Green Zone (2010)

OT: Green Zone - 115 Minuten - Action / Thriller
Green Zone (2010)
Kinostart: 19.03.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Green Zone

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Paul Greengrass war lange der große Durchbruch als Regisseur verwehrt geblieben. Nachdem er bereits 1989 mit Resurrected auf der Berlinale vertreten war, musste er auf seinen internationalen Durchbruch bis 2000 warten, als sein Film Bloody Sunday die Kritikerherzen eroberte. In Folge bot man ihm an die Bourne-Reihe von Doug Liman zu übernehmen, und tatsächlich drückte er den Filmen seinen Stempel auf. Für Flug 93 wurde er schließlich für den Regieoscar nominiert und mit Das Bourne Ultimatum schaffte er es seinen rasanten, hektischen und unglaublich dynamischen Stil zu perfektionieren. Sein neuester Film Green Zone ist ein neuerlicher Talentbeweis, der es schafft von der ersten Sekunde an zu fesseln.

 

Irak, 2003: Roy Miller (Matt Damon) leitet ein Team, und ist auf der Suche nach den ominösen Massenvernichtungswaffen, wegen denen die USA in den Krieg gezogen sind. Die Aufgabe seines Teams ist es den Hinweisen von Insidern nachzugehen, und in gefährliche Zonen von Bagdad vorzudringen. Doch bis jetzt blieb die Suche erfolglos, und Miller beginnt zu bezweifeln ob es überhaupt Massenvernichtungswaffen im Irak gibt. Er beginnt in den eigenen Reihen nach möglichen Verrätern zu suchen, und gerät so ins Fadenkreuz von Clark Poundstone (Greg Kinnear). Bei seinen Untersuchungen erhält er unerwartete Unterstützung von Gordon Brown (Brendan Gleeson) und von der Journalistin Lawrie Dayne (Amy Adams), und kommt einer Verschwörung immer weiter auf die Spur…

 

Mit seinem letzten Film Das Bourne Ultimatum, hat Paul Greengrass einen neuen Ansatz gefunden, seinen ohnehin schon rasanten Stil noch weiter zu beschleunigen. Er verzichtete auf eine Exposition, was dank des Franchisecharakters der Bournereihe auch problemlos möglich war, und startete seine unglaublich schnelle Schnitzeljagd bereits von der ersten Sekunde an, und drosselte das Tempo bis zum Ende nicht mehr. Mit Green Zone geht er nun einen ähnlichen Weg, doch dieses Mal fällt dieser Schachzug noch raffinierter aus, da wir ja die gesamten Charaktere noch nicht kennen. So startet der Film mit dem Eintreffen des Krieges in Bagdad, springt gleich weiter zu einer dynamischen Scharfschützensequenz, und bringt uns die wesentlichen Charaktere quasi im Vorbeigehen bei.

 

Gehen ist übrigens ein wichtiges Wort, das mich gleich bei der Beschreibung des Films weiterbringt. Denn in Green Zone scheint sich kaum jemand Zeit zu nehmen zu pausieren, zu sitzen, oder zu schlafen. Die meisten Dialoge finden im Gehen statt, die zahlreichen Kampfhandlungen sind sowieso von einer Dynamik durchzogen, wie sie scheinbar nur Paul Greengrass auf die Leinwand bringen kann, und wenn doch einmal jemand sitzt, dann wird in der Regel emsig am Computer getippt. So bekommen die ganz wenigen ruhigen Momente des Films (ich glaube man kann sie wirklich an einer Hand abzählen), eine fast schon magische Bedeutung. Doch man sollte nicht zu viele Gedanken an die Ruhe verschwenden, denn Green Zone ist das ultimative bewegte Bild, ein temporeicher, kinetischer Wellenbrecher von einem Film, bei dem die Zeit nur so verfliegt.

 

Es ist verdammt schwer einen Film so zu drehen, wie es Paul Greengrass macht. Denn er peitscht seine Szenen mit einem pulsierenden Soundtrack an, behält sich eine Schnittfrequenz bei, die wohl einen Epileptiker kalkuliert in den Tod treiben würde, und arrangiert unglaublich eindringliche Bilder mit einer unruhigen, zittrigen Handkamera, die bei jedem anderen Regisseur wohl nur noch unsinnige Fragmente einfangen würde. Viele Regisseure haben sich bereits an einem solchen Stil versucht, aber Greengrass ist einer der ganz wenigen, die diesen Stil perfektioniert haben und einen durchkomponierten Bilderreigen servieren können, der sich förmlich in den Kopf des Zusehers einhämmert. Völlig zu Recht wurde bereits Das Bourne Ultimatum mit dem Oscar für den Besten Schnitt bedacht, und Green Zone hätte sich eine solche Ehrung nicht weniger verdient.

