Das Bildnis des Dorian Gray (2009)

OT: Dorian Gray - 112 Minuten - Drama
Das Bildnis des Dorian Gray (2009)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Große Literatur zu verfilmen ist immer sehr schwer. Man kann es eigentlich kaum jemanden recht machen, denn hält man sich zu akkribisch an die Vorlage, droht der Film nicht nur die Vorzüge seines Meidums zu verlieren, sondern kann auch leicht aufgeblasen und überlang werden, und die Essenz der Vorlage dennoch verfehlen, unterscheiden sich litearische Stilmittel doch teilweise sehr stark von filmischen Stilmitteln. Beginnt man aber zu kürzen, so besteht die Gefahr die Verfechter der Vorlage zu verärgern, und vielleicht essentielle Passagen einfach zu streichen. Man sieht: Eine großartige Romanverfilmung ist eine schwierige Kunst, und eine äußerst schmale Gratwanderung. Das Bildnis des Dorian Gray scheitert jedoch so offensichtlich, dass man nicht lange nach den Fehlern suchen muss.

Dorian Gray (Ben Barnes) ist wunderschön, und sein Freund und Lehrmeister Henry Wotton (Colin Firth) bringt ihm bei wie er diese Vorzüge ausspielen kann. Dorian versteht es sich die Oberflächlichkeit des Adels zu nutze zu machen, und entfaltet sich in einer dekadenten Scheinwelt, in der nur Genuss und Verschwendung herrschen. Als der Maler Basil Hallward (Ben Chaplin) ein Portrait von Dorian anfertigt, um seine Schönheit für die Ewigkeit festzuhalten, beginnt sich Dorians Charakter noch stärker zu verändern. Er altert nicht mehr, und während all seine Bekannten dem Fluch des Alterns erliegen, behält Dorian seine Jugend, während das Bild für ihn altert. Doch seine Seele ist längst verrottet und Dorian steuert unaufhaltsam dem Untergang entgegen...

Das Bildnis des Dorian Gray ist der einzige Roman von Oscar Wilde. Zu seiner Erscheinung sorgte das Buch für einen Skandal und wurde als anrüchig bezeichnet, auch auf Grund der latenten Homosexualität die thematisiert wird. Doch die neueste Verfilmung des Werks hat nichts mehr von diesem Skandalpotential in sich. Es ist ein glattgebügeltes Werk, das dem Zuseher keine Intelligenz zutraut, und die Parabel über die Ausschweifungen des Adels in ein modernes Korsett quetscht. Und modern meint dabei vor allem die aktuelle Tendenz dem Publikum wirklich alles vozukauen, und nur nichts zu inkludieren, was sich womöglich am Massengeschmack stoßen könnte.

Glätte ist das Zauberwort der Stunde. Man traut sich einfach nicht unbequem zu werden. Aus scharfer Gesellschaftskritik wird eine flache Story mit Horrorelementen, die ihre Spannung nur aus den abgedroschendsten Genreversatzstücken zu gewinnen versucht, ohne dabei je in die Tiefe zu gehen. Es scheint keinen Menschen zu interessieren was in den Figuren vorgeht, warum sie so handeln wie sie es tun, und wie sich die Handlung in den historischen Kontext und seine Problematiken einbetten lässt. Stattdessen gibt es nur einen halbgaren Aufguss, der versucht einem nicht weiter interessierten Massenpublikum die groben Eckdaten des Romans beizubringen.

Ja, gut Das Bildnis des Dorian Gray ist an manchen Stellen bedingt unterhaltsam, und die Filmemacher verstehen es zumindest keine Langeweile aufkommen zu lassen. Aber warum man an der, ohnehin recht kurzen, Vorlage so herumdoktern muss, bleibt ein Rätsel. Es fehlt das große Motiv, was man eigentlich mit dem Film bezwecken will. Um das Publikum wirklich nachhaltig zu erreichen, müsste man etwas unbequemer vorgehen, man müsste sich von der 08/15 Stilistik verabschieden, und vor allem müsste man die schöne Oberfläche hinter sich lassen und in den verrotteten Kern vordringen. Doch wie gesagt scheint das hier gar niemanden interessiert zu haben.

Die Absichten offenbaren sich dabei ja bereits bei der Hauptfigur. Anstatt einen wirklich guten Darsteller zu casten, besetzt man die Rolle des Dorian Gray mit Ben Barnes, der zwar optisch passt, aber eben leider wirklich nur optisch. Seine schauspielerischen Fähigkeiten sind, um es milde zu vormulieren, eher limitiert, und er stoßt hier einige Male an die Grenzen seines Könnens, und es ist ihm nicht möglich das Innenleben seiner Figur nach Aussen zu kehren. Colin Firth macht seine Sache schon besser, kann aber in einem ansonsten völlig inspirationslosen Film auch nichts mehr ändern. Somit verkommt Das Bildnis des Dorian Gray zur reinen Nummernrevue, die hauptsächlich auf das Geld eines großteils jugendlichen Publikums aus ist. Denn abgesehen vom Hauptdarsteller richtet sich auch die pupertierende Inszenierung sehr an eine Altersgruppe, die sich damit identifizieren kann.

Fazit:
Es gibt Filme die sind einfach nur ärgerlich. Das Bildnis des Dorian Gray ist einer von ihnen. Völlig ohne Gespür für die Vorlage serviert der Film eine Nummernrevue ohne Inspiration und ohne Tiefgang. Ja, das Ganze ist optisch durchaus schön anzusehen, und wird auch nie richtig langweilig, aber das ist auch schon alles was für den Film spricht. Ben Barnes schafft es nicht die Figur zufriedenstellend zu portraitieren, und die Inszenierung verliert sich irgendwo zwischen einer glänzenden Schaustellung, einer flachen Story und einer pubertierenden Inszenierung. Da kann auch ein durchaus guter Colin Firth nichts mehr retten.

Fazit:
3/10 Punkte

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