Invictus - Unbezwungen (2009)

OT: Invictus - 134 Minuten - Drama
Invictus - Unbezwungen (2009)
Kinostart: 19.02.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Invictus - Unbezwungen

Von am

“It matters not how strait the gate
how charged with punishments the scroll
I am the master of my fate
I am the captain of my soul”

Invictus - William Earnest Henley

 

Egal wie viele Jahre noch ins Land ziehen werden, wenn ein neuer Film von Clint Eastwood in die Kinos kommt, werden Cineasten rund um den Globus hellhörig. Das war schon so, als Eastwood noch vorwiegend Darsteller war, und hat sich auch nicht geändert, seit er sich aufs Inszenieren spezialisiert hat. Es ist dieser klassische, anmutige Stil, der zeitlosen Charakter versprüht, und der bewirkt, dass man sich in den Filmen von Eastwood gerne verliert. Nur mit seinem neuesten Werk Invictus geht die Rechnung nicht ganz so gut auf, wie in seinen letzten Werken.

 

Nelson Mandela (Morgan Freeman) wird nach 28 Jahren im Gefängnis im Jahr 1994 zum ersten frei gewählten Präsidenten von Südafrika. Doch obwohl ein Schwarzer das Land regiert, ist es immer noch von den Folgen der Apartheid durchzogen, und die schwarze und weiße Bevölkerung nähren sich nur langsam an. Das symbolische Zentrum dieses Konflikts ist die Rugby-Nationalmannschaft. Während die Weißen mitfiebern, helfen die Schwarzen aus Prinzip zu den Gegnern. Doch Nelson Mandela will die Rugby-WM, die in Südafrika ausgerichtet wird, ausnutzen, um das Land zu einen, und zu einem gemeinsamen Triumph zu führen…

 

Es ist wahrlich kein schlechter Film, den der Regieveterane Eastwood hier abgeliefert hat. Dazu scheint der Meisterregisseur auch fast nicht in der Lage zu sein. Denn selbst seine schwächeren Film gleiten nie völlig ab. Invictus muss jedoch zu eben diesen Lager, der etwas schwächeren Filme, gerechnet werden. Gründe dazu finden sich auf vielen Ebenen, und so richtig zündet der Film in keiner Sekunde. Dass Regisseur Eastwood selbst für einen solchen Film noch mit dem Regiepreis des National Board of Review geehrt wurde, darf wohl eher seinem Ruf, als seiner tatsächlichen Leistung, zugerechnet werden.

 

Denn die Fehler von Invictus beginnen bereits beim Thema. Nicht, dass sich ein Nelson Mandela kein Biopic verdient hätte, das sicher nicht. Aber warum sich Eastwood ausschließlich auf die winzige Periode rund um die Rugby-WM stürzt, und ansonsten alle Aspekte des großen schwarzen Bürgerrechtlers im Dunkeln lässt, bleibt doch etwas unverständlich. So wirkt der Film stellenweise etwas zerrissen: Natürlich bestehen zwischen dem sportlichen Ereignis und dem politischen Hintergrund Verbindungen, aber es wirkt doch nicht gänzlich überzeugend, und Eastwood hätte sich vielleicht entscheiden sollen, ob er lieber einen Sportfilm, oder ein politisches Biopic drehen will.

 

Vor allem, da sein Stil nicht wirklich in den dynamischen Rugbysport passt. Bei Million Dollar Baby hat die Gratwanderung zwischen temporeichem Sport und ruhigem Stil noch besser funktioniert, aber der Rugbysport ist doch etwas unübersichtlicher, so dass es stellenweise so wirkt, als würde Eastwood dem Spiel hinterherhinken, und sein Stil fügt sich nie wirklich in das Geschehen ein. Man könnte auch meinen, dass Eastwood etwas zu altbacken für diese Thematik vorgeht. Und dies sage ich mit schwerem Herzen, da dieser klassische Stil normalerweise genau das ist, was mich an seinen Filmen so begeistert. Aber in Invictus geht die Rechnung eben nicht durchgehend auf.

 

Hinzu kommen einige Einzelmomente, bei denen Eastwood völlig daneben gezielt hat. Zu erwähnen sind auf jeden Fall die beiden großen, gefälschten Suspensemomente des Films: Der erste findet sich zu Beginn, als ein Attentat an Mandela angedeutet wird, das sich jedoch im nichts verläuft, und vor allem der angedeutete Terroranschlag mit dem Flugzeug, ein fast schon widerwärtiges Spiel mit den Ängsten der post 09/11 Gesellschaft, ist schlichtweg mutwillige Manipulation des Publikums, was gerade ein Clint Eastwood nicht notwendig hat, erwächst doch gerade in seinen Geschichten die Kraft organisch aus der Story. Das selbe betrifft den schnulzigen Song „Colorblind“, der auf völlig deplatzierte Weise die Message des Films noch einmal hinausträllert, und die fast schon kitschigen Slow Motion Aufnahmen am Ende des Rugbyspiels.

 

Soviel zu den Negativpunkten. Aber die schiere Erfahrung von Eastwood rettet seinen Film dennoch. Ein großer Film kann Invictus mit solch gravierenden Mängeln natürlich nicht werden, aber vor allem dank den großartigen Darstellern wird der Film dennoch sehenswert. Speziell Morgan Freeman bringt Nelson Mandela auf den Punkt genau rüber, und schafft seine Screentime aufzusaugen und äußerst ökonomisch zu verwerten. Aber auch Matt Damon spielt gut, hält sich gekonnt zurück, und liefert eine sehr gute Assistenz für den überragenden Morgan Freeman. Auch bleibt Invictus über die ganze Laufzeit unterhaltsam, und schafft es mit seiner wichtigen Message natürlich trotz allen Mängeln zu berühren und zu inspirieren. Das ist eben die Stärke Eastwoods: Selbst seine schwächeren Filme sind immer noch sehenswert.

 

Fazit:

Mit Invictus fällt Clint Eastwood etwas gegenüber seinen letzten Filmen ab. Die Themenabgrenzung wirkt nicht ganz überzeugend, der Kitschfaktor ist teilweise zu hoch, und auch einige Inszenierungskniffe wirken beliebig und wenig überzeugend. Demgegenüber stehen jedoch großartige Darsteller rund um einen überragenden Morgan Freeman, eine wichtige Message, und ein unterhaltsamer Filmfluss. Sicher keiner von Eastwoods wirklich großartigen Filmen, aber für einen netten Filmabend ist dennoch gesorgt.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 26
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