 

Denn obwohl der Film in winzige Bruchstücke zerteilt ist, fügt sich doch alles zusammen, und als Zuseher ist man förmlich genötigt keine Sekunde lang den Blick von der Leinwand abzuwenden. An Höhepunkten des Films wagt man es schon fast gar nicht mehr auch nur zu blinzeln. Dank dieses Stils erreichen die Bilder von Green Zone eine fast schon gespenstische Wucht. Wenn sich der Kameramann mit den Soldaten mitschlängelt, sich in die Formation einfügt und wir aus nächster Nähe erfahren, welche chaotische Erfahrung wirklich in solch einem Kriegseinsatz liegt, dann ist das mehr Kino zum Anfassen und Erleben, als es Avatar mit all seinen 3-D Effekten geschafft hat. Der Film saugt den Zuseher förmlich auf, kaut ihn ordentlich durch, und spuckt ihn danach wieder genüsslich aus.

 

Der Schwerpunkt von Green Zone ist dabei zweifellos das Erfahren. Der Film ist genauso Erlebnis- und Spannungskino, wie es auch Kathryn Bigelows Oscarabräumer The Hurt Locker ist. Diese dichte Spannungszone ist sicherlich der mitreissendste und augenscheinlichste Aspekt von Green Zone. Doch genau wie The Hurt Locker eine packende Charakterstudie ist, hat auch Green Zone eine durchdachte Ebene, die sich unter der wunderschönen Spannungshülle befindet, und den Film nicht einzig und allen zur großen Erlebnisshow werden lässt. Denn Green Zone sagt tatsächlich etwas über den fragilen Staat Irak aus, und hinterfragt die Machtverhältnisse dort genauso wie den zweifelhaften Aufhänger für den Kriegseintritt.

 

Basierend auf dem Sachbuch Imperial Life in the Emerald City von Rajiv Chandrasekaran, einem Journalisten der Washington Post, hat sich Paul Greengrass an die Arbeit gemacht und gemeinsam mit Kate Solomon und Michael Bronner (mit denen er bereits an Flug 93 gearbeitet hat) Recherchen angestellt, und diese Gedankengänge schließlich von Brian Helgeland (LA Confidential, Mystic River) in Drehbuchform bringen lassen. Das Ergebnis ist ein durchaus bemerkenswertes Drehbuch, das zwar vorwiegend auf Tempo, und spannungsgeladenes Knistern ausgelegt ist, das es aber dennoch schafft in Höchstgeschwindigkeit Eindrücke der politischen Ebene zu übermitteln, und dem auch das Kunststück gelingt, die gesamte Exposition auszulagern, und alle Charaktere, Zusammenhänge und Motive durch das Handeln der Figuren in temporeichen Situationen zu erklären.

 

Dies alles resultiert in einem wahnsinnig temporeichen, mitreissenden Film, der fortwährend auf die Sinne des Publikums einprügelt, und der somit ein Fest für Augen und Ohren ist, dem man sich nur schwer entziehen kann. Lediglich kurz vor Beginn des letzten Drittels erlaubt sich Green Zone einen kleinen Durchhänger (zumindest bezogen auf das wahnwitzige Tempo des restlichen Films), und es muss auch erwähnt werden, dass jeder, der mit dem Stil von Paul Greengrass nichts anfangen kann, hier wohl ziemliche Qualen durchleiden wird. Denn wer mit einer unruhigen Kamera auf Kriegsfuß steht, der könnte wohl das Kino mit einer leichten Seekrankheit verlassen. Doch alle anderen dürfen sich auf einen unglaublich packenden, explosiven und wahnsinnig dynamischen Hochgenuss freuen, der Fans von Das Bourne Ultimatum in Extase bringen wird.

 

Fazit:

Green Zone, das ist jener Bereich der irakischen Hauptstadt Bagdad, der unter strikter Kontrolle der US-Armee steht, und als sicher gilt. Die Hauptfigur des gleichnamigen Films (übrigens fantastisch gespielt von Matt Damon), muss diese Zone verlassen, und ins urbane Chaos eindringen. Und wir mit ihm, denn mit Green Zone zieht uns Paul Greengrass förmlich in den Krieg hinein, und liefert uns eine direkte, meisterhafte, zittrige und vor allem dynamische Inszenierung, dass man am liebsten vor den Kugeln in Deckung gehen würde. Von Anfang an zieht der Film ein fast wahnwitziges Tempo durch, und leistet sich kaum Pausen. Und dass es dabei auch noch gelungen ist politische Statements zur Lage des Iraks, und den verlogenen Aufhängern des Krieges einzuflechten ist bei dieser spannungsreichen, ungebremsten Granate von einem Film, schon fast ein Wunder. Jeder, dem nicht schon schlecht wird, wenn er das Wort Handkamera hört, und jeder, der etwas mit Das Bourne Ultimatum, oder Spannungskino alá The Hurt Locker anfangen kann, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen. Ganz großes Kino!

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 4 | Wertungen: 30
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