Sherlock Holmes (2009)

OT: Sherlock Holmes - 128 Minuten - Action
Sherlock Holmes (2009)
Kinostart: 29.01.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 30.04.2014
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Filmkritik zu Sherlock Holmes

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Zwei schweißgebadete Kämpfer stehen sich in einem von brüllenden Menschenmassen umlagerten Boxring gegenüber; der eine groß, muskelbepackt und wutschnaubend, der andere vergleichsweise unscheinbar und gelassen. Die Erzählstimme erläutert Schritt für Schritt das weitere Vorgehen des kleineren Mannes und wie dieser durch gezielte Schläge und gekonnte Ausweichmanöver den in Sekundenbruchteilen stattfindenden Kampf mühelos beenden wird. Diese Person ist niemand anderes als der Meisterdetektiv Sherlock Holmes, die für seine analytisch-rationale Auffassungsgabe bekannte Figur des britischen Schriftstellers Sir Arthur Conan Doyle.

 

Schwer zu glauben, dass es sich bei der erwähnten Szene tatsächlich um eine aus dem wenig einfallsreich betitelten Film Sherlock Holmes handelt – man würde doch eher einen gediegenen, elegant gekleideten, auf logische Kombinatorik anstatt auf Fausthiebe vertrauenden Protagonisten erwarten. Weitergehend betrachtet erscheint die Darstellung dann doch weniger verblüffend: Zum einen ist Regisseur Guy Ritchie nicht gerade dafür bekannt, die Figuren seiner Filme mithilfe größtmöglicher, dramaturgischer Kunstfertigkeit durch handlungsreiche Szenarien zu manövrieren (laut Interview liebt der Filmemacher die Inszenierung von brachialen Kampfhandlungen einfach zu sehr, um auf diese zu verzichten); zum anderen haben sich die Rezeptionsverhältnisse des Publikums naturgemäß im Laufe der Zeit verändert (immerhin hat Doyles Rätsellöser schon mehr als ein Jahrhundert auf dem literarischen Buckel zu verbuchen). Was ist also naheliegender als die Neuinterpretation einer klassischen Romanfigur? Überraschenderweise ist dieses Vorhaben in den Händen von Ritchie keineswegs nur zu einer kinematographisch überladenen, bemüht bedeutungsschwangeren Krimi-Komödie wie dessen unmittelbare Vorgänger RocknRolla und/oder Revolver verkommen, sondern offeriert dem Zuseher eine rasante, zeitgemäße und vor allem actionorientierte Version mit einigen hervorstechenden Schauspielerleistungen, der zurecht als das bisher gelungenste Werk des Regisseurs bezeichnet werden kann.

 

Mit einer turbulenten Eröffnung beginnt die Geschichte von Sherlock Holmes (fulminant in der Titelrolle: Robert Downey Jr.), einem privaten Ermittler und mit überragender Auffassungsgabe ausgestatteten Assistenten der Londoner Behörden, der gerade den dem Okkultismus nahestehenden Lord Blackwood (Mark Strong) wegen mehrfachen Mordes sowie der Ausübung schwarzer Magie gestellt hat. Schon mit der Anfangssequenz wird der Ton für den restlichen Verlauf des Filmes vorgegeben: Akrobatisch und voraussehend überwindet der exzentrische Holmes seine Hindernisse, seien es nun einfache Geländer oder lauernde Verbrecher. Das abgegeben Versprechen des Lords, dass dessen Tod erst den Anfang darstellen und ihn an weiteren Morden nicht hindern werde, bewahrheitet sich jedoch schon bald und so geht Holmes mit seinem treuen, jedoch oftmals widerwilligen Partner Dr. Watson (Jude Law) dem Geheimnis des offensichtlich Wiederauferstandenen auf den Grund. Regisseur Ritchie offeriert dem Publikum zwar nur eine relativ einfache Geschichte rund um den verheerenden Plot eines Superschurken, die mit strikter Regelmäßigkeit durch eine Abfolge von fulminant inszenierten Actionsequenzen angereichert wird.

 

Die Mischung funktioniert aber überraschend gut: nachdem die analytische Vorgehensweise Holmes, die sich zumeist aus einer Auflistung observierter Fakten und geschickter Kombination jener zusammensetzt, die Erzählung vereinnahmt, um diese zugleich voranzutreiben, werden anschließend die oftmals brenzlige Situationen durch Kampfhandlungen aufgelöst. Dabei agieren die Protagonisten Holmes/Watson oftmals als klassisches Buddy-Duo der Marke Lethal Weapon: Zwei Draufgänger, die sich schlagend und schießend in allfällige Abenteuer begeben, während sie zugleich sarkastische Kommentare austauschen. Dank der hervorragenden Performance von Robert Downey Jr., der hier seinen verwirrten, frivolen und zugleich charismatischen Schauspielstil wie schon bei früheren Projekte (etwa als glückloser Kleinganove in Kiss Kiss Bang Bang oder millionenschwerer Playboy in Iron Man) gekonnt preisgeben darf und der ebenfalls bestechenden Leistung von Jude Law ist es ein Vergnügen, dem abwechslungsreichen Treiben auf der Leinwand zu folgen.

 

Die weibliche Hauptrolle der Irene Adler, die in Ritchies Version als Holmes verflossenen Geliebte und zugleich gekonnte Trickbetrügerin dargestellt wird, steht angesichts der engen Beziehung der beiden Hauptcharaktere zueinander klarerweise im Hintergrund (auch wenn Rachel McAdams ihren Part bravourös absolviert), darf aber dank einiger Drehbuchtwists mit zunehmender Spieldauer auch öfters am Geschehen teilnehmen und die Aura des aufkommenden Buddy-Movies als unwiderstehliche Femme fatale durchbrechen.

 

Fazit:

Etikette und zurückhaltendes Auftreten sollte man bei Guy Ritchies Version von Sherlock Holmes nicht erwarten: Robert Downey Jr. spielt den Meisterdetektiv als intellektuellen und frechen Abenteurer, der in bester Indiana Jones-Manier Aufgaben mal mit überragenden Scharfsinn, mal gekonnt mit Faustkämpfen meistert. Ritchie befördert seinen Titelhelden in ein schmutziges, im viktorianischen Zeitalter befindliches London, das dank gut implementierter CGI-Effekte und hervorragendem Set-Design den industriellen Steampunk-Charakter überzeugend vermitteln kann. Auch wenn die Geschichte etwas eindimensional und aufgrund dessen wenig verblüffend präsentiert wird, so bleibt dank dem Wegfallen der unnötig verworrenen Handlungsstränge (die ja mittlerweile zum Markenzeichen des Regisseurs geworden sind) ein sehr gelungener, unterhaltsamer und rasanter Franchise-Start übrig, der auch Verfechter der klassischen Romanvorlage überzeugen dürfte.

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.7/10 | Kritiken: 6 | Wertungen: 118
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Liste von Missdavies
Erstellt: 18.10.2015