Precious - Das Leben ist kostbar (2009)

OT: Precious - 110 Minuten - Drama
Precious - Das Leben ist kostbar (2009)
Kinostart: Unbekannt
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Filmkritik zu Precious - Das Leben ist kostbar

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Das Black Cinema ist wieder da! Damit ist nicht das Blaxploitation Kino der 70er Jahre gemeint, sonder eher ein gesellschaftspolitischer Film, vergleichbar mit dem frühen Spike Lee. In Precious vereint sich die afroamerikanische Bewegung in seltsamer Einigkeit vor und hinter der Kamera. Precious beinhaltet dabei durchaus auch Starnamen wie Oprah Winfrey, Mariah Carey, Lenny Kravitz oder Mo’Nique, jedoch stellt der Film diese Starfiguren nicht zur Schau, sondern integriert sie (mit Ausnahme von Oprah Winfrey) unaufdringlich in ein Sozialdrama, das den Starglamour gar nicht verarbeiten will. Precious gilt dabei bereits jetzt als heißer Kandidat für so manche Oscarnominierung und es würde auch nicht verwundern, wenn der Film die ein oder andere Statue mit nach Hause nimmt.

 

Clareece „Precious“ Jones (Gabourey Sidibe) ist unter ihrer gewalttätigen Mutter Mary (Mo’Nique) in Harlem aufgewachsen, und wurde regelmäßig von ihrem Vater vergewaltigt. Sie hat bereits eine mongoloide Tochter von ihm ausgetragen, und ist bereits zum zweiten Mal von ihm schwanger. Wegen ihrer Schwangerschaft wird sie auch von der Schule geschmissen, findet jedoch Zuflucht bei einem alternativen Unterricht, wo sie von Ms. Rain (Paula Patton) unterrichtet wird. Gleichzeitig findet sie bei der Sozialarbeiterin Mrs. Weiss (Mariah Carey) Zuflucht, die versucht Precious aus ihrer prekären Situation zu befreien…

 

Precious wurde beim Sundance Filmfestival 2009 uraufgeführt, und konnte dort sowohl den Großen Preis der Jury, den Publikumspreis, als auch einen Special Jury Preis für Mo’Nique gewinnen. Von Sundance aus begann der Siegeszug des Films, über das Filmfestival von Cannes, San Sebastian, New York, und viele weitere bis zum Toronto Filmfestival, wo der Film ebenfalls den Publikumspreis gewann, eben jenen Preis, der auch den Grundstein für den Oscarlauf von Slumdog Millionär im letzten Jahr legte. Precious erwies sich dabei bei seinen Vorführungen nicht nur als Kritiker-, sondern auch als Publikumsliebling, und gilt wie erwähnt als ein heißer Oscaranwärter.

 

Precious ist ein klassisches Sozialdrama, jedoch keines von der spröden Sorte, sondern ein gefühllastiges, das auch ein größeres Publikum ansprechen kann. In diesem Fall ist dies jedoch nicht unbedingt schlecht, da der Film keine negativen Anpassungen an den Mainstream macht, sondern einfach seine Geschichte erzählt, ohne künstlich in den Kitsch abzudriften. Wie bereits eingangs erwähnt ist Precious dabei vor allem ein Film, der von Afroamerikanern gemacht wurde, und von Millieuproblemen berichtet. Doch obwohl der Film so gut wie keine Weissen beinhaltet, heißt dies nicht, dass Precious nicht für ein weisses Publikum geeignet wäre.

 

Die zu Grunde liegende Geschichte erweist sich übrigens als sehr tragisch, was besonders im abschließenden Monolog von Mo’Nique klar wird, die noch einmal die Taten an ihre Tochter vorträgt, und sie eindringlich ins Gedächtnis des Publikums brennt. Abgesehen von den sexuellen Übergriffen ihres Vaters, ist besonders interessant, wie sich die Gefühle der Mutter entwickelt haben. Denn nach den Vergewaltigungen war sie nicht etwa auf ihren Liebhaber sauer, sondern auf ihre Tochter, die ihr so angeblich den Mann weggenommen hat. Natürlich soll dies keine Rechtfertigung sein, aber es ist dennoch eine zutiefst ehrliche Begründung eines Mutter-Tochterkonflikts, der damit das klassische gut-böse Schema zumindest erklärt.

