Up in the Air (2009)

OT: Up in the Air - 110 Minuten - Tragikomödie
Up in the Air (2009)
Kinostart: 05.02.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Up in the Air

Von am

Everyone needs a Co-Pilot.

 

Spätestens mit Up in the Air hat Sohn Jason Reitman seinen Vater Ivan Reitman, der mit Ghostbusters Kultstatus erhielt, überholt. Jason Reitman konnte mit seinen ersten beiden Filmen Thank you for Smoking und Juno seinen eigenen Stil, geschickt ausbalanciert zwischen Drama und Komödie, etablieren und schaffte es dabei interessante Figuren zu kreieren, und ernste Themen mit Humor zu verarbeiten. Mit Up in the Air treibt er diesen Stil nun zur Spitze, und hat mit der weltweiten Wirtschaftskrise ein Thema an der Hand, das uns alle betrifft. Und die Stärke Reitmans ist, dass er dieses Thema nur als Aufhänger benutzt, um uns von seinen, großartig geschriebenen, Figuren zu erzählen.

 

Ryan Bingham (George Clooney) ist ein Dauerreisender: Er hat zwar eine Wohnung, jedoch wäre es übertrieben diese als Zuhause zu bezeichnen. Denn sein Leben spielt sich in der Luft ab. Sein Beruf ist es überall auf der Welt Firmen zu besuchen, und Mitarbeiter zu entlassen, wenn es die Vorgesetzten nicht selbst übers Herz bringen. Doch sein Job steht vor einer radikalen Wende: Die junge, ehrgeizige Natalie (Anna Kendrick) will der Firma helfen Kosten zu sparen, und die Entlassungen in Zukunft per Videostream durchführen. Ryan ist auf Grund dieser Entwürdigung schockiert, sieht er doch seinen Job als eine Kunst an, mit der er das Leid der Entlassenen mildern will. Also nimmt er Natalie mit auf seine nächste Tour, und zeigt ihr wie es in diesem Beruf wirklich zu geht. Zusätzlich ist er gerade drauf und dran eine ernst Bindung zu Alex (Vera Farmiga) einzugehen, die wie Ryan eine Dauerreisende ist…

 

Die Kritikerawards des Jahres 2009 in den USA waren sich ziemlich einig. The Hurt Locker oder Up in the Air hießen meist die Gewinner, und so darf man natürlich gespannt sein, was der Grund für diese Euphorie ist. Und es ist schön, dass beide Filme den Erwartungen entsprechen. Mit Up in the Air bleibt Jason Reitman auf der einen Seite seinem Stil treu, und nimmt ein ernstes Thema, vor dessen Hintergrund er eine berührende Geschichte spielen lässt, die zwar durchaus komisch ist, aber vor allem durch das Mitgefühl für die Figuren lebt. Auf der anderen Seite lässt Reitman aber zum ersten Mal in seiner Karriere das Prädikat „gut“ hinter sich, und liefert einen aussergewöhnlichen Film, der perfekt in unsere Zeit passt, und mühelos zum bisher besten Film von Jason Reitman wird.

 

Als besonders gelungen erweist sich dabei das Drehbuch, das hier wie die Wirbelsäule des Films einen grundfesten Kern bildet, auf den sich Up in the Air immer wieder berufen kann. Die Figuren sind großartig geschrieben, was vor allem für George Clooneys Ryan Bingham gilt. Er ist ein Business-Terminator mit Anzug und Kreditkarte, der charmant ist, und dem die Aura des Mysteriösen umgibt. Clooney spielt diesen Ryan Bingham smart, und auf den Punkt genau (vielleicht seine bis dato beste Darstellung überhaupt). Neben seinem Job als „Cleaner“, der die Büroleichen entsorgt, ist Ryan auch ein Motivationstrainer, der den Zuhörern seinen Lebensstil verkauft. Wahre Freiheit im Leben hat nur der, der völlig ungebunden ist. Zu Beginn ist Ryan noch ganz auf dieser Welle, und davon überzeugt, dass er es mit seinem Lebensstil geschafft hat. Später jedoch wird er etwas reflexiver, wenn er andeutet, dass man in den denkwürdigsten Momenten seines Lebens meistens nicht alleine war, sondern sie mit irgendjemand geteilt hat. (Everyone needs a Co-Pilot)

 

Und tatsächlich durchzieht dies Up in the Air wie ein roter Faden. Wir begleitet Ryan, heften uns an seine Fersen, und lernen seinen Lebensstil kennen. Und scheinbar kann er sich seine Freiheit nur durch eine große Leere erkaufen. Und diese Leere findet sich auch im Film wieder. Die Atmosphäre hängt gewissermaßen „up in the air“ wenn man so will, und der Film ist von einer gehauchten Melancholie durchzogen, die seltsam ergreifend ist. Wirklich interessant dürfte der Film aber erst sein wenn man einen gewissen Punkt im Leben erreicht hat. Wenn man seinen eigenen Haushalt führt, und das behütete Nest verlassen hat. Erst dann kann man sich wirklich mit Ryan identifizieren, und versteht den Punkt des „verloren sein in der Welt“, kann die emotionale Krise der Hauptfigur wirklich nachvollziehen, und wird emotional vollständig ergriffen.

