The Road (2009)

OT: The Road - 119 Minuten - Drama
The Road (2009)
Kinostart: 08.10.2010
DVD-Start: 18.03.2011 - Blu-ray-Start: 18.03.2011
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Filmkritik zu The Road

Von am

“The clocks stopped at one seventeen one morning. There was a long shear of bright light, then a series of low concussions. Within a year there were fires on the ridges and deranged chanting. By day the dead impaled on spikes along the road. I think it's October but I can't be sure. I haven't kept a calender for five years. Each day is more gray than the one before. Each night is darker - beyond darkness. The world gets colder week by week as the world slowly dies. No animals have survived. All the crops are long gone. Someday all the trees in the world will have fallen. The roads are peopled by refugees towing carts and road gangs looking for fuel and food. There has been cannibalism. Cannibalism is the great fear. Mostly I worry about food. Always food. Food and our shoes. Sometimes I tell the boy old stories of courage and justice - difficult as they are to remember. All I know is the child is my warrant and if he is not the word of God, then God never spoke.”

Eröffnungsmonolog, The Road

 

Der Australier John Hillcoat hat sich das schwierige Ziel gesetzt Cormac McCarthys, als unverfilmbar bezeichneten, Roman The Road zu adaptieren. Vor nicht allzu langer Zeit dominierten die Coen Brüder mit ihrer Cormac McCarthy Verfilmung No Country for Old Men die Oscarverleihung, sodass es durchaus verständlich ist, warum man nun auf den Geschmack gekommen ist. Doch der mit dem Pulitzerpreis prämierte Roman The Road ist noch eine Nummer schwieriger zu adaptieren, lebt vor allem von den literarischen Fähigkeiten des Autors, und obwohl die Verfilmung im Wesentlichen alle Punkte des Romans abdeckt, schafft man es nicht die Wirkung der Vorlage zu erreichen.

 

Ein Mann (Viggo Mortensen) zieht mit seinem Sohn (Kodi Smit-McPhee) durch eine verwüstete, post-apokalyptische Welt. Die Welt hat jede Farbe verloren, die Pflanzen sterben genau wie die Tiere. Die Menschen die noch leben ziehen durch die Lande, nur mehr auf den eigenen Vorteil bedacht. Durch den Mangel an Nahrung wurden viele zum Kannibalismus getrieben. So zieht der Mann also mit seinem Jungen, einem Einkaufswagen mit ihren Habsehlichkeiten und einem Revolver mit zwei Kugeln, durch diese wüste Welt und versucht das Gute und Unschuldige in seinem Kind zu bewahren und es vor allen Gefahren zu beschützen…

 

Zunächst zu den nicht zu leugnenden positiven Seiten des Films. The Road schafft es ausgezeichnet die Geschichte des Buchs in Bilder zu fassen. Diese von Asche durchzogene Welt, in der jedes Leben getötet wurde und aus dem jede Farbe gewichen ist, entspricht ausgezeichnet der Welt der Vorlage und The Road singt tatsächlich ein zärtliches Lied von einer langsam sterbenden Welt. Man fühlt sich hineinversetzt, spürt die Auswirkungen dieser nicht näher benannten Katastrophe, die die Welt ins Chaos gestürzt hat und fühlt tatsächlich eine tiefe innere Leere wenn man den Film betrachtet. Atmosphärisch betrachtet wurde also nicht nur das Buch fabelhaft adaptiert, sondern auch filmisch eine sehr beeindruckende Vision erschaffen.

 

Hinzu kommt auch eine darstellerische Glanzleistung Viggo Mortensen. Es sollte längst kein Insidertipp mehr sein, dass Mortensen ein feiner Charakterdarsteller ist. Das hat er speziell mit A History of Violence und ganz besonders mit Eastern Promises längst bewiesen. Und in The Road zeigt er sich erneut von seiner besten Seite. Es ist seine subtil versteinerte Mine, die in jeder Falte die Sorgen von Jahrzehnten offenbart und alleine mit seinem Blick zeigt er was er schon alles gesehen hat und welche Bürden er auf sich aufnehmen würde nur um sein Kind zu retten. Lediglich im Gespräch mit seinen Sohn lässt sich noch das Licht in ihm ausmachen, ansonsten ist da nur mehr die raue Schale eines Menschen der zu überleben versucht. Und Viggo Mortensen verpasst diesem Menschen ein Gesicht, das man nicht so schnell vergisst. Kinderdarsteller Kodi Smit-McPhee kann da natürlich nicht mithalten, aber er zieht den Film zumindest auch nicht hinunter.

