Verdammnis (2009)

OT: Flickan Som Lekte Med Elden - 129 Minuten - Thriller
Verdammnis (2009)
Kinostart: 05.02.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Verdammnis

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Die Stieg Larsson Verfilmung Verblendung, Auftakt der Millenium Trilogie, war letztes Kinojahr eine der großen Überraschungen. Die skandinavische Produktion, die in ihrem Heimatland die Kinokassen ordentlich klingeln ließ, überzeugte durch ein großartiges Hauptdarstellergespann, eine fabelhafte Atmosphäre und einen stimmigen Plot, der geschickt zwischen einem Kriminalfall, Mysteryelementen und einem Charakterportrait hin und her wechselte. Umso höher also die Erwartungen an den zweiten Teil der Trilogie, jedoch stellt sich bald schon Ernüchterung ein: Relativ früh wird klar, dass Verdammnis einen völlig anderen Weg geht, und mit dem ersten Teil (inhaltlich und qualitativ) kaum mehr etwas zu tun hat.

 

Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) ist für das Millenium Magazin an einer heißen Story dran: Männer in hohen Positionen vergnügen sich mit jungen Frauen, die verschleppt werden, und zur Prostitution gezwungen werden. Lisbeth Salander (Noomi Rapace) ist ebenfalls in den Fall involviert, jedoch ohne es zu wissen: Ihr ehemaliger Vormund Nils Bjurman, ist in die Machenschaften verwickelt, und wird bald schon tot aufgefunden. Da Salander ihm kürzlich einen Besuch in seiner Wohnung abstattete, um ihm die Regeln ihrer Abmachung noch einmal klar zu machen, sind ihre Fingerabdrücke überall in seiner Wohnung, und auch auf der Tatwaffe, sodass sie die Hauptverdächtige der Polizei ist. Nun ist sie auf der Flucht, während Blomkvist versucht ihre Unschuld zu beweisen. Ausserdem führt der Fall direkt in die Vergangenheit von Lisbeth Salander…

 

Stieg Larssons Millenium Trilogie ist ein weltweites Phänomen. Die drei Bücher haben sich weltweit bereits 21 Millionen Mal verkauft, und ursprünglich waren 10 Bücher für die Reihe vorgesehen, doch durch den unerwartete Tod des Autors wird die Reihe aktuell auf eine Trilogie begrenzt. Zwar wurden auch bereits die Handlungen der Teile vier bis sechs festgelegt, jedoch verhindert momentan ein Familienkonflikt der Erben, die Veröffentlichung. Auf Grund des großen Erfolges der Verfilmung, hat auch Hollywood bereits Interesse an der Trilogie bekundet, und man denkt bereits laut über ein amerikanisches Remake nach.

 

Am zweiten Teil der Trilogie fällt leider bereits zu Beginn auf, dass Niels Arden Oplelv, der den stimmigen ersten Teil, Verblendung, inszenierte, nicht mehr am Regiestuhl platz genommen hat. Stattdessen darf sich Daniel Alfredson an der Inszenierung der Teile zwei und drei versuchen, und scheitert dabei leider großteils am großen Schatten des ersten Teils. Und dies ist auch wohl das größte Manko von Verdammnis. Wo der erste Teil eine großartige, dichte Atmosphäre hatte, hat der zweite Teil nur eine ambitionslose Inszenierung auf TV-Niveau. Regisseur Alfredson hat leider keine Vision, und schon gar kein Gespür für die Story und ihre Figuren.

 

Interessant ist natürlich, dass nachdem in Verblendung klar Michael Blomkvist im Zentrum stand, und man einiges von ihm erfahren hat, sich nun alles um Lisbeth Salander dreht. Der erste Teil deutete ja bereits an, dass ihre Vergangenheit kein Zuckerschlecken war, doch nun erfahren wir detailliert, wie sich alles abgespielt hat, und welche Verzweigungen dabei mit dem aktuellen Fall vorhanden sind. Schade ist jedoch, dass Salander und Blomkvist zwar am selben Fall arbeiten, jedoch kaum Szenen miteinander haben, und somit das Ermittlergespann des ersten Teils nicht wirklich wieder vereint ist. Schlimmer: Blomkvist verkommt teilweise zur Nebenfigur und hat vergleichsweise wenig Screen-time.

 

Auch schafft es Verdammnis nicht eine ähnlich packende Story wie Verblendung zu erzählen. Man versucht hier eine politische Verschwörungsgeschichte zu etablieren, und diese gleichzeitig mit der persönlichen Geschichte von Salander zu verknüpfen. Doch diese Rechnung geht nicht wirklich auf. Es fehlt hier an packender Spannung, wie sie der erste Teil durchaus hatte, und an ermittlerischen Finessen. Dramatisch hinzu kommt auch, dass man es noch nicht einmal wirklich schafft den thematisierten Menschenhandel gut genug zu inszenieren, sodass dieser lediglich als Aufhänger für die rein persönliche Jagd von Lisbeth Salander dient.

 

Richtig einfallslos auch der „Hauptbösewicht“ des Films, und sein dümmlicher Handlanger, der als unzerstörbarer Superman unterwegs ist. Die beiden wirken wie aus einem B-Movie gezerrt, und fügen sich leider überhaupt nicht in das Verschwörungsgeflecht mit ein. Hier hat der Film eindeutig schlechte Schwerpunkte gesetzt, vor allem da er die dramatische, und fesselnde Grundprämisse des Menschenhandels völlig ausklammert. Mit der kompakten und dichten Erzählung seines Vorgängers hat der Film nichts mehr zu tun, aber wer den ersten Teil wirklich gut fand, darf zumindest ein Wiedersehen mit den Figuren feiern, und sich über weite Strecken kurzweilig unterhalten lassen. Wenn auch auf eher durchschnittlichem Niveau.

 

Fazit:

Verdammnis ist gegen über seinem Vorgänger ein spürbarer Abstieg. Die Inszenierung gibt sich beliebig, uninspiriert und fast auf TV-Niveau. Die Story setzt die falschen Schwerpunkte, vernachlässigt den Menschenhandel, und konzentriert sich stattdessen auf die persönliche Vergangenheit von Salander. Auch ist es schade dass Michael Blomkvist zu kurz kommt, und das Ermittlerduo kaum gemeinsame Szenen hat. Das alles hat der erste Teil spürbar besser gemacht. Natürlich bezieht Verdammnis dennoch etwas Reiz aus seinem investigativen Plot und dem Wiedersehen mit den Figuren, aber empfehlenswert bleibt das alles wirklich nur mehr für die ganz treuen Anhänger des ersten Teils.

 

Wertung:

6/10 Punkte

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Liste von marius
Erstellt: 24.08.2014