28 Weeks Later

OT: -  99 Minuten -  Horror
28 Weeks Later
Kinostart: 31.08.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu 28 Weeks Later

Von am

Im Jahr 2003 ließ Danny Boyle das Zombiegenre mit seinem grandiosem 28 Days Later wieder auferstehen. Und das obwohl er genaugenommen gar keinen Zombiefilm drehte. Zombies sind traditionsgemäß von den Toten auferstanden, aber in 28 Days Later wurde lediglich ein Virus mit dem Namen Rage verbreitet, der die Betroffenen zu sehr zombieähnlichen Wesen macht. Dies ermöglichte es, einen Film zu drehen, der nicht an die Stereotype normaler Zombiefilme gebunden ist. So können die vom Virus Befallenen zum Beispiel sehr schnell laufen, was ja im Zombiegenre nicht üblich ist.

In der Fortsetzung 28 Weeks Later, welche die Katastrophe aus 28 Days Later weiter spinnt, wird gezeigt, wie versucht wird, das Land wieder aufzubauen. Ich persönlich muss sagen, dass ich ein sehr großer Fan des Originals bin, doch als ich hörte, dass eine Fortsetzung kommt, hatte ich gemischte Gefühle. Zwar interessierte es mich auf der einen Seite schon, wie sich die Geschichte weiterentwickelt, aber auf der anderen Seite war ich skeptisch, da man für die Fortsetzung nicht Danny Boyle, sondern das relativ unbeschriebene Blatt Juan Carlos Fresnadillo  auf den Regiestuhl setzte. Auch wollte man nicht die Figuren aus Teil eins weiter betrachten, sondern komplett neue Charaktere einführen. Deshalb schlich sich bereits im Vorfeld ein gewisser Zweifel für mich ein und leider muss ich sagen, dass sich dieser Zweifel als berechtigt erwiesen hat.

Während der Virus ausgebrochen ist, hat sich Don (Robert Carlyle) mit seiner Frau Alice (Catherine McCormack) gemeinsam mit einem Nachbarn im Haus eines alten Ehepaars versteckt. Doch auch diese Zuflucht wird überrannt und Don lässt seine Frau zurück, um sein eigenes Leben zu retten. 28 Wochen später sind die Infizierten längst verhungert und die US Army hat London besetzt. England wurde als virusfrei deklariert, und unter der Bewachung der Army beginnt langsam der Wiederaufbau der Stadt, und die ersten Geflohenen kehren wieder zurück.

Don hat in der Zwischenzeit einen leitenden Posten beim Wiederaufbau eingenommen und auch seine Kinder Andy (Mackintosh Muggleton) und Tammy (Imogen Poots) kommen zurück nach England. Als diese sich aus dem Sperrbereich des Militärs rausschleichen und die Stadt erkunden, entdecken sie durch Zufall in ihrem alten Haus ihre totgeglaubte Mutter. Sie ist keineswegs tot, und obwohl sie gebissen wurde, zeigt sie keine Symptome einer Infizierung. Als sie vom Militär untersucht wird, stellt man fest, dass sie den Virus in sich trägt, aber immun dagegen zu sein scheint. Doch man darf nichts riskieren und will die Frau töten. Bevor man dies allerdings schafft, hat sie bereits ihren Mann infiziert, und dieser macht sich daran, den Virus wieder in Umlauf zu bringen...

Es war gerade diese besondere, knisternde Atmosphäre, die für die atemberaubende Stimmung im ersten Teil verantwortlich war. Die Bilder von Cillian Murphy, der vom stimmigen Score begleitet durch das menschenleere London zieht, haben noch immer nichts von ihrer Faszination verloren. Doch genau diese melancholische Endzeitstimmung fehlt in 28 Weeks Later leider völlig. Zwar gelingt es auch in diesem Film, einen gelungenen Einstieg zu schaffen, aber gegen den fulminanten Beginn von 28 Days Later, als Cillian Murphy aus dem Koma erwachte und keine Ahnung hatte, was geschehen war, kommt man nicht an.