 

Man muss auch loben, dass The Road überhaupt gemacht wurde, denn es zeigt durchaus Mut, dass man sich überhaupt entschlossen hat diesen Film zu machen. Es dürfte aber sehr schwer sein ihn zu vermarkten. Denn The Road ist ein eher deprimierender Film, der kaum Aspekte der Hoffnung in sich birgt. Es ist als würde man einem Stern beim Verglühen zusehen. Man sieht den Untergang der Welt, und zwar ohne einen Will Smith, der es uns mit Unterhaltungswert verkauft. Doch mit dieser Verfilmung zeigt sich eben auch, dass diejenigen, die das Buch von Cormac McCarthy als unverfilmbar bezeichneten, durchaus auch recht behalten haben. Natürlich lassen sich die offensichtlichen Merkmale des Buchs auf die Leinwand bringen, das wurde auch nie bestritten, aber die Kraft, die aus McCarthys Stilistik erwächst, lässt sich hier eben nicht reproduzieren.

 

Zwar würde mir aus der Erinnerung keine größere Szene einfallen, die vom Buch weggelassen wurde, bzw. oberflächlich betrachtet handelt es sich fast um eine 1:1 Verfilmung. Gut, im Film gibt es noch einige mehr oder weniger sinnlose Rückblenden, die jedoch nicht wie befürchtet den Grund der Apocalypse verraten, aber an dieser kreativen Freiheit liegt es nicht, dass The Road nicht so wie das Buch funktioniert. Der Grund ist viel eher, dass die Geschichte emotional nicht funktioniert. Die enge Beziehung zwischen Vater und Sohn baut in keiner Sekunde die Emotionalität des Buchs auf und The Road bleibt über die volle Laufzeit äußerst kühl und distanziert. Man fühlt sich nicht ins Geschehen gezogen, sondern bleibt an der Oberfläche hängen.

 

Dasselbe betrifft den ganzen Film, auf allen Ebenen. Es scheint so als hätte man das Buch detailgetreu verfilmt, aber die Geschichte wächst nicht weiter. Irgendetwas fehlt, und man hat nicht den Eindruck, dass man hier einen globalen Niedergang der Welt in epischen Ausmaßen sieht. Auch wenn es irgendwie unfair ist, weil es auch nicht dem Geist des Buchs entspricht, aber es fehlt die große gesellschaftliche Neuausrichtung. Gut, der Film zeigt den Verfall der Gesellschaft durch Kannibalismus und Brutalität, aber man bekommt keinen Eindruck vom größeren Ganzen und The Road ist auch nie mehr als die Summe seiner Teile. Der Film erzählt ein persönliches Drama, macht dies innerhalb seines Rahmens auch ganz gut, schafft es aber nicht in größerer Dimension den Niedergang der Welt zu portraitieren, und vor allem mangelt es dem Film auch an einer emotionalen Ebene. Abgesehen von wenigen Szenen ist der Film nämlich sehr kühl und distanziert.

 

Fazit:

The Road ist der kühne Versuch die „unverfilmbare“, mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete, Vorlage von Cormac McCarthy zu adaptieren. Zumindest visuell und darstellerisch ist dies auch auf ganzer Linie geglückt. The Road erzeugt Bilder, die man nicht so schnell vergisst und die Performance von Viggo Mortensen geht unter die Haut. Aber es bleibt auch stets das Gefühl, dass etwas fehlt. The Road hält sich zwar streng genommen relativ genau an die Vorlage, aber er wächst nicht weiter wie diese. Hinzu kommt, dass der Film auf emotionaler Ebene nur an manchen Stellen funktioniert und ansonsten relativ kühl bleibt. Aber wahrscheinlich hätte man die schwierige Vorlage auch nicht besser verfilmen können.

 

Wertung:

7/10 Punkte

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Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 41
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