Mission: Impossible (1996)

OT: - 110 Minuten - Thriller
Mission: Impossible (1996)
Kinostart: 08.08.1996
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 01.12.2011
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840
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Filmkritik zu Mission: Impossible

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Dieser relativ früher Vorreiter des in den späten Neunziger einsetzenden Hollywood-Trends Serienklassiker zwecks Kinoauswertungen aufzubereiten, war von Anfang an als Cruise-Vehikel konzipiert. Von daher kommt seine Produzentenrolle hier auch nicht von ungefähr. Der Vorlage selbst tat man damit keinen Gefallen und auch ihre Fans fühlten sich vor den Kopf gestoßen, hat doch „Mission: Impossible“ außer einigen Charakternamen, dem Titelthema und seinem Opener nicht mit mehr viel mit dem Original zu tun. Es sollte hier lediglich als lukratives Aushängeschild fungieren.

Ein solider Agententhriller, wenn auch streckenweise zu sehr in schlechter Bond-Manier, ist dennoch draus geworden, was insbesondere Brian De Palma („Carrie“, „Scarface“) zu verdanken ist, der mit seiner bis zum Finale exzellenten Inszenierung das schlingernde Boot auf Kurs hält. Der Einstieg im nebelverhangenen, unübersichtlichen und düsteren Prag zeigt auch auf, welche Klasse sich hier entwickeln hätte können, wenn denn das Drehbuch mitgespielt hätte. Der fehlgeschlagene Einsatz, zig High-Tech-Gimmicks in Verbund mit Masken, einem knapp kalkulierten Plan und das dann folgende Dahinscheiden des gesamten Teams ist ein atmosphärischer, wie spannender Auftakt, der sich von nun an leider zu einer One-Man-Show für Tom Cruise („Top Gun“, „Days of Thunder“) alias Ethan Hunt entwickelt. Der verzweifelte Agent musste mit ansehen, wie sein gesamtes Team ausgelöscht wurde und wird von seinem Vorgesetzten Eugene Kittridge (Henry Czerny, „Clear and Present Danger“, „The Ice Storm“) für den lang gesuchten Maulwurf gehalten. Notgedrungen muss Hunt flüchten und seine Unschuld beweisen, indem er den wahren Verräter enttarnt...

Der Plot selbst ist gar nicht mal so komplex, aber schwach erdacht und geschrieben. Trotz namhafter Autoren wie Spielberg-Schreiber David Koepp („Jurassic Park“, „Spider-Man“), Robert Towne („Tequila Sunrise“, „Mission: Impossible II“) und Steven Zaillian („Schindler's List“, „Gangs of New York“), von denen nun wahrlich niemand ein Amateur ist, hat das Skript Mühe Hunt an sein Ziel zu bringen und legt ihm deshalb schier unmögliches Kombinationsvermögen in den Schoß, während der genreerfahrene Zuschauer schon relativ früh des Rätsels Lösung auf der Spur ist. Die unnötig komplizierte Struktur kostet im weiteren Verlauf dem Film einiges an Nachvollziehbarkeit.

Die Schwächen des Skripts, das insbesondere den Schlusstwist zu aufdringlich ankündigt, kann der Edelsupport um den undurchsichtigen und aggressiven Jean Reno (in seinem ersten bemerkenswerten U.S. – Auftritt), den einmal mehr schwer sympathischen Ving Rhames („Sin“, „Dawn of the Dead“) und den hübschen, französischen Export Emmanuelle Béart („Don Juan“, „8 Frauen“) meist hinwegspielen. Auch wenn Hunt den Großteil der Arbeit allein erledigt, haben sie alle ihre 15 Minuten Ruhm.

Filmgeschichte hat natürlich die inzwischen in etlichen Filmen und Parodien abgefeierte Abseilaktion im Zentralrechner der CIA in Langley geschrieben, die in der Fortsetzung wohl auch deshalb noch einmal weitaus ineffektiver kopiert wurde. Jene kniffelige Angelegenheit in einen Raum einzusteigen und brisante, geheime Daten zu stehlen, die nötig sind, um dem Verräter einen Köder hinzuwerfen und aus seinem Versteck zu locken, ohne einen Laut von sich zu geben oder den Boden zu berühren, ist eine meisterlich inszenierte Sequenz, die lehrbuchartig die Spannung auf die Spitze treibt und genüsslich mit der Erwartungshaltung des Zuschauers spielt, indem sie die kribbelige Mission noch durch äußere Einflüsse (Ratten im Lüftungsschacht und ein wiederkehrender Angestellter) erschwert. Allein die Montagen von De Palmas Stammkameramann Stephen H. Burum (z. B. auch verantwortlich für den minutenlangen Take in „Snake Eyes“), der über, neben und unter Tom Cruise zu schweben scheint, macht diese Situation immer wieder sehenswert.

Nur schade, dass der Plot da nie mithalten kann und der die Lage noch überflüssig verkompliziert, indem er die Informationshändlerin Max mit ins Spiel wirft. Trotz Verrat in den eigenen Reihen und ständiger Gefahr gefasst zu werden, kann sich Ethan Hunt schließlich im TGV, dem Hochgeschwindigkeitszug, die Parteien so zurecht legen, dass Verräter enttarnt und er seinen Namen rein gewaschen hat, um in die nächste Mission anzugehen.

Jenes Finale verläuft dann enttäuschend, weil die Identität des Verräters, dank schwacher Wiedereingliederung bestimmter Charaktere durch das Drehbuch, längst klar ist und die luftigen Stunteinlagen auf dem Zug ihren lächerlichen Höhepunkt im Tunnel finden, wo Cruise es dann mit deinem explodierenden Helikopter in einer mies getricksten und auch völlig unglaubwürdigen Sequenz zu tun bekommt. Die hat dann letztlich auch nichts mehr mit einem Agententhriller zu tun.

Die Actioneinlagen des Films sind, wie es sich für diese Rat von Film auch gehört, nicht sonderlich zahlreich, aber solide umgesetzt und lange Zeit auch frei von mittelprächtigen CGI-Tricks. Insbesondere ein paar legendäre Agenten-Gimmicks faszinieren in der Hand von Ethan Hunt, auch wenn es derer mehr hätte sein dürfen.

Letztlich gab der überragende Erfolg (weltweites Einspiel von über 400 Millionen) Tom Cruise recht, weswegen vier Jahre später eine ähnlich erfolgreiche, aber stilistisch sich in Bombast verliebende Fortsetzung unter der Regie von John Woo nachgeschoben wurde und der dritte Teil momentan gedreht wird. Freunde des klassischen Agentenfilms werden mit dieser Reihe wohl immer weniger anfangen können, doch einen gewissen Unterhaltungsgrad kann man „Mission: Impossible“ dank Brian De Palma wirklich nicht streitig machen. Peter Graves dürfte sich angesichts dieser Filme aber wohl grämen.

Fazit:
Dank Brian De Palmas kompetenter Inszenierung gerade noch so ein guter Agententhriller. Die Highlights können, auch wenn es nur Momente sind, das schwache Skript weitestgehend vergessen machen. Dazu müht sich ein prominenter Supportcast nach Kräften und selbst Tom Cruise agiert solide. Dank technischer Spielereien und etlicher Twist daher eine Empfehlung mit Einschränkungen, denn besonders die erfahrenen und aufmerksamen Zuschauer können hier einfach zu viel vorhersehen.

 

Wertung:

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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013