Wie gesagt ist der Einstieg allerdings trotzdem ganz gut gelungen: Die Szenen, als Don seine Frau zurücklässt und dann, vom genialen Score unterlegt, über eine Wiese von den Infizierten flieht, haben etwas Starkes an sich. Auch die folgenen Szenen, wenn man das Militär Wache stehen sieht und London noch immer eine Geisterstadt zu sein scheint, haben einen gewissen Flair. Die postapokalyptische Stimmung wird zwar gut wiedergegeben, aber wenn man sich dazu den genialen ersten Teil in Erinnerung ruft, muss man sich leider eingestehen, dass 28 Weeks Later doch deutlich schwächer ist.

Doch während der erste Abschnitt zumindest noch in Ansätzen an die Genialität des Vorgängers erinnert, geht die zweite Hälfte völlig unter. Hatten in 28 Days Later die Angriffe der Infizierten noch eine besondere ausweglose Stimmung transportiert, kommt Spannung oder Horror hier nur sehr selten auf. Wirklich erschrocken bin ich nur an wenigen Stellen, unter anderem während einer überraschenden Traumsequenz von Andy, in der sich seine Mutter das Gesicht herunter reißt. Durch die allgemeine Anwesenheit des US Militärs hat man nicht das Gefühl, dass die Lage wirklich am Eskalieren ist. Zwar wird den Einheiten dann Code Red befohlen, was bedeutet, dass man alle Lebewesen töten soll, aber auch hier kommt nicht wirklich Spannung auf. Eigentlich ist das Militär der Hauptgegner der Protagonisten und nicht die Infizierten. Merkwürdig.

Um zumindest dem visuellen Stil des Vorgängers gerecht zu werden, hat man wieder mit DV gedreht, aber den rauen Indie-Look von Danny Boyle erreicht man trotzdem nicht. Zwar sieht der Film deutlich teurer aus, aber die rustikale Optik machte gerade das Flair des ersten Teils aus. Gegen den Score kann man allerdings gar nichts sagen. Dieser ist immer noch absolut herausragend und rettet einige Szenen vor dem Untergang. Leider hat man sich für 28 Weeks Later dazu entschieden, die Endzeitstimmung in den Hintergrund zu rücken und stattdessen mehr auf Action zu setzen. Was zum Beispiel die Szene soll, als ein Heer von Infizierten in bester Braindead-Manier mit einem Hubschrauberrotor zerhäckselt wird, ist mir ein Rätsel.

Ein weiteres großes Problem sind die Charaktere des Films, mit denen man nie wirklich mitfiebert. Hatte in 28 Days Later das Gespann um Cillian Murphy immer die Sympathien klar auf seiner Seite, so ergeben sich im Nachfolger gerade in diesem essentiellen Punkt Schwächen. Um die Wahrheit zu sagen, werden die Charaktere ziemlich schwach gezeichnet, und ihr Schicksal ist dem Zuseher, um es hart auszudrücken, vollkommen egal. 28 Weeks Later ist sicher kein schlechter Film. Dazu ist das Ganze dann doch zu unterhaltsam, aber im Vergleich zum wirklich meisterhaften Vorgänger ist der Film eine ziemliche Enttäuschung.

Fazit:
28 Weeks Later kann in keiner Sekunde eine ähnlich geniale Endzeitstimmung aufkommen lassen wie sein Vorgänger. Der Schwerpunkt wurde von einer dichten Atmosphäre weg auf viel Action gelegt. Die Charaktere sind dabei ziemlich vergessen worden, und so kommt es, dass dem Zuseher ihr Schicksal reichlich egal ist. 6 Punkte gibt es dennoch, da 28 Weeks Later einige gute Szenen hat und ziemlich unterhaltsam ist. Vom genialen Vorgänger ist er allerdings meilenweit entfernt.

Wertung:
6/10 Punkte

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Ø Wertung: 6.7/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 23
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Liste von KinoKatz
Erstellt: 18.09.2016