Speed

OT: -  116 Minuten -  Action
Speed
Kinostart: 20.10.1994
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Speed

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Man kann Jan de Bont zu seinem Regiedebüt im Grunde nur gratulieren. Jahrelang war er in Hollywood einer der gefragtesten Kameramänner. Paul Verhoeven griff für „Flesh & Blood“ und „Basic Instinct“ auf ihn zurück, John McTiernan holt ihn sich für „Die Hard“ und „The Hunt for Red October“ und auch ein Richard Donner engagierte ihn für „Lethal Weapon 3“. Wie nicht zuletzt Joel Schumachers „Flatliners“ bewies, ist der Mann ein visueller Kreativkopf, der sich mit „Speed“ auch endlich trauen sollte seinen eigenen Film zu realisieren. Rückblickend muss man zwar feststellen, dass der Mann hiermit scheinbar schon sein ganzes Talent aufbrauchte, weswegen auf den immerhin finanziell noch gesunden „Twister“ Megaflops wie „Speed 2: Cruise Control“, „The Haunting“ oder „Lara Croft Tomb Raider: The Cradle of Life“ folgten.

Vielleicht lag es auch einfach an dem relativ limitierten Finanzrahmen und an seiner eigenen Begeisterung, dass er in „Speed“ soviel Energie investierte, dass dieser Film zehn Jahre später immer noch genauso funktioniert und gerade wegen fehlender, teurer Effekte so bodenständig und altmodisch ausschaut, ohne zu altern.

„Speed“, der Titel ist hier Programm, denn die Geschwindigkeit gilt es zu halten. Der bombenlegende Erpresser Howard Payne (Dennis Hopper, „Easy Rider“, „Land of the Dead“) hat eines seiner Basteleien unter einem Bus angebracht. Sollte sich die Tachonadel des Busses unter 50 Meilen pro Stunde senken, so explodiert der Sprengsatz. Während er noch die Regeln diktiert und seine Forderungen stellt, mischt sich Officer Jack Traven (Keanu Reeves, „The Matrix“, „Constantine“) mit ein und klettert an Bord um zu helfen. Denn Payne und er haben noch eine alte Rechnung zu begleichen...

Das Drehbuch von Graham Yost („Broken Arrow“, „Hard Rain“) stellt sich zwar keineswegs als Achillesferse heraus, ist allerdings eher schlampiger Natur. Das Tempo von „Speed“ ist wirklich hoch, nur wenn sich Cops nicht mal wundern, dass ein sich selbst in die Luft sprengender Bombenleger keine zerfetzten Leichenteile hinterlässt und Jack Traven zufällig genau weiß, wo er gerade eine Wandplatte abnehmen muss, um den im Fahrstuhl gefangenen Fahrgästen heraus zu helfen, dann überbietet sich das Drehbuch mit Unwahrscheinlichkeiten. Doch in erster Linie soll „Speed“ Fun machen, denn das erklärt Jan de Bont gleich in der ersten Szene, als er sein Entschärfungsduo (klassische Konstellation: der überlegte Lehrer und sein vorlauter Schüler) over the top mit dem Auto durch die Gegend an ihren Arbeitsplatz springen lässt.

Und so nimmt der Film auch ohne Umschweife seinen Lauf. Payne, der nicht lange seinem ersten Erpressungsversuch hinterher trauert, sondern alsbald mit einer fulminanten Busexplosion sich Jacks Aufmerksamkeit verdient, wird von Dennis Hopper schön fies, unsympathisch und skrupellos gegeben und entspricht damit den klassischen Typus eines so gearteten Bösewichts.

Der unaufdringliche Humor ist wohl dosiert und die Prämisse wird, trotz etlicher physikalischer Unmöglichkeiten, die den Bus, so will es das Gesetz des Films, meterweit durch die Luft springen lässt, nicht langweilig. Ganz im Gegenteil, Jan de Bont spitzt die Situation kontinuierlich zu. Ist Jack erst mal an Bord, muss er sich nicht nur mit der Bombe und den diversen Zündern auseinandersetzen, sondern auch mit den nervösen Passagieren, die den Bus laut Payne nicht verlassen dürfen, sowie Ausweichmöglichkeiten für den Bus, denn es muss ein Weg aus dem Berufsverkehr von Los Angeles gefunden werden.

