Der Räuber (2010)

OT: Der Räuber - 95 Minuten - Drama
Der Räuber (2010)
Kinostart: 26.02.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Räuber

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Johann Kastenberger ging in die österreichische Kriminalgeschichte ein. Nach seiner Haftentlassung startete er parallel eine Karriere als Marathonläufer (er hält im Jahr 2010 immer noch den Rekord beim Kainacher Bergmarathon) und Bankräuber. In den 80er Jahren begann er einen bemerkenswerten Raubzug durch die österreichische Bankenwelt und trug dabei stets eine Ronald Reagan Maske, die zur Mythenbildung beitrug und ihm den Spitzname „Pumpgun Ronnie“ einbrachte. Wirklich durchschauen konnte diese Figur aber kaum jemand, sodass es auch kein Wunder ist, dass Der Räuber, der auf dem gleichnamigen Buch von Martin Prinz basiert, zwar stilistisch einige ausgezeichnete Ansätze bietet, aber leider inhaltlich an der Oberfläche haften bleibt. Natürlich ist dies Teil des Konzepts, aber das ändert nichts daran, dass dem Film so irgendwo auf halben Weg doch die Luft ausgeht.

 

Johann Rettenberger (Andreas Lust) wurde nach einem bewaffneten Überfall zu sieben Jahre Haft verurteilt und steht nun kurz vor der Entlassung. Die Zeit im Gefängnis hat er dabei vor allem genutzt um zu laufen. Während des Hofgangs dreht er seine Runden, und kaum ist er in der Zelle, schwingt er sich aufs Laufband und läuft weiter. Nach seiner Entlassung kann er sein großes Hobby gleich auf mehreren Ebenen ausleben: Auf der einen Seite wird er zum erfolgreichen Marathonläufer, auf der anderen Seite jedoch nützt er sein Talent für Banküberfälle, und egal ob mit gestohlenen Autos oder zu Fuß, keiner scheint ihn schnappen zu können. Doch er macht es nicht unbedingt fürs Geld, welches er nicht anrührt, sonder unter dem Bett versteckt, damit es seine Freundin Erika (Franziska Weisz) nicht entdeckt, sondern er sieht es mehr als sportliche Herausforderung, und hetzt sich von einem Raub zum Anderen...

 

Das Leben eines Menschens zu verfilmen, der einfach nicht verstanden werden will, birgt naturgemäß gewaltige Hürden in sich. Gerade diese Hürden können jedoch dafür sorgen, dass der Film etwas ganz Besonderes wird und alle Beteiligten an der Herausforderung wachsen. Im Fall von Der Räuber ist dies jedoch nur teilweise so. Regisseur Benjamin Heisenberg, für den Der Räuber der zweite Spielfilm nach seinem Debüt Schläfer ist, hat ein sehr gutes Konzept gefunden, um sich dieser schwierigen Figur zu nähern. Er inszeniert Johann Rettenberger weniger als Menschen, sondern nach seinen eigenen Worten, als Raubtier, dem es einfach im Blut liegt Banken zu überfallen und immer weiter zu gehen.

 

Tatsächlich schafft es der Film auch wirklich gut dieses Konzept aufzugreifen. Wenn Rettenberger durch den Wald flieht, über enge Treppen davonläuft, oder sich einfach in der Bank hin und her bewegt, dann hat man tatsächlich das Gefühl, dass man ein unberechenbares Raubtier vor sich hat, dem jeden Augenblick eine Sicherung durchbrennen könnte und das man lieber nicht in die Ecke treiben sollte. Auch dank einer großartigen Kameraführung, die viel auf hektische Aufnahmen und kreisende Bewegungen setzt, zieht uns Der Räuber förmlich in einen sehr energievollen Strudel, der uns, auch dank des antreibenden Scores, immer weiter pusht und sehr gut Spannung und Kraft erzeugt.

 

Doch leider funktioniert das nur teilweise gut. Denn zwar ist man in diesen Szenen über den Ansatz des Films sehr froh, doch zumindest an irgendeinem Punkt des Films würde man sich gerne einen etwas tieferen Einblick in die Psyche der Figur erhoffen, gerade weil Der Räuber ja auch die „Privatperson“ Rettenberger zeigt, und uns seine Beziehung näher bringt. Doch emotional sorgt der Film leider in keiner Sekunde für eine Regung, sodass Der Räuber nicht durchgehend funktioniert. Da ändert es auch nichts daran, dass Andreas Lust eine großartige Leistung als undurchsichtiger Eigenbrödler abliefert und dabei auch auf physischer Ebene bis an seine Grenzen geht.

 

Als enttäuschend erweist sich jedoch leider auch das ewig in die Länge gezogene Finale. Nachdem Johann Rettenberger, wie in der wahren Begebenheit, zunächst verhaftet wird und dann von der Polizeistation flieht, beginnt Der Räuber leider sehr an den Nerven zu zehren, weiß leider kaum mehr neue Akzente zu setzen und zieht sich unnötig in die Länge. Zwar bleibt Der Räuber auch hier handwerklich sehr gut und Regisseur Benjamin Heisenberg bleibt seinem Konzept der „Wildtierbeobachtung“ durchgehend treu, jedoch werden sich die Geister an diesem Konzept eben scheiden. Manche werden es großartig finden, andere werden die fehlende Charakterisierung und die fehlende emotionale Ebene kritisieren. Prinzipiell vorwerfen kann man dem Film nur wenig, da die offenbarten Kritikpunkte meistens Teil des Konzepts sind und somit eindeutig der Geschmacksfrage unterliegen.

 

Fazit:

Der Räuber greift die wahre Geschichte von „Pumpgun Ronnie“ auf, man versucht aber erst gar nicht die Figur zu hinterfragen, sondern inszeniert ihn quasi als Raubtier, der gar nicht anders kann, als sich in den nächsten Bankraub zu stürzen. Handwerklich wurde dies temporeich und dynamisch umgesetzt, jedoch werden sich die Geister daran scheiden, ob es nun genial ist an der Oberfläche der Figur zu bleiben und sie zu nehmen wie sie ist, oder ob es emotional flach und auf Dauer monoton ist. Sicher ist nur, dass das Ende deutlich in die Länge gezogen ist, Der Räuber aber handwerklich sehr gut gemacht ist. Aber wie man zum Kern des Films steht, bleibt schließlich Geschmacksache.

 

Wertung:

6/10 Punkte

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