Blind Side - Die große Chance (2009)

OT: The Blind Side - 126 Minuten - Sport / Drama
Blind Side - Die große Chance (2009)
Kinostart: 26.03.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Blind Side - Die große Chance

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Mit Blind Side ist Perfect World Autor John Lee Hancock ein unerwarteter Überraschungshit in den USA gelungen. Der Film wurde zum wahren Dauerbrenner und spielte alleine in seinem Heimatland 239 Millionen Dollar ein, was ihm einen Platz in den Top 10 der erfolgreichsten Filme des Jahres 2009 in den USA, bescherte. Doch das Phänomen beschränkte sich nicht nur auf das Box-Office. Rund um Sandra Bullock entwickelte sich ein Awardhype, der sie nun als Favoriten ins Oscarrenen um die beste weibliche Hauptrolle, gehen lässt. Und getragen von dieser großen One-Woman-Show hat es Blind Side sogar zu einer Oscarnominierung für den Besten Film geschafft.

 

Michael Oher (Quinton Aaron), auf Grund seiner beeindruckenden Erscheinung „Big Mike“ genannt, verbrachte sein junges Leben in verschiedenen Pflegefamilien, doch alles sollte sich ändern, als er in eine neue Schule kommt. Dort freundet er sich mit Sean (Jae Head) an, und eines Tages entdeckt Seans Mutter Leigh Anne Tuohy (Sandra Bullock) wie Michael ganz alleine im Dunkeln auf einer Straße herumirrt. Sie beschließt ihn mitzunehmen, und bei ihrer Familie übernachten zu lassen. Und im Laufe der Zeit wächst Michael der Familie immer weiter ans Herz, und ist für Leigh Anne wie ein eigener Sohn. Bald entdeckt man auch schon das Talent, das in ihm schlummert: Michael scheint wie geschaffen zu sein für eine Footballkarriere…

 

Blind Side basiert auf Michael Lewis’ gleichnamigen Buch aus dem Jahre 2006, welches wiederum auf der fantastischen Lebensgeschichte von Michael Oher basiert, der im Jahr 2009 in der erste Draft-Runde der NFL von den Baltimore Ravens gedrafted wurde. Oher hat also nachweislich seinen Traum erreicht, und es in die NFL geschafft. In Blind Side geht es aber vornehmlich um seinen Weg bis an diesen Punkt. Fluch und Segen zugleich ist dabei jedoch, dass sich Regisseur John Lee Hancock dabei großflächig, bzw. eigentlich fast ausschließlich auf den inspirierenden Charakter der Geschichte konzentriert, und die emotionale Tiefe dahinter etwas vernachlässigt.

 

Doch es dürfte gerade diese engmaschige Fokusierung sein, die den Erfolg von Blind Side erklärt. Denn im Wesentlichen ist der Film ein schön anzusehendes Ventil, das den Zuseher seine eigenen Probleme vergessen lässt, und einen kurzweiligen Filmabend garantiert. Dabei war es wohl eine strategische Entscheidung den Film nicht mit all zu vielen dunklen Seiten auszustatten, bzw. die charakterliche Entwicklung einfach zu gestalten, und die düstere Vergangenheit nur anzudeuten, und stattdessen gänzlich auf eine positive Message zu setzen. Denn anders wäre die kollektive Wirkung als crowd-pleaser wohl auch kaum zu erreichen gewesen. Dass man es aber trotz dieser offensichtlichen oberflächlichen Herangehensweise zu einer Oscarnominierung für den Besten Film geschafft hat, ist eine große Überraschung.

 

Das beweist aber nur, dass Blind Side seine sentimentale Wirkung scheinbar quer durch alle Schichten erreicht, und auch die Oscarjury beeindrucken konnte. Man kann aber nicht bestreiten, dass die seichte Herangehensweise, und die ausschließliche Fokusierung auf ein reines Mainstreampublikum, bzw. die nervige Anpassung an den Massengeschmack, der Geschichte einiges an Kraft raubt. Natürlich, Blind Side schafft es in gewissem Rahmen zu berühren und zu inspirieren, aber der Lebensgeschichte von Michael Oher wird der Film nicht wirklich gerecht und die absolute Verflachung der Story, bewirkt auch, dass Blind Side keinerlei nachhaltige Wirkung besitzt, sondern nur ein lockeres Erlebnis garantiert, das keinem weh tut, aber auch kaum Begeisterungsstürme auslösen wird.

 

Kaum bestreitbar dürfte jedoch sein, dass 2009 wohl als Sandra Bullocks Jahr in Erinnerung bleiben wird. Mit Selbst ist die Braut und Blind Side sorgte sie für Box-Office Hits, und mit Blind Side wirbelte sie auch das Awardrennen auf, weiters wurde sie für beide Filme für einen Golden Globe nominiert. Sie spielt damit gekonnt gegen das Hollywoodklischee an, dass es ab einen gewissen Alter aus ist mit den weiblichen Hauptrollen, und beweist stattdessen, dass sie immer noch ein großes Argument für einen Kinobesuch ist, bzw. dürfte speziell für Blind Side Sandra Bullock ein großer Publikumsmagnet gewesen sein. Und in Blind Side, beweist Bullock vor allem Präsenz und Ausstrahlung. Ihre Rolle hat sicher das gewisse Etwas, und strahlt eine Menge Kraft aus, aber ob sie dafür einen Oscar bekommen sollte, ist freilich einen andere Geschichte.

 

Denn wie bereits erwähnt fehlt dem Film als Gesamten doch so einiges, um wirklich zu überzeugen. Simple Unterhaltung ist gegeben, aber mehr als ein nettes Hochglanzprodukt von der Stange ist dabei eben nicht herausgekommen. Wer sich darauf einlässt bekommt eine sympathische Geschichte serviert, die sicher eine inspirierende Wirkung versprüht. Das Besondere ist auch, dass Sandra Bullocks kraftvolle Darstellung nicht verschwendet wird, sondern eher aus dem Hintergrund hervorsticht, und sich deshalb auch nicht abnützt. Doch wer sich auf Grund der unerwarteten Nominierung als Bester Film ein besonderes Ereignis erwartet, der wird wohl enttäuscht werden. Denn Neues bietet der Film nicht, und in die Tiefe geht er leider auch nicht. Wer sich aber bloß für einen Abend nett unterhalten lassen möchte, der könnte durchaus zufrieden gestellt werden.

 

Fazit:

Blind Side ist ein durchaus sympathischer und inspirierender Film, der es versteht seine Stärken als crowd-pleaser auszuspielen, und sollte es durchwegs verstehen ein Publikum zu unterhalten. Dies tröstet aber nicht darüber hinweg, dass Blind Side ein gewaltiger Kniefall vor dem Mainstream ist, und dunkle Kapitel konsequent ausblendet, um die Geschichte auf ihren inspirierenden Charakter zu beschränken. Somit geht der Film kaum in die Tiefe und bleibt auch auf der Ebene der oberflächlichen Berieselung hängen. Gut, die kraftvolle Leistung von Sandra Bullock weiß zu überzeugen, aber man darf gerne Hinterfragen ob Blind Side nicht etwas überbewertet ist. Solide Unterhaltung, ja sicher, aber mehr eben nicht.

 

Wertung:

6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 37
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