Alice im Wunderland (2010)

OT: Alice in Wonderland - 108 Minuten - Fantasy / Abenteuer
Alice im Wunderland (2010)
Kinostart: 05.03.2010
DVD-Start: 31.08.2012 - Blu-ray-Start: 31.08.2012
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Filmkritik zu Alice im Wunderland

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Tim Burton ist wohl einer der verdrehtesten Märchenonkel der Traumfabrik. Im Gegensatz zu Steven Spielberg, der sich den klassischen Familienfilmen verschrieben hat, arbeitet Burton aber gerne mit den dunklen Aspekten seiner Geschichte. Sein neuester Streich ist die Neuverfilmung von Lewis Carolls berühmten Buch Alice im Wunderland. Kein leichtes Unterfangen, denn die Geschichte ist tief im kollektiven Bewusstsein verankert, und somit altbekannt. Doch Burton lässt sich davon nicht abschrecken und dreht kurzerhand seine eigenen Version des Themas, wenngleich die Qualität nicht ganz an die anderen Werke des Kreativkopfs heranreicht.

Alice Kingsleigh (Mia Wasikowska) ist 19 Jahre alt und auf einer Gartenfeier überrascht sie ein gut betuchter, aber langweiliger Lord mit einem Heiratsantrag. Alice fühlt sich überrumpelt und bittet um etwas Zeit. Da entdeckt sie plötzlich ein weißes Kaninchen, dem sie folgt. Doch da stürzt Alice ab, und findet sich in einer wirren Welt wieder. Man scheint sie dort zu kennen, und laut einer Prophezeiung soll sie die Welt retten. Denn die rote Königin (Helena Bonham Carter) hat die Macht von der weißen Königin (Anne Hathaway) übernommen, und regiert das Land mit straffer Hand. Todesurteile sind an der Tagesordnung, doch so lange sie den Drachen Jabberwocky kontrolliert wagt niemand zu revoltieren. Doch der verrückte Hutmacher (Johnny Depp) hat einen Plan, und will Alice zu ihrem Schicksal führen...

Obwohl der Ansatz zunächst ungewöhnlich erscheint, wirkt es doch richtig, dass sich Tim Burton dazu entschieden hat relativ freizügig mit der Vorlage umzugehen. So wirkt Alice im Wunderland nicht unbedingt wie eine klassische Neuverfilmung, oder ein Remake des bekannten Disneyfilms, sondern eher wie ein Sequel. Burton erreicht das damit, dass er kurzerhand die beiden Alice Bücher (also Alice im Wunderland und die Fortsetzung Alice hinter den Spiegeln) miteinander vermischt, und die Geschichte so erzählt, als wäre die bekannte Geschichte quasi das Prequel, und Burtons Film knüpft an diese Geschichte an. Wie gesagt erscheint dies zunächst etwas seltsam, erweist sich aber als richtige Entscheidung, da so eine unverbrauchte Handlung präsentiert wird.

Doch der Einstieg erweist sich als schleppend und fast langweilig. Die bornierte Gartenparty, inklusive völlig überzogenen Charakteren überzeugt nicht wirklich, und scheint ein allzu simpler Griff in die Trickkiste zu sein, um das Wunderland als Ort des Entfliehens zu etablieren. Auch die ersten Momente in der, tricktechnisch aufwändig gestalteten, Fantasywelt wissen noch nicht unbedingt zu überzeugen. Die Optik mit ihrem CGI-Overkill ist gewöhnungsbedürftig, hat aber nach einiger Zeit auf Grund ihrer Detailverliebtheit durchaus ihren Reiz. Die Figuren haben zwar standesgemäß ihre Macken, wie es sich auch für eine Alice im Wunderland Verfilmung gehört, aber es stellt sich nicht das Gefühl der völlig durchgeknallten Sprach- und Geistesverwirrung ein, die man sich erhoffen würde.

Stattdessen setzt Burton andere Schwerpunkte, die leider nicht durchgehend überzeugen. Denn die charakteristischen Albernheiten und Unsinnigkeiten der Welt geraten zunehmend in den Hintergrund. Der verrückte Hutmacher und sein Kumpel, der Märzhase, können dies kurzfristig kaschieren (besonders letzterer lässt auch in Burtons Version der Geschichte die Fanherzen höher schlagen), aber leider werden ihnen immer wieder die Flügel gestutzt. Burton scheint eher an einer relativ konventionellen Abenteuergeschichte initeressiert zu sein, als die Wirrungen des Geistes weiter auszuloten. Zwar bekommt der verrückte Hutmacher mehr Screentime, was vor allem durch die prominente Besetzung durch Johnny Depp zu erklären ist, aber leider bricht sein Wahnsinn nur selten durch, und er gleitet viel zu häufig in eine andere Richtung ab. Der Märzhase hat leider generell zu wenig zu tun, und so kommt das Duo leider nicht an ihren kultigen Auftritt im Disney Film heran.

