An Education (2009)

OT: An Education - 100 Minuten - Drama
An Education (2009)
Kinostart: 16.04.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu An Education

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An Education basiert auf den Memoiren der britischen Journalistin Lynn Barber, die von Autor Nick Hornby in Drehbuchform gebracht wurden, und schließlich von Lone Scherfing verfilmt wurden. Der Film zeichnet sich durch eine eigenartig betörende Atmosphäre aus, und tatsächlich ist diese schwungvolle, fast elektrische Stimmung auch wohl der Hauptgrund, weswegen sich An Education bereits Anfang 2009 aufmachte um diverse Festivals (unter anderem die Berlinale und Sundance) zu erobern, aber am Ende des Jahres immer noch genügend Präsenz hatte, um es zu einigen prominenten Oscarnominierungen zu bringen (Bester Film, Beste Hauptdarstellerin, Bestes Adaptiertes Drehbuch).

 

Jenny (Carey Mulligan) birgt großes intellektuelles Talent in sich. Ihr großes Ziel ist die Eliteuniversität Oxford, und ihr strenger Vater Jack (Alfred Molina) will sie auch so lenken, dass sie dieses Ziel nie aus den Augen verliert. Doch da tritt, wie aus dem Nichts, plötzlich David (Peter Sarsgaard) in Jennys Leben. Der charmante, intelligente und kultivierte Mann wirbelt Jennys Welt gehörig durcheinander. Er zeigt ihr sein Leben, führt sie in die Welt der Kunst und nimmt sie mit nach Paris. Selbst Jennys Eltern wickelt er mit seinem Charme um den Finger. Doch Jenny werden die Abende mit David und seinen Freunden Danny (Dominic Cooper) und Helen (Rosamund Pike) immer wichtiger, und sie verliert ihr großes Ziel Oxford immer weiter aus den Augen. Doch was sind eigentlich Davids Ziele? Was will er wirklich von Jenny?

 

Es ist ein gewaltiger Hauch von Freiheit, der Lone Scherfings Film durchzieht. Man könnte An Education auch eine Freigeistfabel mit fast märchenhaften Zügen nennen. An aller erster Front erzählt uns der Film vor allem von den Tücken des Erwachsenwerdens, und ist damit eine mehr oder weniger klassische Coming-of-Age Geschichte. Doch An Education geht durchaus neue Wege, und hinterfragt die schulische Lehre, in dem der Film eine „Lehre des Lebens“ entgegenstellt, der es schließlich zu verdanken ist, dass Jennys Reifeprozess vom Kind zur erwachsenen Frau relativ zügig vonstatten geht. Doch durch seinen finalen Akt hinterfragt der Film auch diese Ebene, und serviert eine Kombination der schulischen Weisheiten, und der Lebenserfahrung als mögliche Lösung.

 

Doch es ist gerade dieses Abtauchen in die fast magische Zauberwelt von David, die den Film besonders auszeichnet. Jenny darf den grauen Alltag der schulischen Welt hinter sich lassen, um ihrem weissen Ritter zu folgen, der sie in Konzerte mitnimmt, ihr französische Filme zeigt, sie zu geheimnisvollen Auktionen entführt, und sie schließlich auch in ihre Traumstadt Paris mitnimmt. Jennys Alltag wird in Kontrast gesetzt zu den fabelhaften Erlebnissen in einer höheren Klasse. Sie trifft intelligente Menschen, mit denen sie zu Abend isst, und wird Teil einer rasanten Gruppe, die sich aufmacht in neue Zeiten vorzudringen.

 

Doch bereits von Anfang an ist da dieser kleine Funken von Misstrauen. Bereits die erste Begegnung zwischen Jenny und David, die fast klassisch an eine „Kindsentführung“ erinnert (im Sinne von: steige nicht zu dem ins Auto, der dir Süßigkeiten anbietet), erweckt Assoziationen, dass hier etwas im Busch versteckt lauert. Es ist diese mysteriöse Aura, die Peter Sarsgaard umgibt, die ihn völlig undurchschaubar erscheinen lässt. Und man muss auch bis zum letzten Akt rätseln welche Motive ihn wirklich antreiben, bzw. welche Leichen er im Keller hat. An Education spielt dabei aber auch mit dem generellen Misstrauen des Publikums, bzw. der Einstellung dass man misstrauisch werden sollte, wenn etwas zu gut ist um wahr zu sein.

 

Doch man muss auch eingestehen, dass der Film über die ersten zwei Akte eine Antizipation aufbaut, die das Finale nicht einhalten kann. Durch das große Mysterium rund um David wird sich jeder Zuseher seine eigenen Vorstellungen machen, welches Geheimnis hier verborgen liegt, doch die Auflösung selbst ist dann doch etwas enttäuschend. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die ersten beiden Drittel des Films in sofern so viel Spaß machen, dass sich jeder Zuseher mit Jenny identifziert, und quasi mit ihr aus dem Alltag entflieht, und das unkomplizierte Leben auf Achse kennen lernt. In diesen Szenen baut An Education seine großartige Atmosphäre auf, in der man sich gerne verliert, und hier ist der Film auch wirklich berührend, und faszinierend.

 

Wie bereits erwähnt lässt das Finale dagegen doch spürbar nach. Ein Grund, warum der Film dennoch durchgehend unterhaltsam bleibt, sind die grandiosen Leistungen der beiden Hauptdarsteller. Peter Sarsgaard verblüfft als undurchsichtiger Charmebolzen, hinter dessen strahlender Fassade man ihm eigentlich so gut wie alles zutrauen würde, aber speziell Carey Mulligan überrascht mit einer grandiosen Leistung. Wie aus dem Nichts zaubert sie eine magische Performance, meistert den Übergang vom scheuen Reh, zu einer erwachsenen Frau, und liefert vor allem glaubhafte Emotionen, die den wahren Kern der Geschichte bilden, und sicher so die meisten Zuseher um den Finger wickeln. An Education ist somit dank seines eher schwächerem letzten Drittel kein großer Film, aber ein durchaus unterhaltsames und sehenswertes Werk ist dennoch dabei herausgekommen.

 

Fazit:

An Education schafft es speziell in seinen ersten beiden Dritteln zu überzeugen, und entführt uns in eine fremde, reizvolle Welt. Weiters überzeugt der Film durch die wunderbar undurchsichtige Performance von Peter Sarsgaard, hinter dessen charmanter Fassade man stets einen dunklen Abgrund vermutet. Im letzten Abschnitt lässt der Film jedoch spürbar nach, und schafft es nicht die Erwartungen zu erfüllen. Doch dank der wunderbaren Leistung von Carey Mulligan, die dem Film ihren Stempel aufdrückt, und großartig durch die Geschichte führt, bleibt An Education doch stets sehenswert und unterhaltsam.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 12
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