Bright Star - Meine Liebe. Ewig. (2009)

OT: Bright Star - 119 Minuten - Romantik / Drama
Bright Star - Meine Liebe. Ewig. (2009)
Kinostart: 24.12.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Bright Star - Meine Liebe. Ewig.

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Jane Campion ist nach wie vor eine der wichtigsten weiblichen Filmemacherinnen und mit ihrem nachhaltigen Meisterwerk Das Piano immer noch die erste und einzige Frau, die die Goldenen Palme in Cannes gewinnen konnte. Ihr eilt auch der Ruf als eher feministische Filmemacherin voraus. Nun hat sie sich erneut in einen historischen Stoff verliebt, jedoch schafft sie es geschickt die klassischen Fallstricke des pompösen Kostümdramas zu umschiffen, in dem sie den Fokus primär auf die Charaktere legt. Doch Bright Star hat noch eine andere zentrale Ebene, die leider weitaus ambivalenter ausfällt: Jane Campion versucht nämlich den Zuseher an die Poesie heranzuführen, und dabei leistet sich Bright Star leider einige kleine Patzer.

 

England im Jahre 1818: Die hübsche Schneiderin Fanny (Abbie Cornish) verliebt sich in den jungen, begabten Dichter John Keats (Ben Wishaw). Doch ihre Liebe steht unter keinem guten Stern. Keats ist mittellos und auf seinen Gönner und besten Freund Brown angewiesen, mit dem er auch gemeinsam an seinen Gedichten arbeitet. So ist auch Fanny's Mutter nicht gerade von der Romanze begeistert. Ausserdem muss sich Keats auch noch um seinen schwerkranken Bruder kümmern. Doch Fanny gibt nicht auf, und nimmt sogar Unterricht bei Keats, damit sie lernt die Poesie zu verstehen. Und schlussendlich kommen sich die beiden immer näher, doch leider steht ihre Liebe weiterhin unter einem schlechten Stern...

 

Jane Campion wollte offensichtlich kein konventionelles Biopic rund um den bekannten Dichter John Keats drehen, also hat sie den einfachen, aber durchaus effektiven, Trick angewandt und seine Lebensgeschichte einfach aus dem Blickwinkel seiner großen Liebe Fanny Brawne erzählt. Dieser Kunstgriff behebt auch das große Problem, dass die meisten Zuseher wohl eher wenig Erfahrung mit Poesie im Allgemeinen und Keats' Gedichten im Speziellen mitbringen. Doch unter gegebenen Vorraussetzungen führt Campion ihr Publikum durch die Augen von Fanny an die Thematik heran und lässt es langsam in die Welt der Poesie hinabgleiten. An sich ist dies auch durchaus eine gute Möglichkeit, jedoch schafft es Campion nicht ihre Filmsprache mit der Poesie in Einklang zu bringen.

 

So serviert sie uns prächtige, farbenfrohe Landschaftsaufnahmen, unter anderen von einer wogenden Blumenwiese, lässt den Blick förmlich schweifen, und legt darüber die Gedichte von John Keats. Man kann in diesen Szenen förmlich spüren, dass sie sich scheinbar in die Thematik verliebt hat und großen Gefallen an den Werken ihrer männlichen Hauptfigur gefunden hat, jedoch versteht sie es leider nicht diese zutiefst literarischen Werke in eine adäquate filmische Form zu bringen. So beschränkt sie sich in ihrer Umsetzung auch wirklich nur auf das bloße Rezitieren. Wer mit den Werken von Keats bereits vertraut ist, der mag daran tatsächlich Freude haben, wer jedoch ohne Vorwissen in den Film geht, dem wird die Poesie leider kaum schmackhaft gemacht.