Man soll diesen Kritikpunkt nicht falsch verstehen. Natürlich hat auch Tim Burton genügend Verrücktheiten eingebaut, besonders Helena Bonham Carter darf sich als rote Königin austoben, aber der Schwerpunkt liegt eben leider auf der klassischen Abenteuerhandlung. Und diese ist dramaturgisch gesehen nicht gerade ein Meisterwerk. Man orientiert sich lediglich am Standardleitfaden, und serviert leider nur gewöhnliche Kost. Und das hat man wohl am wenigstens erwartet, als bekannt wurde, dass Tim Burton Alice im Wunderland verfilmt. Besonders dramatisch wird dieser Umstand am Ende, wenn Burton seine Geschichte nicht etwa als kreativen Vulkanausbruch ausklingen lässt, sondern nur eine 08/15 Schlacht hinrotzt, wie man sie in jedem Abenteuerfilm von der Stange sieht.

Überraschend ist auch, dass Johnny Depp als verrückter Hutmacher keine großartige Leistung abliefert. Der Ausnahmedarsteller macht seine Sache bei Gott nicht schlecht, aber er ist eben leider nur in Ordnung. Vielleicht tut es der Rolle generell nicht gut, dass sie so gestreckt wurde, man mehr von ihr erfährt, und das wahsinnige Mysterium so verloren geht, aber Depp schafft es nicht den durchbrennenden Wahnsinn zu übertragen. Er spielt seinen Hutmacher sympathisch und auch unterhaltsam, aber den Erwartungen wird er leider nicht gerecht. Helena Bonham Carter hingegen genießt es sichtlich die rote Königin zu spielen, und liefert ein komödiantisches Highlight, obwohl ihre Rolle so natürlich an Bedrohung verliert, da man sie eher als unterhaltsam empfindet. Aber das sei ihr auf Grund des Spaßfaktors verziehen. Die eigentliche Hauptdarstellerin Mia Wasikowska wirkt jedoch auf Grund der großen Namen rund um sich fast verschreckt, und bleibt leider farblos.

 

Auch erscheint es nicht als gänzlich überzeugend, dass der Film versucht eine selbstreflexive Ebene mit ins Spiel zu bringen. Denn Alice hat das Wunderland als Traum in Erinnerung, und ist deshalb auch die ganze Zeit überzeugt erneut zu träumen. Nun stellt sie die Welt des Films immer wieder selbst in Frage, und konfrontiert den Zuseher damit, dass alles nur ein Traum ist. Dies raubt der Geschichte irgendwo etwas an Kraft, da es schwer fällt in die Fantasywelt abzutauchen, da man fast schon dazu genötigt wird, alles nur als Traum zu sehen. Auch die teilweise aufkommende Brutalität passt nicht wirklich. Burton schlägt tendenziell einen unterhaltsamen Ton an, aber immer wieder schafft es explizite Gewalt auf die Leinwand, wie das Ausstechen eines Auges, oder das Köpfen eines Ungeheuers. Die Atmosphäre ist zwar durchaus düster, aber das passt dann leider doch nicht.

 

Insgesamt gesehen gibt es also leider eine Menge zu kritisieren am neuesten Film von Tim Burton. Doch es ist natürlich nicht alles schlecht. In seinen besten Momenten bringt der Film tatsächlich etwas vom durchgeknallten Charme des Ausgangsmaterial mit ein, am ehesten noch mit der roten Königin und dem Märzhasen, und auch wenn Burton etwas zu seher den CGI-Zauberstab geschwungen hat, weiß das Design der Welt doch zu gefallen. Im Wesentlichen kann man also, speziell als Fan des Regisseurs, schon einen Blick riskieren. Aber die Erwartungshaltung sollte gedämpft sein, denn Burton hat es leider nicht geschafft die verrückte Welt von Lewis Caroll durchgehend zufriedenstellend auf die Leinwand zu bringen. Denn er hat sich leider zu sehr in den Winkeln seiner, allzu konventionellen, Abenteuergeschichte verloren.

 

Fazit:

Es soll Alice im Wunderland sein? Dann lieber der Disney Film, oder vielleicht gar das Buch. Denn Tim Burton ist leider teilweise daran gescheitert die durchgeknallte Welt mit all ihren Sprachwirrungen auf die Leinwand zu bringen. Das ist schade, denn gerade in den Momenten wo er sich auf den Wortwitz und die ausgeflippte Situationskomik im Sinne der Vorlage verlässt, also vor allem in den Szenen mit der roten Königin und dem Märzhasen, kann sein Film überzeugen. Aber über weite Strecken setzt der Film vor allem auf eine konventionelle Abenteuergeschichte und teilweise auch langweilige Action. Auch hat es der Figur des Hutmachers etwas geschadet, dass sie viel mehr Screentime bekommen hat. Burtons Film ist dennoch nicht schlecht, aber eben auch nicht besonders gut. Man kann nicht leugnen, dass das Spektakel an manchen Stellen durchaus Spaß macht, aber an vielen anderen Stellen funktioniert das Konzept leider nicht so ganz. Auch optisch ist Alice im Wunderland zwiespältig. Das Design an sich ist schon gelungen, nur die Umsetzung mit CGI im Überfluss wirkt stellenweise zu künstlich, und nicht durchgehend überzeugend.

 

Wertung:

6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 4 | Wertungen: 56
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