Be Cool

OT: -  120 Minuten -  Komödie
Be Cool
Kinostart: 31.03.2005
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 15.07.2011
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Filmkritik zu Be Cool

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Als John Travolta dank „Pulp Fiction“ 1994 sein Karrieretief verließ, war seine folgende Hauptrolle in „Get Shorty“ nur eine konsequente Weiterentwicklung. Auch wenn Elmore Leonard nicht an „Pulp Fiction“ beteiligt war, so ist sein Geist dort allgegenwärtig. Das wird spätestens klar, wenn man sich einmal „Get Shorty“ angesehen hat. Quentin Tarantino selbst verfilmte später mit „Jackie Brown“ bekanntlich dann später ebenfalls einen Leonard-Roman. Travolta jedenfalls schien für diese grotesk-amüsanten Gangstermilieus wie geschaffen. Er verkörperte die Coolness, die überzogene Unantastbarkeit und die schier unzerstörbare Dominanz um beiden Filmen seinen Stempel aufzudrücken und sich in Folge, trotz einiger Rückschläge, vor allem dank seiner Zusammenarbeiten mit John Woo wieder in Hollywood zu rehabilitieren.

Zehn Jahre später befindet sich Travolta nun wieder in einer sehr ähnlichen, wenn auch nicht ganz so prekären Situation. Seit seinem ambitionierten Superflop „Battlefield Earth: A Saga of the Year 3000” fehlen ihm die wirklichen Erfolge. Es lag nicht an ihm, dass „Swordfish“ oder besonders „Basic“ die finanziellen Erwartungen nicht erfüllen konnten, doch seinem Ruhm war der mangelnde Erfolg der Filme war seinem Ruf sicher nicht zuträglich. Warum also nicht eine Fortsetzung zu „Get Shorty“?

Zehn Jahre Wartezeit sind eine große Spanne für eine Fortsetzung, da ein Großteil des aktuellen Publikums sich an das Original vermutlich nicht erinnert, also versucht Elmore Leonard einfach nur die Erfolgsformel zu variieren und verfrachtet seinen Ex-Gangster Chili Palmer (Travolta) vom Film- ins Musikbusiness, wo er feststellen muss, dass es hier noch etwas ruppiger zur Sache geht.

Leider sind weder „Analyze That“ – Autor Peter Steinfeld, noch Regisseur F. Gary Gray („The Negotiator“, „The Italian Job“) Experten des Komödienfachs, weswegen sich hier schnell wieder eine Schwäche des Originals einstellt. Man braucht Macher mit dem nötigen Gefühl für Leonards Stoffe, da sie sich sonst nicht auf die Leinwand transferieren lassen. Was mit Barry Sonnenfeld schon im Original nicht so recht klappte, funktioniert hier nun noch weniger.

Es wäre falsch „Be Cool“ deswegen zu verdammen, denn obwohl es ihm an genialem Wortwitz mangelt, so bevölkert doch zumindest ein Maximum skurriler Charaktere, Leonard-typisch, den Film und die gilt es für Chili zu instrumentalisieren, zu manipulieren und gegeneinander auszuspielen, um möglichst maximalen Nutzen daraus zu ziehen und seinem Ziel näher zu kommen.

Chili ist nach seiner erfolgreichen Arbeit als Filmproduzent des Milieus überdrüssig. Wie er mit augenzwinkernden Seitenhieben zu Beginn gleich feststellt, öden ihn die ewig selben Erfolgsrezepte und die Restriktionen der MPAA an. Deswegen denkt er über einen Tapetenwechsel nach. Als bei einem Essen mit dem Musikproduzenten Tommy Athens (James Woods, „Salvador“, „Vampires“) dieser von der Russenmafia abgeknallt wird, sieht Chili seine Chance. Tommys Frau Edie (Uma Thurman, „Pulp Fiction“, „Kill Bill“) muss nun allein das gemeinsame, finanziell angeschlagene Plattenlabel leiten. Was liege da näher, als ihr unter die Arme zu greifen. Dreist und unkompliziert wie Chili nun mal ist, schleppt er die zwar unter Vertrag stehende, aber sehr talentierte Sängerin Linda Moon (Christina Milian) an, um mit ins Geschäft einzusteigen. Doch er hat nicht mit Lindas Boss Nick Carr (Harvey Keitel, „Pulp Fiction“, „From Dusk Till Dawn“), ihrem bescheuerten Manager Raji (Vince Vaughn, „Old School“, „Dodgeball: A True Underdog Story“), dessen Bodyguard Elliot Wilhelm (The Rock, „The Rundown“, „Walking Tall“), der Russenmafia und Sin LaSalle (Cedric the Entertainer, „Barbershop“, „The Honeymooners“), dem Edie noch Geld schuldet, gerechnet. Oder etwa doch?