 

Deutlich positiver gestaltet sich die romantische Ebene des Films. Campion versteht es geschickt die allzu kitschigen Momente der klassischen historischen Romantik zu vermeiden, erreicht aber mit ihren schwelgerischen und träumerischen Bildern eine ganz eigenen Form von leichtem Kitsch, der jedoch als solcher nicht stört, sondern eher dazu dient um uns näher an die Beziehung von Keats und Fanny heranzuführen. Und obwohl die meisten Romanzen dies nicht schaffen, wahrscheinlich weil sie es zu bemüht mit aller Gewalt versuchen, bindet uns Bright Star wirklich mit ein und lässt uns mitfühlen. Dabei wird der Film völlig aus der Perspektive von Fanny erzählt, und zeigt uns somit vor allem ihre Emotionen, sodass Keats selbst, ausser in ihren gemeinsamen Szenen, weitgehend mysteriös und undurchschaubar bleibt, was dem Film jedoch eher hilft als schadet. Besonders deutlich wird dies während ihrer getrennten Zeit, in der sie sich nur mit Briefen kontaktieren, und der Zuseher die gesamte Handlung nur aus der Sicht von Fanny erlebt.

 

Auch kommt es dem Film sehr zu gute, dass er die wehenden Fahnen großteils zuhause lässt, und stattdessen in eher ruhigeren Tönen von einer zarten Romanze erzählt, die nur wenig vom klassischen, überzuckerten Kitschkino Marke Hollywood in sich trägt. Natürlich hat auch Bright Star seine süßlichen Momente, doch diese wirken deutlich geerdeter und eher an eine reale Romanze erinnernd, als man es ansonsten kennt. Eine weitere tragende Rolle spielt die Natur, die in Bright Star fast schon tragende Elemente besitzt. Vor allem aber ist es die Natur, die vorwiegend als optischer Glanzpunkt innerhalb der Mise-en-scéne zum Einsatz kommt, und einen visuellen Rahmen um die Protagonisten legt. Unterlegt mit den vorgetragenen Gedichten von Keats mag dies für manche sicher an der Grenze zum Kitsch balancieren, aber Campion versteht es insgesamt sehr gut den richtigen Ton zu wahren, sodass Bright Star auch nie aus dem Ruder läuft.

 

Als großer Glücksgriff erweist sich die Besetzung des Films. Den Kern bildet dabei die sympathische Performance von Abbie Cornish, die es ausgezeichnet schafft das Innenleben ihrer Figur auf die Leinwand zu bringen. Um sie herum schwirrt Ben Wishaw, der mit seinem traumwandlerischen Auftreten und seinem pulsierenden Wechseln aus On-Screen Verzauberung und Off-Screen Präsenz, zwar den Aufhänger der Geschichte bietet, aber großteils als Einflussfaktor auf die eigentliche Hauptdarstellerin Abbie Cornish dient. Die beiden harmonieren prächtig miteinander und schaffen es zu berühren. Leider schafft es Bright Star dennoch nicht vollends zu überzeugen, was großteils daran liegt, dass sich der Film nie zu einem eigenständigen Kunstwerk entwickelt, sondern seinen Kunstfaktor großteils durch Rezitieren von Keats’ Gedichten gewinnen will. Und diese Rechnung geht, trotz zahlreichen gelungenen Einzelmomenten, leider nicht vollends auf.

 

Fazit:

Bright Star ist Jane Campions Ansatz das Leben von John Keats zu verfilmen, ohne ein klassisches Biopic abzuliefern. Der Clou dabei ist, dass sie die Geschichte aus der Sicht von Keats’ Geliebten erzählt, und uns so gleichzeitig in die Welt der Poesie führt. Dabei profitiert Bright Star von ausbalancierten emotionalen Momenten und zwei formidablen Hauptdarstellern, die sehr gut miteinander harmonieren. Das Problem dabei ist nur, dass der Film vorwiegend in den Worten von Keats schwelgt und somit eher starr dessen Werke rezitiert, ohne selbst wirklich Großes zu leisten. Bright Star ist auf Grund seiner ausgewählten Bildkomposition und den stimmigen gefühlvollen Momenten zwar dennoch sehenswert, aber an Campions’ großes Werk Das Piano reicht es nicht heran.

 

Wertung:

7/10 Punkte

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