Zeiten ändern dich

 

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OT: Zeiten ändern dich

 

Regie: Uli Edel

Drehbuch: Bushido, Bernd Eichinger

Darsteller: Bushido, Moritz Bleibtreu, Karoline Schuch, Hannelore Elsner

Filmstart: 05.02.2010 | Laufzeit: 94 Minuten | Biopic

ZeitenAendernDich-Scene03Eminem und 50 Cent haben es mit 8 Mile, bzw. Get Rich Or Die Tryin’ vorgemacht, nun bekommt auch Deutschlands erfolgreichster Rapper seinen eigenen Film spendiert. Als Grundlage dient Bushidos Bestsellerlisten stürmende Biographie, und gerechnet wird natürlich mit einem vorwiegenden Auspressen des großen Namens, da Bushido selbst auch die Hauptrolle spielen darf. Doch zufrieden stellen wird dieser dilettantische Versuch eines Biopic wohl nur die blindesten Anhänger des Rappers, alle anderen dürften sich auf Grund der stark vorherrschenden unfreiwilligen Komik wohl eher peinlich berührt fühlen.

 

Anis (Elyas M’Barek) muss als Kind beobachten, wie seine Mutter (Hannelore Elsner) regelmäßig von seinem Vater geschlagen wird, und später dann die Familie im Stich lässt. Auch in der Schule ist er keine besondere Leuchte, und schmeißt sie hin um sich mit kleineren Drogendeals gutes Geld zu verdienen. Doch er wird erwischt, und vor die Wahl gestellt, ob er lieber in den Jugendknast gehen möchte, oder eine dreijährige Ausbildung beginnt. Anis entscheidet sich für die Ausbildung als Maler und Anstreicher, was ihn direkt in die Sprayerszene führt. Und dies bringt ihn wiederum zur Musik. Er gibt sich den Künstlernamen Bushido, und startet seine Karriere…

 

ZeitenAendernDich-Scene01Eigentlich wäre die Ausgangslage gar nicht schlecht: Die Story von Bushido hätte sicher einiges an Potential gehabt, hätte man bei der Verfilmung die richtigen Schwerpunkte gesetzt. Auch hat der Film Deutschlands Erfolgsproduzenten Bernd Eichinger an Bord, der zwar kein Garant für hohes Kulturgut ist, aber es zumindest versteht gute europäische Blockbuster zu produzieren. Hinzu kommt Regisseur Uli Edel, der sich ja erst kürzlich mit Der Baader Meinhof Komplex wieder zurückmeldete. Wie schließlich aus dieser Grundkonstellation ein solch misslungenes Werk werden konnte, ist jedoch ein Mysterium, da hier wirklich kaum etwas funktioniert.

 

Die Tragik beginnt mit dem mäßigen Drehbuch von Bernd Eichinger. Der durchaus vermögende Filmmogul ist wohl nicht die beste Wahl um Geschichten von der Straße zu erzählen, und so setzt sich die Geschichte von Zeiten ändern dich auch wirklich nur aus den übelsten Gossenklischees, dem nervigen möchtegern Gangstergehabe und dem sinnentleerten Gelaber der Hip Hop Szene zusammen. Vielleicht ist das ja auch gerade das, was die Fans sehen wollen, aber ein reines Abziehbildchen von einem Film, das in keiner Sekunde tiefere Einblicke in die Persönlichkeit seiner Hauptfigur erlaubt, ist eben nicht das Gelbe vom Ei. Wer sich also bereits im echten Leben von gewissen Verhaltensriten dieser Subkultur genervt fühlt, der braucht einen Kinobesuch erst gar nicht erwägen.

 

ZeitenAendernDich-Scene06Mindestens genauso dilettantisch gibt sich die Inszenierung von Uli Edel, der weder seine Schauspieler wirklich unter Kontrolle hat, noch ein Gespür für das Gefühl seiner Geschichte entwickelt. Zwar probiert man an allen Ecken und Enden Emotionen beim Publikum zu evozieren, und die Oberfläche zu durchbrechen, doch dank einer verkrampften Inszenierung, die jeden Funken eines Gefühls im Keim erstickt, gelingt dies leider nie. Viel schlimmer ist jedoch die unfreiwillige Komik, die so manche dramatisch ausgerichtete Szene umkippt und ins Lächerliche zieht. Wie ein derart erfahrener Regisseur plötzlich jedes Gespür für sein Medium und sein Handwerk verlieren kann, bleibt ein Rätsel. Aber wahrscheinlich bleibt das einzige Ziel des Films ohnehin das große Abkassieren.

 

Ein weiteres Problem stellt Hauptdarsteller Bushido dar. Gut, man kann ihm eigentlich keinen Vorwurf machen. Er ist nun mal kein Schauspieler, und seine Ausstrahlung kann man ihm nicht absprechen. Und hätte man die Rolle umbesetzt, hätte es dem Film wohl auch eher noch mehr geschadet. Aber es ist nun einmal unübersehbar, dass er hier oftmals auf verlorenem Posten steht, und es nicht schafft glaubhaft die Szenen auszufüllen. Richtig peinlich ist aber sein Off-Kommentar, der derart lieblos heruntergelesen wird, als würde er in der Schule wieder mal den Erlkönig vorrappen (zur Aufklärung: Eine der weiteren peinlichen Szenen des Films). Mitbringen kann Bushido dafür eine gewisse Leinwandpräsenz und Charisma, aber das reicht leider nicht wirklich aus, um hier irgendetwas zu retten.

 

ZeitenAendernDich-Scene26Das einzige, was Zeiten ändern dich wirklich gut hinbekommt, ist das Finale, in dem sich die Fäden zusammenfügen und sich der emotionale Leitfaden des Films in einem Konzert vor dem Brandenburger Tor auflöst. Aber auch hier gilt, dass dies einen ansonsten sehr bescheidenen Film nicht retten kann. Von Eichingers miesem Drehbuch, das sich seine Storyfäden so plump zusammenlegt, dass es einem die Nackenhaare aufstellt, über Uli Edels Inszenierung bis zu den laienhaft agierenden Darstellern haut hier kaum etwas hin. Interessieren dürfte das Produkt somit wirklich nur die ganz treuen Fans von Bushido, alle anderen müssen sich dieses filmtechnisch unausgegorene Produkt nicht unbedingt antun.

 

Fazit:

Zeiten ändern dich ist wohl, was man getrost als groß angelegten Flop (zumindest aus künstlerischer Sicht) bezeichnen kann. Bernd Eichingers Drehbuch ist eigentlich ein schlechter Scherz, und besteht nur aus peinlichen Klischees und einer peinlich berührenden, schlechten Dramaturgie, wie man sie selten in solch großen Produktionen findet. Hinzu kommt ein Uli Edel, der scheinbar über Nacht jedes Gespür für sein  Medium verloren hat, sodass der Film zu einem Sammelsurium an unfreiwilliger Komik verkommt. Dass Bushido kein Schauspieler ist, kommt erschwerend hinzu, und über den lustlosen Off-Kommentar legen wir lieber überhaupt den Mantel des Schweigens. Das Einzige was hier wirklich funktioniert ist das Finale. Ansonsten nur für die ganz treuen Fans von Bushido relevant.

 

Wertung:

3/10 Punkte

 

Das sagen die Anderen:

 

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Ø Pressewertung: 3 /10

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