![]() ![]() Alice im Wunderland OT: Alice in Wonderland Regie: Tim Burton Drehbuch: Linda Woolverton Darsteller: Mia Wasikowska, Johnny Depp, Anne Hathaway, Helena Bonham Carter, Alan Rickman, Michael Sheen, Christopher Lee, Crispin Glover, Stephen Fry Filmstart: 05.03.2010 | Laufzeit: | Fantasy-Abenteuer |
Alice Kingsleigh (Mia Wasikowska) ist 19 Jahre alt und auf einer Gartenfeier überrascht sie ein gut betuchter, aber langweiliger Lord mit einem Heiratsantrag. Alice fühlt sich überrumpelt und bittet um etwas Zeit. Da entdeckt sie plötzlich ein weißes Kaninchen, dem sie folgt. Doch da stürzt Alice ab, und findet sich in einer wirren Welt wieder. Man scheint sie dort zu kennen, und laut einer Prophezeiung soll sie die Welt retten. Denn die rote Königin (Helena Bonham Carter) hat die Macht von der weißen Königin (Anne Hathaway) übernommen, und regiert das Land mit straffer Hand. Todesurteile sind an der Tagesordnung, doch so lange sie den Drachen Jabberwocky kontrolliert wagt niemand zu revoltieren. Doch der verrückte Hutmacher (Johnny Depp) hat einen Plan, und will Alice zu ihrem Schicksal führen...
Doch der Einstieg erweist sich als schleppend und fast langweilig. Die bornierte Gartenparty, inklusive völlig überzogenen Charakteren überzeugt nicht wirklich, und scheint ein allzu simpler Griff in die Trickkiste zu sein, um das Wunderland als Ort des Entfliehens zu etablieren. Auch die ersten Momente in der, tricktechnisch aufwändig gestalteten, Fantasywelt wissen noch nicht unbedingt zu überzeugen. Die Optik mit ihrem CGI-Overkill ist gewöhnungsbedürftig, hat aber nach einiger Zeit auf Grund ihrer Detailverliebtheit durchaus ihren Reiz. Die Figuren haben zwar standesgemäß ihre Macken, wie es sich auch für eine Alice im Wunderland Verfilmung gehört, aber es stellt sich nicht das Gefühl der völlig durchgeknallten Sprach- und Geistesverwirrung ein, die man sich erhoffen würde.
Man soll diesen Kritikpunkt nicht falsch verstehen. Natürlich hat auch Tim Burton genügend Verrücktheiten eingebaut, besonders Helena Bonham Carter darf sich als rote Königin austoben, aber der Schwerpunkt liegt eben leider auf der klassischen Abenteuerhandlung. Und diese ist dramaturgisch gesehen nicht gerade ein Meisterwerk. Man orientiert sich lediglich am Standardleitfaden, und serviert leider nur gewöhnliche Kost. Und das hat man wohl am wenigstens erwartet, als bekannt wurde, dass Tim Burton Alice im Wunderland verfilmt. Besonders dramatisch wird dieser Umstand am Ende, wenn Burton seine Geschichte nicht etwa als kreativen Vulkanausbruch ausklingen lässt, sondern nur eine 08/15 Schlacht hinrotzt, wie man sie in jedem Abenteuerfilm von der Stange sieht.
Auch erscheint es nicht als gänzlich überzeugend, dass der Film versucht eine selbstreflexive Ebene mit ins Spiel zu bringen. Denn Alice hat das Wunderland als Traum in Erinnerung, und ist deshalb auch die ganze Zeit überzeugt erneut zu träumen. Nun stellt sie die Welt des Films immer wieder selbst in Frage, und konfrontiert den Zuseher damit, dass alles nur ein Traum ist. Dies raubt der Geschichte irgendwo etwas an Kraft, da es schwer fällt in die Fantasywelt abzutauchen, da man fast schon dazu genötigt wird, alles nur als Traum zu sehen. Auch die teilweise aufkommende Brutalität passt nicht wirklich. Burton schlägt tendenziell einen unterhaltsamen Ton an, aber immer wieder schafft es explizite Gewalt auf die Leinwand, wie das Ausstechen eines Auges, oder das Köpfen eines Ungeheuers. Die Atmosphäre ist zwar durchaus düster, aber das passt dann leider doch nicht.
Insgesamt gesehen gibt es also leider eine Menge zu kritisieren am neuesten Film von Tim Burton. Doch es ist natürlich nicht alles schlecht. In seinen besten Momenten bringt der Film tatsächlich etwas vom durchgeknallten Charme des Ausgangsmaterial mit ein, am ehesten noch mit der roten Königin und dem Märzhasen, und auch wenn Burton etwas zu seher den CGI-Zauberstab geschwungen hat, weiß das Design der Welt doch zu gefallen. Im Wesentlichen kann man also, speziell als Fan des Regisseurs, schon einen Blick riskieren. Aber die Erwartungshaltung sollte gedämpft sein, denn Burton hat es leider nicht geschafft die verrückte Welt von Lewis Caroll durchgehend zufriedenstellend auf die Leinwand zu bringen. Denn er hat sich leider zu sehr in den Winkeln seiner, allzu konventionellen, Abenteuergeschichte verloren.
Fazit:
Es soll Alice im Wunderland sein? Dann lieber der Disney Film, oder vielleicht gar das Buch. Denn Tim Burton ist leider teilweise daran gescheitert die durchgeknallte Welt mit all ihren Sprachwirrungen auf die Leinwand zu bringen. Das ist schade, denn gerade in den Momenten wo er sich auf den Wortwitz und die ausgeflippte Situationskomik im Sinne der Vorlage verlässt, also vor allem in den Szenen mit der roten Königin und dem Märzhasen, kann sein Film überzeugen. Aber über weite Strecken setzt der Film vor allem auf eine konventionelle Abenteuergeschichte und teilweise auch langweilige Action. Auch hat es der Figur des Hutmachers etwas geschadet, dass sie viel mehr Screentime bekommen hat. Burtons Film ist dennoch nicht schlecht, aber eben auch nicht besonders gut. Man kann nicht leugnen, dass das Spektakel an manchen Stellen durchaus Spaß macht, aber an vielen anderen Stellen funktioniert das Konzept leider nicht so ganz. Auch optisch ist Alice im Wunderland zwiespältig. Das Design an sich ist schon gelungen, nur die Umsetzung mit CGI im Überfluss wirkt stellenweise zu künstlich, und nicht durchgehend überzeugend.
Wertung:
6/10 Punkte

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