Wo die wilden Kerle wohnen (Where The Wild Things Are) (2009)

OT: Where The Wild Things Are - 101 Minuten - Fantasy / Familienfilm
Wo die wilden Kerle wohnen (Where The Wild Things Are) (2009)
Kinostart: 18.12.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Wo die wilden Kerle wohnen (Where The Wild Things Are)

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Was kommt heraus, wenn sich ein eigenwilliger Independent Filmer wie Spike Jonze, dessen Oeuvre eher sehr spezielle Filme wie Being John Malkovich oder Adaption umfasst, an einer populären Kinderbuchverfilmung versucht? Wo die wilden Kerle wohnen liefert die Antwort, und basiert auf dem gleichnamigen, äußerst beliebten Kinderbuch von Maurice Sendak. Das Besondere an dieser Adaption ist, dass die Vorlage hier eine äußerst kurze ist. Genauer gesagt besteht das Buch vorwiegend aus Zeichnungen und ist nur mit wenigen Sätzen ausstaffiert. Für Spike Jonze und seinen Autor Dave Eggers (Away We Go) ergibt sich so die Möglichkeit die Vorlage weiterzuspinnen und mit eigenen Ideen auf Spielfilmlänge zu bringen.

 

Max (Max Records) durchlebt gerade eine schwierige Phase seiner Kindheit. Sein Vater hat die Familie verlassen, seine Mutter (Catherine Keener) ist sehr beschäftigt, und versucht irgendwie ihr Berfusleben, ihr Familienleben und ein mögliches intimes Privatleben unter einen Hut zu bekommen und seine Schwester Claire (Pepita Emmerichs) hat auch andere Interessen als ihren Bruder. Als seine Mutter ihren neuen Freund (Mark Ruffalo) mitbringt, rastet Max endgültig aus, und läuft davon. Er setzt sich in ein kleines Segelboot und beginnt damit aufs Meer hinaus zu fahren. Bis er schließlich eine Insel erreicht. Dort leben die „wilden Kerle“, die Max zu ihrem König machen, und mit denen er seine wilde Seite ausleben kann…

 

Es ist schon ein ganz besonderer Film, der hier als angeblicher „Kinderfilm“ erscheint. Wie man sich bei Regisseur Spike Jonze bereits denken konnte, ordnet er sich nämlich in keiner Sekunde den bekannten Mustern des traditionellen Familienfilms unter, sondern erschafft seine eigene Vision die, trotz kleineren Macken, äußerst interessant und bemerkenswert ist. Statt einer knalligen Optik gibt es fast schon poetische Bilder, die eher an einen Independentfilm, als an eine Big Budget Produktion denken lassen, statt einer einfach servierten Moral, gibt es eine verschlüsselte und komplexe Botschaft, die es zu entschlüsseln gilt, statt Feel-Good-Atmosphäre gibt es ein düster-melancholisches Ambiente, wie man es in diesem Genre selten findet. Ja, Wo die wilden Kerle wohnen ist anders, als die anderen Film seiner Zunft, und von einer fast schon bemerkenswerten Vision seines Regisseurs getragen.

 

In Wo die wilden Kerle wohnen ist nichts so wie es scheint. Obwohl der Film die Insel der wilden Kerle als realen Ort einführt, in dem man Max mit seinem Boot dorthin fahren lässt, liegt der Verdacht natürlich auf der Hand, dass es sich um eine minutiös konstruierte Traumwelt handelt, in der Max mit den Monstern in sich selbst konfrontiert wird. Und so hat auch jede einzelne Figur, die hier in Erscheinung tritt (die „wilden Kerle“ werden übrigens hochkarätig von großartigen Schauspielern wie James Gandolfini, Paul Dano, Forest Whitaker und Chris Cooper gesprochen) eine gewisse Funktion zu erfüllen, und repräsentiert eine Facette im Charakter von Max. Wo die wilden Kerle wohnen bietet somit für einen Familienfilm ungeahnte Tiefe, und Interpretationsraum, wobei natürlich fragwürdig ist, inwiefern dieser Interpretationsraum auch von Kindern ausgereizt wird, sodass Wo die wilden Kerle wohnen schon fast eher für ältere Generationen geeignet ist.

 

Hoch interessant ist auch die Stimmung und Atmosphäre des Films, die selbst in den ausgelassenen Momenten, wenn Max gemeinsam mit den wilden Kerlen herumtobt, noch eine gewaltige Prise Melancholie in sich trägt. Die wilden Kerle selbst wahren sich auch stets eine gewisse Distanz, denn obwohl man sich mit ihnen in gewissem Rahmen anfreundet, bleiben sie doch irgendwie fremd, und man kann auch nicht leugnen, dass stets eine gewissen Bedrohung von ihnen ausgeht, und man den Eindruck hat, als könnte sich das Idyll in jeder Sekunde auflösen. Schlussendlich ist Wo die wilden Kerle wohnen auch vor allem eine Parabel über das Erwachsenwerden, aber auch über die Einsicht, dass man als Kind den wilden Kerl in sich auch einmal zähmen muss, und wie die Ereignisse zeigen auch eine Mutter benötigt, die unterstützend in die Entwicklung eingreift.

 

Wo die wilden Kerle wohnen ist aber auch nicht ohne Schwächen. So löblich der eher unkonventionelle Ansatz von Spike Jonze auch ist, so fragwürdig ist schließlich auch in wiefern der Film eine jugendliche Zielgruppe ansprechen kann. Denn die Atmosphäre ist schon fast sperrig, die Bilder eher kühl und vor allem mit einer nicht zu leugnenden Einsamkeit ausstaffiert. So kann man sich im Film auch nie wirklich wohl fühlen. Natürlich passt dies gut ins Konzept, jedoch fällt es schwer für Kinder Wo die wilden Kerle wohnen als kurzweiligen Abenteuerfilm zu sehen (wohl auch weil sich im Mittelteil einige Längen und Wiederholungen eingeschlichen haben), da man fast genötigt ist ihn zu entziffern, da es ansonsten auch schwer ist den Film wirklich zu genießen. Und wie gesagt, ist fragwürdig ob dies den Kindern auch gelingt. Für Erwachsene hingegen ist Wo die wilden Kerle wohnen ein sehr sehenswerter Film, der auf äußerst imponierende Weise die Regeln des Genres einreisst und seinen eigenen Weg geht.

 

Fazit:

Spike Jonze ist mit Wo die wilden Kerle wohnen erneut ein großartiger Film gelungen, der noch bemerkenswerter ist, wenn man sich vor Augen führt wie seicht die meisten anderen Familienfilme (teilweise abgesehen vom Animationsfilm) eigentlich sind. Die Atmosphäre ist kühl und melancholisch, so richtig wohl fühlt man sich auch in den spaßigen Szenen nicht, und mit der ständigen Aura der Bedrohung ausgestattet etabliert der Film auch ein einzigartiges Feeling. Auch auf inhaltlicher Ebene bieten sich viele Ansatzpunkte, sodass Wo die wilden Kerle wohnen zumindest für Erwachsene sehr empfehlenswert ist. Mit seiner Doppeldeutigkeit und seiner eher verschlüsselten Botschaft ist jedoch fragwürdig ob die jüngeren Zuseher auch wirklich alles so verstehen und genießen können. Auch haben sich im Mittelteil Längen und Redundanzen eingeschlichen, die den Fluss leider etwas bremsen. Doch ansonsten ist Wo die wilden Kerle wohnen sehr imponierend, und in jeder Hinsicht sehr sehenswert.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 4 | Wertungen: 14
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