), Tino (Florian Renner) und Elyas (Elyas M’Barek) teilen sich nicht nur eine gemeinsame Freundschaft, sondern vor allem die gemeinsame Obsession des Sprayens. Neben ergrauten Flächen haben sie es vor allem auf U-Bahnen abgesehen, und um an diese zu gelangen müssen sie spät nachts in das Depot einbrechen. Doch nicht nur die Grenze zum Gesetz wird wegen ihres Hobbys übertreten, sondern auch die Grenze des moralischen Anstands. Tino vernachlässigt sein eigenes Kind und David sind seine Bewährungsauflagen herzlich egal. Doch es kommen auch noch andere Probleme auf die Gruppe zu: Eine andere Sprayer-Truppe macht ihnen Konkurrenz. Deren Styles sind weit aus komplexer und aufregender, also versuchen sich die beiden Gruppen immer gegenseitig zu übertreffen...

 

Florian Gaag schafft es sehr gut die Obsession der Sprayer in seinen Film zu packen und zu zeigen wie sie auf der Suche nach Anerkennung die Grenze zur Illegalität überschreiten. Er versteht es sehr gut diese Subkultur zu beschreiben und sie authentisch auf die Leinwand zu bringen. Die herumlungernden Sprayer, die untertags versuchen neue Skizzen anzufertigen und sich schon mal mit Alkohol und Drogen entspannen geben ein realistisches Bild ab und tun der Atmosphäre gut. Lediglich bei der Sprache hat man es etwas zu gut gemeint. Zwar wird auch hier auf Authentizität gesetzt, aber nicht informierte Zuseher können schon mal gewisse Teile des Jargons nicht verstehen.

 

Auch die Inszenierung kann als durchaus gelungen betrachtet werden. Die Kamera ist immer auf Höhe der Protagonisten und verfolgt sie durch die nächtlichen Sprayabenteuer. Als Zuseher fühlt man sich, als wäre man mitten drin und ertappt sich auch dabei Angst vorm "erwischt werden" zu haben. Besonders die mobile Kamera, die sich schon mal umsieht und quasi schaut ob auch niemand da ist, verstärkt diesen Eindruck noch. Die Musik ergibt ein ähnlich stimmiges Bild und neben den passenden Tracks wurde die Musik auch gekonnt eingesetzt. Zum Beispiel hört man während des Sprayens rasante Beats, doch als es des Anschein hat, als würde jemand kommen, verstummt die Musik abrupt und als Zuseher wird man unter Anspannung gesetzt. Wenn die Lage geklärt ist, setzt auch der Beat wieder ein. So hat der Zuseher immer das Gefühl vor Ort zu sein und ist mit den Figuren emotional auf einer Ebene.

 

Leider kann der Plot bei weitem nicht so überzeugen wie die gelungene Millieuskizze. Viel wirkt vorhersehbar und etwas klischeebeladen. So richtig Dramatik baut sich nicht auf. Zwar kann Wholetrain durch seine Inszenierung durchaus Spannung aufbauen, aber auf narrativer Ebene tümpelt er etwas vor sich hin ohne dem Zuseher viel zu bieten. Das dynamische Setting und die eigentlich gut spielenden Jugendlichen retten den Film dann zwar doch, aber etwas wirklich großes ist nicht aus Wholetrain geworden. Authentizität, Kurzweiligkeit und teilweise auch Spannung sind zwar gegeben, und für seine Low-Budget Verhältnisse ist er auch ziemlich gut geworden, aber gegen die starke Konkurrenz in diesem Sommer hat der Film keine Chance.

 

Fazit:

Wholetrain ist ein recht unterhaltsamer Low-Budget Film, der es schafft seiner gezeigten Sprayer-Subkultur viel Authentizität zu verleihen, aber auf narrativer Ebene scheitert der Film. Die Geschichte gibt, um es kurz zu sagen, nicht wirklich viel her. Zwar rettet die gelungene Inszenierung den Film, aber ein aussergwöhnlicher Streifen ist es nicht geworden. Jeder der sich für das Thema interessiert wird nicht enttäuscht werden, aber für die anderen gibt es bessere Filme im Kino.

 

Wertung:

6/10 Punkte

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