American History X (1998)

OT: American History X - 114 Minuten - Drama
American History X (1998)
Kinostart: 25.02.1999
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 19.08.2011
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Filmkritik zu American History X

Von am

1998 war ein ausgesprochen starkes Kinojahr mit mehr als nur guten Beiträgen. Filme wie Der Schmale Grat, Der Soldat James Ryan, Das Leben ist schön oder Shakespeare in Love (gewann unter anderem auch den Oscar in der Kategorie Bester Film) waren allesamt sehr gute Filme, jeder auf seine Art. Ein Beitrag ging jedoch in diesem ganzen Geschehen ein wenig unter. American History X. Und das völlig zu Unrecht. So wurde der von Tony Kaye inszenierte Film vom amerikanischen Publikum kaum wahrgenommen. Seltsam, setzt sich der Film doch mit einem der größten Probleme (natürlich nicht nur in den U.S.A) der Vereinigten Staaten auseinander: Rassismus.

 

Derek Vinyard ist ein führendes Mitglied der Neonazi-Szene in Venice Beach. Eines Nachts kommt Dereks kleiner Bruder Danny in sein Schlafzimmer und teilt ihm aufgebracht mit, dass drei bewaffnete Afroamerikaner sein Auto klauen wollen. Daraufhin erschießt Derek einen der Afroamerikaner und bringt den andern brutal durch einen Genickbruch um. Der dritte Einbrecher kann entkommen. Die Polizei trifft kurz danach ein und nimmt Vinyard fest. Wegen einer Falschaussage seines Bruders Danny wird Derek nicht wegen Mordes angeklagt, sondern bekommt wegen Totschlags eine dreieinhalbjährige Haftstrafe. Nach drei Jahren kommt Vinyard auf Bewährung frei. Er zeigt sich durch seinen Gefängnisaufenthalt geläutert und ist fest entschlossen, ein neues Leben fernab von Rassismus und Gewalt zu beginnen. Verzweifelt versucht er deshalb seinen Bruder, der inzwischen selbst in die Neonazi-Szene abgerutscht ist, aus dieser Umgebung loszureißen.

 

Woher kann solch ein Hass kommen, der dazu führt, dass ein Mensch einen anderen Menschen wegen seiner Hautfarbe umbringt? Wie kann es sein, dass ein Mensch einen anderen Menschen verachtet, nur weil er anders aussieht? Warum sind Ausdrücke wie "Nigger", "Bohnenfresser", "Kanacke" oder "weißer Wichser" allgegenwärtig? Das sind Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Klar ist, dass schon immer Völker über andere Völker herrschen wollten. Klar ist auch, dass der Ursprung der heutigen Rassenkonflikte zwischen weißen und farbigen Menschen, speziell in Nordamerika, wohl irgendwo am Anfang des 17. Jahrhunderts zu finden ist. Bis zum amerikanschen Bürgerkrieg, der von 1861 bis 1865 andauerte, wurden seit den 1620igern Jahren immer mehr Sklaven aus Afrika nach Amerika verschifft. Selbst nachdem die Sklaverei offiziel abgeschaftt worden war und 1896 sogar das Gesetzt separate but equal  verabschiedet wurde, durch das Farbige mit Weißen gleichgestellt werden sollten, sah die Realität natürlich deutlich anders aus. Afroamerikaner wurden weiterhin benachteiligt, unterdrückt, waren Menschen zweiter Klasse, wenn überhaupt. Und das ist im Amerika (und in vielen anderen Ländern) des 21.Jahrhunderts, wenn vielleicht nicht mehr so extrem, leider immer noch so.

 

Der Film American History X versucht auf all diese Fragen keine Antworten zu finden. Und das kann er auch nicht. Dazu ist die Geschichte, der Ursprung des Rassimus viel zu komplex. Was der Film aber versucht ist, dass er den Zuschauer dazu veranlassen möchte, sich eigenständig mit der Thematik auseinander zu setzten. Der Rezipient muss das Gesehene auf der Leinwand bzw. dem Bildschirm aufnehmen, reflektieren und schlussendlich die Message des Films verstehen. Da liegt meiner Meinung nach aber auch das Problem. Der Film ist so angelegt, dass er schnell falsch verstanden werden kann. Falsch verstanden werden kann von den Leuten, die die Aussage des Films nicht richtig verstehen wollen, oder können. Leute, die Derek Vinyard anfänglich wegen seines Fanatismus und seiner Morde vergöttern. Später jedoch, nachdem Derek einen Entwicklungsprozess durchlaufen hat (bzw. immer noch am durchlaufen ist), verachten sie ihn. Und nach dem tragischen Ende des Films ist ihr Hass nur noch mehr geschürt...

 

American History X ist einer jener Filme, die dich emotional dermaßen packen, dass man, nach dem man den Film gesehen hat, noch lange darüber nachdenken muss und ihn so schnell nicht aus den Kopf bekommt. Dass das so ist, liegt eindeutig an der eindringlichen Leistung von Edward Norton. Er kann in jeder Phase des Film überzeugen und seine schauspielerische Ambivalenz unter Beweiß stellen. Besonders bleibt die Szene in Erinnerung, in der die Polizei eintrifft und Vinyard festnimmt. In dieser Szene arbeitet Tony Kaye mit der Slow- Motion-Technik (diese Technik wird mehrmals im Film verwendet), die es Norton ermöglicht, sein Mienenspiel einzubringen. Und was Norton da einbringt, ist schlichtweg genial und lässt einem kalte Schauer über den Rücken laufen. Sowieso gehört Edward Norton zu den Besten Schauspielern überhaupt. Mit Filmen wie Zwielicht (1996), American History X (1998)  und dem Kultstreifen Figth Club (1999) hat er in den neunzigern Jahren wohl auch insgesamt die größte Dichte an schauspielerischen Glanzleistungen vorzuweißen. Das er jedoch kein einziges Mal einen Oscar bekommen hat, ist schon mehr als unverständlich. Aber nicht nur Edwar Norton kann überzeugen, auch der US-amerikanische Schauspieler Edward Furlong überzeugt auf ganzer Linie. Er spielt Derkes Bruder Danny glaubhaft und zeigt ihn als einen reflektierenden, aber zugleich von seiner Umgebung geprägten und beeinflussten jungen Menschen.

 

Auch formal weist der Film ein große Stärke auf. Die Idee, die Rückblenden in Schwarz-Weiß zu halten ist simpel und genial zugleich. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart wird geschickt hin und her gesprungen, ohne irgend einen Bruch in der Handlung zu verursachen oder etwas an Spannung einzubüßen.

 

Fazit:

Wer ein starkes, aufrüttelndes Drama mit einem noch stärkeren Haupstdarsteller sehen möchte, ist bei American History X an der richtigen Adresse. Dieser Film hat es verdient, gesehen und verstanden zu werden. Leidenschaft mag die Bande unserer Zuneigung anspannen, aber zerreißen darf sie sie nicht.

 

Wertung:

10/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.1/10 | Kritiken: 4 | Wertungen: 137
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