In meinem Himmel (The Lovely Bones) (2009)

OT: The Lovely Bones - 135 Minuten - Drama
In meinem Himmel (The Lovely Bones) (2009)
Kinostart: 19.02.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 05.05.2011
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Filmkritik zu In meinem Himmel (The Lovely Bones)

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Die junge Susie Salmon (Saoirse Ronan) wächst in einer heilen Kleinstadtidylle auf, als älteste Tochter in der wohl glücklichsten und herzhaftesten Familie seit dem Brady Bunch. Doch diese heile Welt wird jäh zerstört, als sie von dem unscheinbaren, „netten“ Nachbarn George Harvey (Stanley Tucci) ermordet wird. Was sich normalerweise wie das Ende eines Films anhört oder wie der Beginn eines Thrillers, bietet in In meinem Himmel den Vorwand zu einer Geschichte der etwas anderen Art. Denn von nun an beobachtet Susie das Leben ihrer Familie und auch das ihres Mörders vom Himmel aus. Von dort aus muss sie nun abwägen, was ihr wichtiger ist, dass ihre Familie über den Verlust hinweg kommt oder Rache an ihrem Mörder.

 

Doch was sich eigentlich nach einem vielversprechenden und erfrischend originellen Film anhört, verkommt in den falschen Händen zu einem unübersichtlichen, rein auf visuelles Spektakel reduziertes Durcheinander. Scheinbar hat Peter Jackson nach dem Höhenflug mit Der Herr der Ringe auch die Fähigkeit gute Filme zu machen eingebüßt. Seine mangelnde Qualität als Drehbuchautor konnte er in früheren Filmen zumindest durch sein Talent als Regisseur wieder ausgleichen, doch bei In meinem Himmel scheitert er leider kläglich. Von Anfang an weiß der Film nicht, welche Richtung er einschlagen soll und versucht zu viele Genres auf einmal zu bedienen, ohne sich je für eines endgültig zu entscheiden, wodurch In meinem Himmel gleich vom Start weg als überaus konfus und inkonsequent daher kommt. Dies erschwert es, sich gebührend auf die sich entfaltende Geschichte einzustellen.

 

Die Einführung, in der man das beinahe grotesk kitschige Familienglück kennen lernt, gestaltet sich zusehends langatmig und ist bereits mit der ein oder anderen komplett unnötigen Szene ausgestattet. Dies führt dazu, dass Susies Tod und den Schmerz den das in ihrer Familie auslöst zwar gekonnt kontrastiert wird, aber leider auf zu langwierige Art und Weise vorbereitet ist. Deshalb präsentiert sich dieses erschreckende Erlebnis als erstaunlich kühl und emotionslos, was beim Zuschauer ein gewisses Maß an Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Figuren erweckt. Der Hauptteil des Films wird vor allem von der dämonischen Performance von Stanley Tucci getragen, der es auf eindringliche Weise schafft dem „normalen“ Nachbar eine pervers monströse Aura zu verleihen. Dabei ist es gerade die Normalität und Alltäglichkeit seiner Figur, die ihm seine Glaubwürdigkeit schenkt.

 

Der Rest der Besetzung wird leidlich vernachlässigt und muss sich dem planlosen Gesamtkonzept des Films ergeben. Genau so wenig wie der Zuschauer nie weiß in welchem Film er sitzt, wissen auch die Schauspieler (mit Ausnahme von Stanley Tucci) nie in welchem Genre sie sich nun bewegen. Gerade der starke Mittelteil der Geschichte, in der zum einen gezeigt wird wie die Familie mit dem schweren Schicksal umgeht, zum anderen wie es ihrer ermordeten Tochter im Himmel ergeht und sie beobachtet, verläuft sich letzten Endes ins Nichts. Und genau so entlässt einem der Film am Ende aus dem Kino. Man weiß einfach nicht, warum man In meinem Himmel angesehen hat, denn der Film ist nicht imstande irgendetwas zu bieten, außer der Frage: „Na und? Wozu das Ganze?“

 

Alles was man geboten bekommt, sind hübsch gefilmte Aufnahmen, teure Spezialeffekte, die eine (trotz zahlreicher surrealer Bilder) erstaunlich unoriginelle Darstellung des Himmels anbieten, und einem perfiden Stanley Tucci, der es sogar fast im Alleingang schafft den Film zumindest sehenswert zu machen, aber eben nur fast. Peter Jackson ist mit dem Ursprungsmaterial hoffnungslos überfordert und hat keinen Plan was er mit In meinem Himmel eigentlich anfangen soll. Denn selbst der reine Unterhaltungsfaktor bleibt bei derart zahlreichen Genrewechseln auf der Strecke zurück.

 

Besonders ärgerlich ist dabei auch die Sinnlosigkeit mancher Nebenhandlungen und Nebenfiguren. Handlungsstränge und Figuren werden manchmal willkürlich etabliert nur um im restlichen Verlauf des Films höchstens nebenbei angeschnitten zu werden oder um überhaupt erst am Ende wieder erzwungen aufgelöst zu werden. Es wird offensichtlich, dass sich Peter Jackson mit seinen Spezialeffekten und seiner visuellen Vorstellung vom Himmel aus der Affäre ziehen will, um darüber hinweg zu täuschen, dass er die Entwicklung seiner Figuren und der Handlung schändlich vernachlässigt hat. Viel schlimmer noch, wirkt es so als hätte er keinerlei Gespür und Gefühl für die Dramatik und Thematik der gesamten Geschichte, und wenn schon der Filmemacher selbst scheinbar unfähig ist sich mit den Charakteren auseinander zusetzen und zu identifizieren, wie kann er es dann von seinem Publikum verlangen? In meinem Himmel bleibt somit nichts weiter als ein inhaltsleerer Film, der mehr Wert auf seine visuellen Effekte setzt, statt auf das eigentliche Herz der Geschichte.

 

Fazit:

In meinem Himmel beginnt vielversprechend, verkommt aber schnell zu einem rein optischen Machwerk, das keinerlei Liebe zu seiner Geschichte und deren Figuren beinhaltet. Peter Jackson setzt sein Augenmerk fast ausschließlich auf die Effekte. Zudem bedient sich der Film unzähliger Genres, ohne sich je für eines zu entscheiden, Nebenfiguren und –handlungen werden eingeführt und ebenso schnell fallengelassen und bereits während der Einführung des Films stellt sich eine Langatmigkeit ein, die den gesamten Film hinweg anhält. Wem aber surreale, hübsch gefilmte Aufnahmen und ein erschreckender Stanley Tucci genügen, der kann sich In meinem Himmel ohne weiteres ansehen. Aber im Endeffekt ist der Film nur eine glänzende Oberfläche, die eine leere, sinnlose Hülle zu kaschieren versucht.

 

Wertung:

4/10 Punkte

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Ø Wertung: 6.4/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 10
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