Schnell heftet sich eine kitzelige Szene an die nächste. Die Zeit tickt herunter, immer wieder drohen neue Hindernisse mit einer Beendigung der Fahrt. Verletzte werden evakuiert und Menschen müssen sterben, während die Polizei fieberhaft versucht ein Profil des Täters zu erstellen.

Keanu Reeves gibt den tough guy aus dem Effeff. Auch wenn er kein guter Schauspieler ist, so beherrscht er diese Rollen. Als mutiger, aufmunternder Held, der mit der süßen und hübschen, aber auch hektischen, verängstigten und hysterischen Annie Porter (punktgenau: Sandra Bullock, „Miss Congeniality“, „Crash“) auch gleich seine große Liebe findet, ist der Sunnyboy jedenfalls ideal besetzt.

„Speed“ lebt vor allem von seinen haarigen Actionszenen und der damit verbundenen, nervenzerfetzenden Spannung, weil etliche Vorfälle eine Lösung des Problems erschweren. Der Tank leert sich, Autobahnen sind nicht zu Ende gebaut, Jack lümmelt unter dem Bus herum und Wohnungen explodieren, weil die S.W.A.T.s zu unvorsichtig waren. Die klare Unterteilung in drei bombige Abschnitte stört dabei den Fluss des Films nicht im geringsten, sondern wird von de Bont fasst wie ein klassischer Dreiakter aufgezogen.

Die Entscheidung, den Schwerpunkt des Films in den Bus zu verlegen, war wohl die beste, die man hätte treffen können, denn, weitestgehend von äußeren Einflüssen isoliert, wird der Film in diesem kompakten Mikrokosmos aus Todesangst, Bangen und Anspannung erst so richtig packend. Die Abschweifungen halten sich in Grenzen und sind zum Leidwesen von Jeff Daniels auch eigentlich weniger interessant. Als Zuschauer möchte man doch möglichst fix wieder im Bus mit dabei sein.

Jan de Bonts Regie ist klasse, man kann es nicht anders sagen. Der ein oder andere Goof schleicht sich zwar mal ein, aber man merkt deutlich, dass er Ahnung von dem hat, was er da tut. Mark Mancina, der seinen Score ein Jahr später für „Bad Boys“ noch einmal aufwertete (Da klingt verdächtig viel ähnlich...) unterstützt ihn mit einem spannungsfördernden Score nach Kräften, während Kameramann Andrzej Bartkowiak, der genau wie de Bont inzwischen, wohlgemerkt erfolgreicher, ins Regiefach wechselte, mit halsbrecherischen Aufnahmen rund um den Bus zu begeistern weiß.

Für Sandra Bullock war Annie Porter der Karrieredurchbruch nach Nebenrollen in „The Vanishing“ und „Demolition Man“. Schwer sympathisch, verletzlich und gerade deswegen besonders vom männlichen Publikum so positiv aufgenommen, war es der Startschuss zu einer ordentlichen Karriere voller Höhen und Tiefen. „Speed“ hat sich definitiv an erster Stelle in ihrer Filmografie verankert.

Fazit:
Die ohnehin spannende Situation wird von Jan de Bont mit Fingerspitzengefühl vorangetrieben. Unvorhersehbare Probleme und sekundär auch Storywendungen sorgen für maximalen Kurzweil. Die kompetenten Pyrotechniker machen genauso ihren Job wie die etlichen Stuntmen. In „Speed“ ist wirklich ständig was los und so es hier garantiert nie langweilig. Ob Blechschaden, Explosionen, Bombenentschärfungen oder riskante Rettungsaktionen – „Speed“ hat alles, was ein Actionblockbuster braucht.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 43
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