Meine Mutter

OT: -  110 Minuten -  Drama
Meine Mutter
Kinostart: 20.07.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Meine Mutter

Von am

Christophe Honoré geht mit seinem (nicht mehr ganz) aktuellen Film Meine Mutter einen Weg der mir nur allzu vertraut vorkommt. Es deutet alles darauf hin, dass man sich Michael Hanekes Die Klavierspielerin als Vorbild nahm: Zum Einen wählte man ein sexuelles Grundthema, das so einiges mit einem gestörten Verhältnis zur Mutter zu tun hat. Zum Anderen wählte man auch die Hauptdarstellerin, Isabelle Huppert, aus besagtem Film, da man ja bereits weiß wie gut sie eine gestörte Sexualität zum Ausdruck bringen kann. Zwar geht der Film natürlich einen etwas anderen Weg als Die Klavierspielerin, aber das Vorbild ist klar ersichtlich. Schade nur dass Christophe Honoré von Michael Hanekes Verständnis des Medium Films weit entfernt ist. Von seinem Intellekt ganz zu schweigen.

 

Pierre (Louis Garrel) ist bei seinen Großeltern aufgewachsen und das Verhältnis zu seinen Eltern, besonders zum Vater, ist deshalb nicht besonders rosig. Dennoch nimmt er ihr Angebot an, etwas bei ihnen in ihrem Strandhaus, auf einer Insel in Spanien, zu wohnen. Sein Vater muss geschäftlich nach Frankreich und stirbt bei einem Autounfall. Sowohl Mutter (Isabelle Huppert), als auch Sohn scheint das überhaupt nicht zu belasten. Stattdessen weiht die Mutter den Sohn in ein Geheimnis ein: Sie ist eine Hure und zieht jede Nacht gemeinsam mit ihrer Freundin Réa (Joana Preiss) um die Häuser. Sie beschließt ihren sexuell unerfahrenen Sohn unter ihre Fittiche zu nehmen und zeigt ihm so manche perverse Spiele...

 

Meine Mutter ist bereits im Jahr 2004 in die französischen Kinos gekommen. Wir Österreicher mussten uns nun lange gedulden, aber am 15. Juni 2007 ist es dann auch für uns so weit. Basierend auf dem Skandalroman von Georges Bataille erzählt uns Meine Mutter eine äusserst gewöhnungsbedürftige Geschichte rund um einen Ödipuskomplex. Dass dabei nicht alles wirklich glatt gelaufen ist können sie bereits der Wedrtung entnehmen. Im Endeffekt ist Meine Mutter nämlich nur ein äusserst simpler Skandalfilm, der nichts anderes will als dass die Zuseher schockiert über ihn sind. Denn genau das würde sich sehr schnell herumsprechen und dem Film zu einem Erfolg verhelfen. Doch dieses Interesse wäre für diesen "Möchtegernfilm" eindeutig zu viel des Guten.

 

Das wohl größte Problem des Films sind seine unglaubwürdigen Charaktere. Was gerade ein große Stärke von Die Klavierspielerin war, ist hier noch weit schlechter als unterdurchschnittlich. Man glaubt in keiner Sekunde die Wandlungen die Pierre hier durchmacht und kann nie verstehen warum die ganzen sexuellen Eskapaden gerade geschehen. Ein schweigsamer aber normal wirkender Jugendlicher kommt zurück zu seinen Eltern. Sein Vater stirbt und plötzlich will er nur mehr mit seiner Mutter ins Bett. Auch wird im Bruchteil einer Sekunde aus dem sexuell Unerfahrenen ein perverser Draufgänger.

 

Doch dies ist bei Gott nicht der einzige Schwachpunkt den der Film hat. Spannungsbogen ist quasi keiner vorhanden und Meine Mutter scheitert sowohl auf inhaltlicher, als auch auf formaler Ebene. Wirklich tragisch ist allerdings dass es ausser dem Ödipuskomplex keinen roten Faden durch den Film gibt. Als Zuseher fühlt man sich von Beginn an verloren und die einzelnen Szenen lassen sich nur schwer in einen größeren Kontext bringen. Eigentlich hat man immer das Gefühl dass die Filmemacher nur möglichst viele perverse Sexspiele und entblößte Genitalien zeigen wollen.

 

Auch auf der reinen technischen Ebene kann Meine Mutter bei weitem nicht überzeugen. Die Kamera wirkt an vielen Stellen fast schon dilletantisch geführt und es wirkt als wäre ein unvorbereiteter Amateurfilmer gerade dabei seinen ersten Film zu drehen. Auch das Pacing wirkt sehr holprig. Zu Beginn des Films findet Meine Mutter einfach keinen Rythmus, sondern springt in unregelmäßigen Sprüngen zwischen verschiedenen Einstellungen hin und her. Im weiteren Verlauf bessert sich dies. Es ist allerdings auch möglich dass man sich als Zuseher nur an diese Fehler gewöhnt. Vielleicht sind diese technischen Patzer sogar gewollt um dem Film einen eigenen Touch zu geben, allerdings soll dies keien Rechtfertigung sein. Gewollt oder nicht, es funktioniert einfach nicht.

 

Besonders leit tut mir dieser Reinfall für die Darsteller, die wirklich alles geben und auch die sicher sehr schwer zu spielenden Sexeinlagen bravorös meistern. An manchen Stellen wirken die Schauspieler zwar schon fast lächerlich, aber dies ist in meinen Augen nicht auf ihre Kappe zu schreiben, sondern liegt ganz einfach an der sehr schwachen Inszenierung von Christophe Honoré, der es nicht versteht seine Darsteller auch würdig in Szene zu setzen.

 

Meine Mutter bekommt von mir drei Punkt für einige gute Ansätze. Doch bei dem was schließlich dabei heraus gekommen ist, sind wohl auch diese Punkte noch zu viel. Viel zu viele unfreiwillig komisch Szenen reihen sich hier aneinander und wenn etwas nicht komisch ist, dann ist es eine bewusst skandalträchtig inszenierte Sexszene, natürlich gespickt mit expliziten Details. Als Zuseher fühlt man sich im Film verloren und hofft nur auf ein schnelles Ende. Dies kommt keinenfalls dadurch dass der Film so schockierend wäre, wie er es vielleich auch gerne sein würde, sondern nur dadurch da es ein unausgegorenes, langweiliges Stück Zelluloid ist, das gerne viel mehr wäre. Vielleicht kommt der Film im französischen Original besser rüber, da die deutsche Synchro eigentlich ein schlechter Scherz ist. Die Dialoge wirken teilweise zusammenhangslos und albern und auch die Emotionen kommen nicht wirklich gut rüber. Eine herbe Enttäuschung.

 

Fazit:

Meine Mutter ist ein Skandalfilm, der seine Intentionen nicht lang verbergen kann: Er will nur schocken und somit durch Mund-zu-Mund Propaganda die Leute ins Kino locken. Dabei wurde leider vergessen dass man mit der Geschichte ohne roten Faden den Zuseher völlig im Stich lässt und vieles einfach unfreiwillig komisch wirkt. Filmisch scheint sich Meine Mutter nur auf explizites Zeigen der Genitalien zu beschränken und der Film versucht durch seine perversen Spiele zu schockieren. Dies gelingt aber keineswegs, da Meine Mutter sowohl inhaltlich, als auch formal eine herbe Enttäuschung ist. Hände weg davon!

 

Wertung:

3/10 Punkte

Filmering.at
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