 

Precious schafft es dabei vorbildlich sein Millieu zu etablieren. Der Film taucht tief in die Atmosphäre von Harlem ein, und lässt uns an sogenannten Randgruppenproblemen der Unterschicht teilhaben. Dabei entwirft der Film durch Dialekte und raue Darstellungen ein sehr bedrückendes Bild, besonders gut gelungen ist aber die Skizzierung von Precious als übergewichtige und introvertierte Aussenseiterin, die ihren Problemen so gar nichts entgegen zu setzen hat, und in den Szenen förmlich das Gewicht der gesamten Welt mit sich herumträgt. Dies Ausweglosigkeit wird durch zwei helfende Frauenfiguren aufgeweicht, die einen Hauch von Hoffnung repräsentieren und somit das dunkle Setting des Films für kurze Zeit erhellen.

 

Zwei Szenen gibt es dabei die sich besonders ins Gedächtnis brennen, und die beim Reflektieren des Films immer wieder in der Erinnerung auftauchen. Eine dieser beiden Szenen ist die, von der Spannung her, wohl stärkste des Films: Wenn Precious mit ihrem Neugeborenen die Treppen hinunter läuft, um endgültig von ihrer Mutter zu fliehen, dabei mit dem Baby im Arm stolpert und beginnt zu fallen, während ihre Mutter am oberen Absatz der Treppe wutentbrannt den von Precious zerstörten Fernseher in den Händen hält, und nach unten auf ihre gefallene Tochter wirf, dann erzeugt dies eine körperlich fast schon zermürbende Anspannung, die man nicht so schnell vergisst. Die andere große Szene des Films ist das Ende, mit dem eindringlichen Monolog von Mo’Nique, der nur durch eine Erzählung eine ungewöhnliche Kraft erreicht.

 

Precious ist natürlich auch ein starker Schauspielerfilm, der es versteht die Starpower einiger Darsteller (die dem Film nur geschadet hätte) aufzuweichen und zu kaschieren, und stattdessen starke Performances aus den Schauspielern zu entlocken. Die wahrscheinlich imposanteste Vorstellung des Films liefert dabei, die bereits beim Sundance Filmfestival prämierte Mo’Nique, die eine ungemein hassenswerte Vorstellung als Precious’ Mutter abliefert, die man in dieser Form sicher nicht erwartet hätte. Sie erdrückt die Leinwand förmlich mit ihrem Spiel, und schafft es geschickt die Emotionen des Zusehers zu lenken, und am Ende mit ihrem Monolog auch noch den Film pointiert ausklingen zu lassen.

 

Das Einzige was man an Precious wirklich bemängeln muss ist, dass es der Film nicht schafft seine Kraft und Faszination durchgehend zu halten. Gegen Ende hin zeigt die Kurve stark nach oben, und man versteht warum Precious ein Kritiker- und Publikumsliebling ist. Doch zu Beginn und im Mittelteil schleichen sich auch so manche Durchhänger ein, die leider einen ganz großen Film verhindern. Natürlich bleibt Precious dennoch ein sehr guter, qualitativ sehr hochwertiger Film, der seinen Status als Oscarkandidat zu Recht trägt. Mit einem Besuch kann man eigentlich kaum etwas falsch machen, sodass Precious auch nachdrücklich allen Filmfans empfohlen ist.

 

Fazit:

Die Vorschusslorbeeren die Precious auf zahlreichen Festivals erhalten hat, und die den Film bereits jetzt als Oscarkandidaten gelten lassen, erweisen sich als berechtigt. Gut, der Film reißt keine Grenzen ein, und erlaubt sich in den ersten beiden Dritteln einige kleinere Durchhänger, jedoch spielt er im letzten Drittel seine Trümpfe perfekt aus. Der Film ist dabei ein klassisches Sozialdrama, jedoch ohne spröde zu wirken. Stattdessen verbindet Precious wohl viele Zuseher, was auch seinen Status als Publikums- und Kritikerliebling erklärt. Insgesamt ist Precious also, trotz kleineren Schwächen, ein sehr sehenswerter Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 15
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Liste von purence
Erstellt: 25.11.2016