Zweifellos bietet „Be Cool“ einiges für das Auge und für die Ohren. Musikalisch ist von Evergreens bis aktuellen Chartbeiträgen alles wohlklingend vertreten. Die Optik zeigt sich mal wieder farbenfroh, sowie auf Hochglanz poliert und ständig taucht ein bekanntes Gesicht nach dem anderen auf. Der Cast ist wirklich erlesen und die meisten von ihnen spielen auch überdurchschnittlich. F. Gary Gary bemüht sich sehr um eine leichtfüßige Inszenierung, die flott von der Hand geht.

Bei seinem audiovisuellem Schaffen verliert er nur leider schon relativ früh den Plot aus dem Augen, denn Chilis gewitztes Spiel mit den verschiedenen Parteien zerrinnt ihm zwischen den Fingern. Schnell ist man als Zuschauer nur noch auf den Moment konzentriert, ohne den eigentliche Geschichte noch im Hinterkopf zu behalten.

Zumindest seine grandiosen Momentaufnahmen kann der Film also verteidigen. Trotz auch hier wieder nervigen Product Placements amüsiert das Hybrid-Auto für den luxusverwöhnten Chili. Wenn sich Situationen aus dem Original 1:1 wiederholen und Chili den Ausgang ohnehin schon kennt und trotzdem stöhnend eingreifen muss, um die Lage zu seinem Gunsten zu biegen, feixen zumindest Kenner des Originals. Travolta ist in seinen Szenen souverän wie eh und je, versucht hier aber ausnahmsweise mal nicht den Film ständig a sich zu reißen und lässt so Platz für den Rest.


Grandios und in meinen Augen auch das Beste am Film ist Elliot Wilhelm. The Rock wartet noch immer auf den großen Durchbruch, der ihm demnächst vermutlich auch mit „Doom“ noch nicht gelingen wird, aber er ist so ungeheuer sympathisch und selbstironisch, dass man den Muskelprotz einfach nur knuddeln kann. Das unterscheidet ihn auch positiv von Macho Vin Diesel, der sich für diese Rolle wohl auch zu schade gewesen wäre. Denn dieser Elliot Wilhelm ist ein narzisstischer, schwuler Bodyguard mit Afromatte, dessen kindliches, naives Gemüt davon träumt ein Filmstar zu werden. Wenn man The Rock dann mit einem dicken Grinsen plötzlich in einem rosa Cowboy-Anzug einen Countrysong singen, Monologe vortragen oder in Lendenschurz durch das Bild hüpfen sieht, gibt es zumindest für mich kein Halten mehr. Der Mann hat definitiv Talent und ich wünsche ihm, dass der große Durchbruch möglichst bald erfolgt.

Leider bleibt es bis zum Schluss bei den kurzfristigen Hochs und wenn John Travolta und Uma Thurman eine elegante Tanznummer aufs Parkett legen, fühlt man sich wehmütig an einen hochklassigen Auftritt der beiden erinnert und spürt gleichzeitig sofort, wie es „Be Cool“ doch an Klasse mangelt. Trotz vieler Gastauftritte bekannter Musiker (u.a. Joe Perry), die dank ihrer doppeldeutigen Aussagen über das Musikgeschäft Humor beweisen, und tollen Gesangseinlagen von Sängerin Christina Milian, die immer wieder Zeit für Nebenrollen findet, springt der Funke auf den Zuschauer nie richtig über.

Die Ansammlung skurriler Charaktere gleicht den Werken Tarantinos, aber die Qualität des Wortwitzes erweist sich als unzureichend. An John Travolta, als jede Situation souverän kühl meisternder Chili, liegt es nicht, aber Uma Thurman bleibt beispielsweise nur schmuckes Beiwerk, die Hiphop-Gang um Sin LaSalle ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten und selbst der kaspernde Vince Vaughn oder der unterbeschäftigte Harvey Keitel laufen nicht zu großer Form auf. Mitunter wirkt die Vorgabe „Be Cool“ wie ein Befehl und damit zu erzwungen. Cool sein kann man aber nicht spielen, man verkörpert sie oder erspielt sie sich. „Be Shorty“ entwickelte sich in dieser Hinsicht viel ungezwungener als sein Sequel.

Fazit:
Die Verpackung hat es wirklich in sich: Ein beeindruckendes Staraufgebot tummelt sich in schicken Luxuskulissen zu einem erstklassigen Soundtrack. Doch schnell zu verfliegt dieser Zauber und übrig bleibt eine Komödie, die ganz eindeutig ein paar tolle Momente hat, die vorwiegend von The Rock ausgehen, aber genauso schnell ihren Plot aus den Augen verliert und mit nur hin und wieder witzigem Wortwitz überzeugen kann. Die maximale Ansammlung durchgeknallter Charaktere steht sich irgendwann selber auf den Füßen und ist spätestens dann nicht mehr cool. Da hätte eindeutig jemand ran müssen, der sich mit solchen Stoffen auskennt. Kein völliger Fehlschlag, aber auch nicht das erwartete Witzfeuerwerk.

 

Wertung:

5/10 Punkte

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