 

Es ist gewissermaßen auch ein Scheinleben, das Ryan führt, denn je mehr man ihn beobachtet, umso deutlicher wird, dass ein richtiges Ziel in seinem Leben fehlt. Er erachtet seinen Job als wichtig, jedoch verkauft er den Menschen in Wirklichkeit nur Seifenblasen, in dem er ihnen einredet, dass die Entlassung ein Glücksfall für sie ist, und sie ihr Leben nun in neue Bahnen lenken können. Dass dies, speziell in der Zeit der Weltwirtschaftskrise aber nur den wenigsten gelingen dürfte, verschweigt er dezent. Stattdessen hat er sich das „Alibiziel“ gesetzt 10 Millionen Flugmeilen zu sammeln, da dies weniger Leute geschafft haben, als Menschen auf dem Mond waren. Doch was bedeutet dieses Ziel wirklich? Ryan überschreitet eine willkürliche Nummer, und kommt dann tatsächlich in die Situation seiner Träume. Und erkennt schließlich wie sinnlos sein Leben eigentlich ist – er kann seiner eigenen Seifenblase beim Platzen zusehen.

 

Ryan ist natürlich auch ein klassischer Geschäftsmann wie man ihn sich vorstellt. Up in the Air ist somit natürlich auch das Portrait eines Kreuzritter des Kapitalismus, was ihm eine interessante weitere Ebene gibt, aber richtig großartig ist, dass der Film die glänzende Oberfläche, voll mit kleinen Ritualen am Flughafen und im Hotel, hinter sich lässt und dem „Terminator“ die Sehnsucht nach einem anderen Leben mit gibt. Sei es die aufkeimende Liebe zu Alex, oder die späte Rückkehr ins eigene Nest, wenn er wieder auf seine Familie trifft, und bei der Hochzeit seiner Schwester brüderliche Pflichten übernimmt. Reitman versteht es seinem Film Tiefe zu verpassen, und die Figuren gründlichen auszuleuchten.

 

Großartig geschrieben und besetzt sind auch die beiden Frauen an Ryans Seite. Natalie, gespielt von Anne Kendrick, als klassische Uni-Absolventin, die versucht sich zu profilieren, und anschließend an der Realität zerbricht, ist hier gewissermaßen die jugendliche Naivität, die nicht erkennt, dass hinter ihrem Rationalisierungsversuch echte Menschen stehen, und als sie dies doch schmerzhaft lernt, nicht damit umgehen kann. Anne Kendrick spielt zweifellos gut, auch wenn ich das Lob, das sie von der Fachpresse erhalten hat, eher der anderen weiblichen Hauptfigur geben möchte: Denn Vera Farmiga spielt Alex quasi als genaues Gegenstück zu Clooneys Ryan, und die beiden passen perfekt zueinander. Sie hat dabei schlicht das gewisse Etwas, das man nicht erzwingen kann, und ihre Figur erzeugt eine unglaubliche Aura, die schwer zu beschreiben ist.

 

Up in the Air zeichnet sich weiters durch fabelhaft geschriebene Dialoge, und die leichtfüßige Inszenierung von Jason Reitman aus, die uns gleich beim Vorspann sanft aufgreift, und uns schwebend durch den Film führt. Das Eintauchen ist dabei wirklich nicht schwer, da alle Figuren organisch wirken, und sofort ans Herz wachsen. Up in the Air pendelt dabei geschickt zwischen gelungener Unterhaltung und einer tiefgehenden Charakterentwicklung vor tragischem Hintergrund. Natürlich folgt der Film in gewissem Rahmen dennoch den Vorgaben der „romantischen Komödie“ wenn man so will, jedoch zeigt Up in the Air was durch leichte Variationen und stimmiger Inszenierung immer noch möglich ist. Schlichtweg ein spritziger, und gelungener Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

 

Fazit:

Up in the Air ist der bis dato beste Film von Jason Reitman. George Clooney und Vera Farmiga spielen grandios, das Drehbuch ist schlicht umwerfend und die Inszenierung greift uns sanft auf, und führt uns federleicht durch den Film. Up in the Air ist dabei eine gelungene Mischung aus Komödie, Drama und Charakterstudie, und schafft es zu verzaubern. Sicher gibt sich der grundlegende Aufbau des Films altbekannt, aber das ist auch schon das einzige, das man dem Film hier vorwerfen kann. Und Up in the Air kaschiert dies geschickt in dem der bekannte Ansatz kreativ variiert wird. Insgesamt sicher ein Pflichttermin, und ein Film der genau zur richtigen Zeit kommt.

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.4/10 | Kritiken: 6 | Wertungen: 72
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