Bronson (2008)

OT: Bronson - 92 Minuten - Thriller / Biopic
Bronson (2008)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Bronson

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Michael Gordon Peterson, der sich selbst den Künstlernamen Charles Bronson gegeben hat, gilt als Großbritanniens brutalster Verbrecher. Im Jahr 1974 wurde er wegen eines Überfalls zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, doch wegen zahlreichen Schlägereien, wurde er schließlich 120 mal verlegt und seine Strafe wurde auf 14 Jahre ausgedehnt. Und bereits 69 Tage nachdem er aus der Haft entlassen wurde, musste er wieder einsitzen. Sein Leben ist eine einzige, sinnlose Dystopie, und der Däne Nicolas Winding Refn hat es tatsächlich geschafft diesem unnahbaren Menschen ein Biopic zu spendieren, das in seiner Wucht höchst imponierend ist.

 

Michael Peterson (als Kind: William Darke, als Erwachsener: Tom Hardy) ist wohl das, was man ein Problemkind nennen würde. Bereits im Alter von 13 Jahren verprügelt er Mitschüler und Lehrer, und so ist es kein Wunder, dass er später eine eher zweifelhafte Karriere einschlägt. Nach einem bewaffneten Raubüberfall, muss Peterson seine Frau und sein Baby zurücklassen, und wandert ins Gefängnis. Doch dies ist kaum eine Strafe für ihn, da er es liebt, und seine Haft zu einer gigantischen Show inszeniert, in der Geiselnahmen und brutale Schlägereien zum Alltag werden. So kommt es auch, dass sich seine Haftstrafe deutlich verlängert, und er wohl weiterhin Stammgast in Englands Gefängniszellen bleiben wird…

 

"Britains most violent prisoner" wird Charles Bronson gerne genannt, und wenn man sich sein eigenwilliges Biopic ansieht, dann möchte man ihm diesen Titel auch gar nicht absprechen. Denn der einzige Inhalt seines Lebens scheint es zu sein willkürlich Leute anzupöbeln, in Schlägereien zu verwickeln, und sich dann ganz der strahlenden Rage hinzugeben. Und tatsächlich nehmen diese Prügelszenen, in verschiedensten Ausführungen auch einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert im Film Bronson ein, und die Gewalt wird hier förmlich als Oper choreographiert. Und bei diesem Ansatz scheint sich Regisseur Michael Gordon Peterson ein sehr prominentes Vorbild gefunden zu haben.

 

Denn Bronson erlaubt sich einige Stilbrüche, und wechselt nahtlos von Gefängnisaufnahmen, zu Aufnahmen in denen sich Charles Bronson wild geschminkt auf der Bühne eines Theaters sieht, und seine Show abzieht, und springt auch in eine Irrenanstalt, wo der Wahnsinn völlig ausbricht, und der Film tatsächlich eine absurd wunderschöne Sequenz zu „It’s a Sin“ durchkomponiert. Und in all diesen Stilbrüchen, ist Bronson vor allem äußerst surrealistisch, was durch das wenig auf Realismus, sondern eher auf expressive Kraft ausgelegte Spiel von Tom Hardy noch verstärkt wird. Und durch diese Entscheidungen wirkt Bronson wie eine gewaltige Verbeugung vor Stanley Kubricks Uhrwerk Orange.

 

Besonders in seiner ersten Hälfte macht der Film dabei noch sehr viel richtig, und spielt geradezu mit den Anspielungen auf das große Vorbild. In dieser ersten Hälfte finden sich auch die stärksten Momente des Films, und es ist sicher kein Zufall, dass in dieser Hälfte auch die meisten surrealen Szenen zu finden sind. In der zweiten Hälfte scheint es fast, als würde der Film „normalere“ Züge annehmen, und so fällt diese auch spürbar gegen den wahnwitzigen Auftakt ab. Es wird dann auch sehr bald deutlich, dass Bronson in keiner Sekunde soviel zu den gesellschaftlichen Machtverhältnissen zu sagen hat wie etwa Uhrwerk Orange, und dass der Film auch kaum einen Schlüssel zu seiner Hauptfigur entwickelt. Charles Bronson bleibt ein Rätsel, aber vielleicht ist das auch gerade gut so.

 

Man kann aber auch nicht leugnen, dass die wirklich starke erste Hälfte eine höhere Erwartungshaltung schürt, als es der fertige Film schließlich einhalten kann. Denn so richtig viel zu sagen hat Bronson schlussendlich nicht. Doch dies ändert nichts daran, dass der Film stilistisch auf höchst eigenwillige Art überzeugt. Besonders dank der furiosen, offenherzigen und fast schon wahnsinnigen Darbietung von Tom Hardy wird Bronson schließlich dennoch zum Ereignis. Man sollte nur nicht zulassen, dass die zahlreichen Reminiszenzen an Uhrwerk Orange die Erwartungshaltung allzu hoch treiben. Denn diesen Vergleich kann Bronson nur verlieren. Ein sehr sehenswerter und stilistisch bemerkenswerter Film ist aber dennoch dabei heraus gekommen.

 

Fazit:

Bronson ist an erster Stelle natürlich eine gewaltige Hommage an Stanley Kubricks Meisterwerk Uhrwerk Orange. Besonders in seiner ersten Hälfte verblüfft der Film mit einer einzigartigen, surrealistischen Atmosphäre die selten ist. Doch spätestens in der zweiten Hälfte wird dann klar, dass der Film inhaltlich eigentlich gar nicht so viel zu sagen hat. Die Systemkritik verpufft geradezu, die Hauptfigur bleibt durchgehend ein Rätsel und so richtig viel zu erzählen hat der Film eigentlich nicht. Doch dank der furiosen Darbietung von Tom Hardy, und seiner raffinierten Stilistik bleibt Bronson dennoch äußerst sehenswert, und ein Tipp, für alle, die einmal wieder einen Film der etwas anderen Art sehen wollen.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Erstellt: 18.10.2013