Frozen River (2008)

OT: Frozen River - 97 Minuten - Drama
Frozen River (2008)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Frozen River

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Kurzkritik im Rahmen der Frauenfilmtage 2010:


Indepentfilme haben es seit jeher schwer abseits der Festivals einen Kinostart zu ergattern. Frozen River, der immerhin den Prestigebonus von zwei Oscarnominierungen (für die Beste Hauptdarstellerin und das Beste Drehbuch) auf seiner Seite hat, ist es dabei nicht anders gegangen. Aber in Zeiten wo es noch nicht einmal der Hauptoscarfavorit The Hurt Locker zu einem regulären Start in Österreich bringt, darf man sich darüber nicht wundern. Nun versuchen die Frauenfilmtage 2010 diesen Umstand zu bessern, und zeigen Frozen River im Zuge des Festivals.

Ray Eddy (Melissa Leo) lebt mit ihren beiden Kindern in einem Trailerpark an der amerikanisch-kanadischen Grenze. Ihr Mann, ein notorischer Spieler, ist verschwunden und hat alle Ersparnisse mitgenommen, die eigentlich zum Erwerb eines richtigen Eigenheims gedacht waren. Da es auch im Beruf nicht so läuft, wie geplant, lässt sich Ray auf einen Deal ein. Mohawk Lila (Misty Upham) hat den Wagen ihres Mannes gestohlen, bietet Ray jedoch ein Geschäft an. Gemeinsam sollen sie den zugefrorenen Fluss nach Kanada überqueren, und illegale Immigranten in die USA schmuggeln. Ein durchaus lukratives Geschäft, das jedoch einige Risiken birgt...

Frozen River ist ein klassischer Independentfilm, im Guten wie im Schlechten. Zunächst fällt positiv auf, dass sich der Film in punkto Stilistik und Thematik wohltuend vom Mainstream abgrenzt. Frozen River gibt sich ungeschliffen, durchaus ruppig und spricht Themen an, die wahrscheinlich in größeren Produktionen eher vermieden werden. Aber leider wirkt dies in Frozen River auch teilweise etwas aufgesetzt. Man versucht mit Gewalt dem Independentschema zu entsprechen, und auch wirklich alle Punkte der Checkliste durchzuarbeiten. Um als Sozialdrama zu gelten, muss man sich natürlich in den White-Trash Abgründen suhlen, inklusive Close-ups der verwahrlosten Sanitäreinrichtungen. Man darf auch nicht vergessen über problematische Rassenbeziehungen zu sprechen und das Immigrantenproblem und das post-09/11 Trauma der USA miteinzubeziehen.

Das sind Punkte, in denen Frozen River vielleicht teilweise etwas zu aufgesetzt wirkt, aber insgesamt hinterlässt der Film dennoch ein eher positives Gefühl. Das liegt vor allem an der sehr schön ausgearbeiteten Atmosphäre, die durch die von Schnee durchzogene Landschaft eine angenehme Kühle erzeugt, die auch gut zum Millieu passt, und den ausweglosen Charakter der Figuren noch weiterführt. Der titelgebende „Frozen River“ erweist sich auch als gut gewähltes Spannungsmittel und schafft es die verkrusteten Strukturen zwischen Staat und Immigranten und zwischen den Amerikanern und ihrem Verhältnis zu den Ureinwohnener zu visualisieren.

Auch das Drehbuch erweist sich als großteils gelungen, vor allem da es durchaus schafft den Zuseher an die Figuren zu binden, und einen nach unten gerichteten Strudel zu erschaffen, der uns immer weiter mitreisst. Die Geschichte wird geschickt aufgebaut, glaubhaft etabliert und bezieht ihre Kraft aus einem verständlichen Zusammenspiel der verschiedenen Interessen, die den Storyfluss auf ganz natürliche Weise voranbringen, ohne unplausibel zu werden. Auch dank den guten Darstellern und einigen sehr starken Szenen, hinterlässt Frozen River einen guten Eindruck. Schade ist jedoch, dass es der Film nie schafft das Gefühl loszuwerden, dass hier alles penibelst durchdacht wurde, um wirklich alle interessierten Independentfans irgendwie anzusprechen. Denn so raubt sich der Film in letzter Instanz leider einiges an Kraft, die auch nicht durch eine recht bemühte Sozialstudie ausgeglichen werden kann.

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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