![]() ![]() Der Ghostwriter OT: The Ghost Writer Regie: Roman Polanski Drehbuch: Roman Polanski Filmstart: 19.02.2010 | Laufzeit: | Polit-Thriller |
Da der letzte Ghostwriter des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) unter mysteriösen Umständen ertrunken ist, sucht dieser einen Nachfolger um seine Memoiren zu vervollständigen. Der Verlag kontaktiert einen erfahrenen Ghostwriter (Ewan McGregor) und obwohl dieser auf Grund mangelnder Polit-Erfahrung zunächst skeptisch ist, kann er dem großzügigen Angebot nicht lange widerstehen. Also reist er bald schon nach Martha’s Vinyard, wo Lang gemeinsam mit seiner Frau und seinem Team lebt. Innerhalb von vier Wochen soll das Buch fertig sein, doch durch einen aufkommenden Skandal wird Lang plötzlich ins Rampenlicht gezerrt und gerät ins Kreuzfeuer der Journalisten. Ihm werden Kriegsverbrechen vorgeworfen, und die Proteste gegen ihn häufen sich. Und je mehr der Ghostwriter über Lang in Erfahrung bringt, umso verdächtiger wird er...
Die wichtigste Komponente des Films wurde bereits eingangs erwähnt. Die Atmosphäre von Der Ghostwriter ist so bemerkenswert, dass sie förmlich einlädt sich im Film zu verlieren und in diese Welt abzutauchen. An der Seite des Ghostwriters betreten wir die abgelegene Atlantikinsel Martha’s Vinyard und bereits mit der ausgedehnten Anreise, zunächst mit dem Flugzeug, dann mit der Fähre und anschließend mit dem Taxi, etabliert Roman Polanski den Handlungsort als völlig entlegene Insel, und schafft damit einen Rahmen für seine Story, etabliert aber gleichzeitig wichtige Handlungsgerüste, die später erneut zum Einsatz kommen. Doch wo andere Regisseure solche Elemente so plump präsentieren, dass man sofort weiß in welcher Form sie später wiederkehren werden, versteht es Polanski großartig die Elemente organisch zu inszenieren, sodass sich die Geschichte glaubwürdig und folgerichtig zusammensetzt.
Doch Der Ghostwriter erweist sich auch als über weite Strecken schlicht großartig geschriebener Thriller in Edelhülle, der es versteht sich Suspensemomente zu Nutze zu machen, die sichtlich den Geist eines Alfred Hitchcock atmen. Klassisch ist dabei bereits die Ausgangslage, dass die Hauptfigur wenig politisch interessiert scheint und erst durch die Handlung hinter die Bühne der Macht blicken darf und erkennt wer die Fäden in der Hand hält und wie internationale Politik betrieben wird. Auch dank der sympathischen Darstellung von Ewan McGregor wird dem Zuseher von Anfang an ein klassischer Protagonist an die Hand gegeben, den man gerne beobachtet. McGregor hat dabei immer einen trockenen Spruch auf den Lippen und zahlreiche komische Momente sorgen speziell zu Beginn dafür, dass auch der Unterhaltungswert nicht zu kurz kommt und man leichtfüßig immer tiefer in die Geschichte gezogen wird.
Die Story selbst passt da auch sehr gut ins Konzept, sollte doch die Figur des ehemaligen Premierministers deutliche Erinnerungen an Tony Blair hervorrufen. Denn obwohl Autor Harris beteuert, dass er die grundlegende Idee zum Roman bereits hatte, als Blair noch nicht an der Macht war, zeigen doch die Anspielungen bezüglich des Irakkriegs und den Sympathieentscheidungen zu Gunsten der USA, eindeutig in diese Richtung. Der Ghostwriter schafft es überhaupt ständig die Brücke zur Realität zu schlagen, wenn z.B. das Waterboarding thematisiert wird, oder der Krieg gegen den Terrorismus im Allgemeinen angesprochen wird. Doch dies alles ist vorwiegend schmuckes Beiwerk zu einer spannenden Geschichte, die es sehr gut versteht zu faszinieren und zum Miträtseln einzuladen. Gemeinsam mit dem Ghostwriter begeben wir uns hier auf Spurensuche, während sich das Tempo immer weiter steigert. Zunächst gibt sich Polanskis Exposition noch reichlich gemütlich und der Film lässt sich sehr viel Zeit um Stimmungen auszloten, ohne dass jedoch jemals Langeweile aufkommen würde und steigert sich zwar langsam, aber gegen Ende hin exponentiell stark ansteigend, bis sich die Story am Ende fast schon überschlägt.
Fazit:
Mit Der Ghostwriter serviert Roman Polanski einen sehr hochwertigen, spannenden und stark inszenierten Film, der vor allem durch seine großartige Atmosphäre lebt, es aber auch sehr gut versteht den Zuseher ins Geschehen zu ziehen. Nach und nach geraten wir immer tiefer in die Story, lernen Zusammenhänge kennen und folgen der Geschichte durch Wendungen und Spannungskniffe. Die meiste Zeit ist Der Ghostwriter dabei sehr gut geschrieben und inszeniert und lässt auch die Unterhaltungsebene nicht ausser Acht. Lediglich am Ende bricht der Film etwas mit seinem gemächlichen und schlüssigen Stil, und bringt alles etwas überhastet zu Ende, wenngleich die Auflösung auf emotionaler Ebene ihr Ziel nicht verfehlt. Aber man hat dennoch den Eindruck, dass man es sich zu einfach gemacht hat. Trotz dieser Schwäche ist Der Ghostwriter ein stark inszenierter Edel-Thriller, der sehr sehenswert bleibt.
Wertung:
8/10 Punkte

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