Facing Ali (2009)

OT: Facing Ali - 100 Minuten - Dokumentation
Facing Ali (2009)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
8620
Bewerten:

Filmkritik zu Facing Ali

Von am

Muhammad Ali ist nicht nur der wohl größte Boxer aller Zeiten, er ist einer der größten Sportler überhaupt, der nicht nur durch sein sportliches Können in die Annalen der Weltgeschichte einging, sondern vor allem durch seine Aktivitäten in der Bürgerrechtsbewegung. Seine Legendenbildung wird verstärkt durch einen Charakter, der die Menschen in aller Welt fasziniert, und eine Lebensgeschichte, inklusive faszinierenden Anekdoten, die kein Drehbuchautor der Welt besser hätte schreiben können. Es gibt unzähliges Material über ihn und sein Leben, und unter vielen sehr aufschlussreichen künstlerischen Werken, befinden sich auch viele, die nur Geld mit dem Namen Alis verdienen wollen. Doch Facing Ali ist eine der großen Dokus über Ali, und liefert tatsächlich einen frischen Ansatz.

 

Muhammad Ali hat in seiner Boxkarriere zahlreiche großartige Gegner besiegt. Zehn davon versammeln sich nun wieder vor der Kamera, um ihre Eindrücke vom größten Boxer aller Zeiten zu schildern. Darunter altbekannte, legendäre Gegner wie Smokin’ Joe Frazier, der Ali einst besiegte, im beinharten Thrilla in Manilla (siehe auch die gleichnamige Doku) aber den kürzeren gegen Ali zog, oder auch George Foreman, der als haushoher Favorit zum Rumble in the Jungle (siehe auch die Doku When We Were Kings) anreiste, und schließlich gegen Ali völlig überraschend seinen Titel verlor. Aber auch Earnie Shavers, George Chuvalo oder Sir Henry Cooper bekommen ihre Chance über ihren Augenblick im Rampenlicht zu sprechen, als sie Ali gegenüber standen…

 

Dokumentationen, Filme und Bücher zu Muhammad Ali gibt es wie Sand am Meer. Die Doku When We Were Kings ist dabei der wahrscheinlich beste Versuch Alis Charakter nahe zu kommen. Doch auch Facing Ali schafft es überraschend gut einen neuen, und unverbrauchten Blick auf Muhammad Ali zu werfen. Das Geheimnis des Films ist dabei, dass wir Ali selbst hauptsächlich in Form von Archivaufnahmen sehen, und ansonsten vorwiegend die zehn Konkurrenten zu Wort kommen, die einen neuen, und ungewöhnlichen Blick auf Ali ermöglichen. Denn die simplen Fakten sind ohnehin schon abgegrast, sodass es tatsächlich eines solchen, durchaus kreativen, Vorgehens verlangt, um noch etwas Neues zu sagen.

 

Und Regisseur Pete McCormack versteht es ausgezeichnet diese Ausgangslage auszunutzen. Denn so entsteht nicht nur ein kaleidoskopartiger Rückblick auf einige Karrierehöhepunkte von Muhammad Ali, die wieder einmal wunderbar vor Augen führen, auf welcher hauchdünnen Linie sich Ali bewegt hat, und wie knapp viele seiner Siege wirklich waren, sondern vor allem ermöglicht diese Form des Geschichtenerzählens auch einen Blick auf die oft unbesungenen Helden des Sports, und auch die Boxer, die nicht gerade George Foreman oder Joe Frazier heißen, dürfen ihre Geschichte erzählen, Hintergründe erklären, und beschreiben wie ihr Kampf gegen Ali gelaufen ist, und was dieser auch emotional bei ihnen bewirkt hat.

 

Und es sind tatsächlich herzerwärmende, kleine Anekdoten, die hier zum Besten gegeben werden, die sich gar nicht immer um Ali drehen müssen, aber ein sehr gutes Gefühl für die damalige Zeit vermitteln, und so die Hintergründe der Kämpfe veranschaulichen. Und Facing Ali setzt stilistisch auf eine Mischung aus Interviews, die die Boxer heute zeigen, Archivaufnahmen aus dem Umfeld ihres Kampfes, die vor allem den legendären Smack-Talk von Ali ins Zentrum rücken, und natürlich Aufnahmen des Kampfes selbst. Natürlich ist es auf diese Weise nicht möglich die gesamte Karriere von Ali abzugrasen, aber dies ist auch gar nicht notwendig, gibt es doch bereits zahlreiches Material zu diesem Thema.

 

Wirklich schön ist aber, dass mit jedem weiteren Boxer, der seine Geschichte erzählen darf, ein weiteres Puzzlestück zu diesem Mosaik, genannt Muhammad Ali, hinzugefügt wird, und sich im Laufe der Zeit tatsächlich ein sehr ansehnliches Bild ergibt. Es liegt aber auch eine gewaltige Nostalgie in der Luft, die nicht nur auf die vergleichsweise inspirationslose heutige Boxszene verweist, sondern vor allem durch das tragische Schicksal von Muhammad Ali begründet ist. Es ist aber sehr schön zu sehen, dass Facing Ali sowohl den großen Muhammad Ali, als auch seine Gegner sehr respektvoll behandelt, und allen die Möglichkeit gibt etwas von sich zu erzählen. Das Ergebnis ist eine sehr sehenswerte Doku, die allen Fans des Boxsports sehr ans Herz zu legen ist.

 

Fazit:

Facing Ali ist eine eher untypische Dokumentation über Muhammad Ali, da man seine Geschichte durch zehn andere Boxer erzählen lässt, die von ihren Kämpfen mit Ali berichten. So entsteht nicht nur ein wunderbarer, kaleidoskopartiger Blick auf das Leben von Muhammad Ali, sondern man bekommt auch Einblick in die Hintergründ diverser Kämpfe, und vor allem bekommen alle zehn Boxer Gelegenheit ihre ganz persönliche Geschichten zu erzählen. Und es ist sehr aufschlussreich, rührend und unterhaltsam diesen Geschichten zu lauschen, und sie schaffen es tatsächlich einen etwas anderen Blick auf die Karriere eines großen Sportlers und seine ebenfalls sehr talentierten Gegner zu werfen. Sehr empfehlenswert.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 3
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
67%
7 /10
0%
6 /10
33%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Thrilla in Manilla (2008)
The White Stripes: Under Great White Northern Lights (2009)
Kick Off (2010)
Am Anfang war das Licht (2010)
When We Were Kings (1996)
Notes on an American Film Director at Work: Martin Scorsese (2007)
Japan: A Story of Love and Hate (2008)
Muezzin (2008)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!