Dabei stehen den Regisseuren und Drehbuchautoren die Türen für sowohl emotional mitreißende oder auch gesellschaftskritische Geschichten genau dahingehend offen: der Australier George Miller etwa begeistert Genreliebhaber schon zu Ende der 70er Jahre mit seiner vielzitierten Mad Max-Trilogie, in der ein blutjunger Mel Gibson in der Hauptrolle um Benzin und Überleben kämpft, während die Menschheit durch selbstgenerierte, oftmals auch pandemisch ausgebreitete Krankheitserreger in Filmen wie Blindness, 28 Days Later oder Daybreakers an den Rand der Selbstauslöschung gedrängt wird.
So darf natürlich schon im Vorfeld von The Book of Eli ein wenig Skepsis in der Erwartungshaltung mitschwingen, wenn sich im Schauspielensemble Namen wie Mila Kunis oder Malcom McDowell auffinden lassen. Glücklicherweise haben die Hughes Brüder mit dem hochkarätigen Allroundschauspieltalent Denzel Washington einen fähigen Protagonisten gefunden, der im Jahr 2044 durch die verwüstete Landschaft des einstigen amerikanischen Kontinents wandern darf. Mit starrer Mimik und unbeugsamen Willen ausgestattet hat Washingtons Charakter Eli nur ein Ziel: Ein Buch nach Westen zu bringen, welches einen unschätzbaren Wert für die menschliche Zivilisation in sich trägt. Einen ebenbürtigen Gegner erhält Eli in der Form des skrupellosen und machthungrigen Despoten Carnegie, den Gary Oldman mit sowohl psychotischen als auch bösartigen Wesenszügen klarerweise mit Leichtigkeit auf die Leinwand bahnt. So kommt es also wie es kommen muss: Zwischen actionreichen, hochstilisierten Kampfhandlungen werden charakterklischeetypische Dialogzeilen ausgetauscht, der Konflikt erhält durch die Involvierung einer klassischen „Damsel in Distress“ (die ewig deplatzierte Mila Kunis) ein zusätzliche Komponente und ein Twist am Ende der Geschichte verspricht Gesprächsstoff nach dem Film.
Problematisch erweisen sich aber die Charaktere selbst, was sich in einer fast menschenleeren Umgebung natürlich als besonders nachteilig erweist: Der klassisch maskuline Held ist geübt in der Jagd, tödlich im Nahkampf mit dem Messer, wortgewandt gegenüber seinen Widersachern und unwiderstehlich für das weibliche Geschlecht. Bei diesem geballten, ausgelutschten Klischeeaufgebot vermag auch ein Denzel Washington keinen Funken Charaktertiefe oder Witz hinzuzufügen. Kaum verwunderlich kann auch Oldman seiner Figur aufgrund ihrer beinahe haarsträubenden Textzeilen (könnte das an der Lektüre von Mussolinis Biographie liegen?) wenig Reiz entlocken, was angesichts einer interessanten Einführung negativ überrascht.
Fazit:
Denzel Washington als Road Warrior: In The Book of Eli versetzt das Brüderpaar Hughes seinen Protagonisten zwar in eine vergleichbar atmosphärische Umgebung, verzichtet dabei aber größtenteils auf interessante Charaktere. Mit religiösen Motiven aufgeladen, manövriert sich der Film unbeholfen in Richtung christlicher Propagandawerke, obwohl dies sicherlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu sehen ist. Abseits davon bleibt eine sauber inszenierte, actionlastige Endzeitproduktion mit wenig originären Ideen, vielen Zitaten und einem Ende, welches die Handlung ad absurdum führt, übrig.
Wertung:
6/10 Punkte







