Zweiohrküken (2009)

OT: Zweiohrküken - 124 Minuten - Komödie
Zweiohrküken (2009)
Kinostart: 04.12.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Zweiohrküken

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Im Jahr 2007 ist Til Schweiger mit seiner, unter Eigenregie verwirklichten, romantischen Komödie Keinohrhasen ein Überraschungshit gelungen, der beim Publikum einschlug, aber auch bei den Kritikern durchaus wohlwollend aufgenommen wurde. Insofern konnte man also schon einmal skeptisch sein, als man für den Nachfolger Zweiohrküken beschloss keine Pressevorführungen anzusetzen, was ja leider nie ein gutes Zeichen ist. Und leider ist auch Zweiohrküken in diesem Punkt keine Ausnahme. Denn vom Charme des ersten Teils ist leider kaum etwas übrig geblieben, und auch an der hohen Gagdichte kann sich der Nachfolger nicht messen. Stattdessen gibt es einige gelungene, viele misslungene Gags und eine kitschige Story, die selten den richtigen Ton trifft.

 

Ludo (Til Schweiger) und Anna (Nora Tschirner) haben die erste Phase ihrer Beziehung hinter sich, sind mittlerweile zusammengezogen, und nun herrscht vor allem Alltag. Ludo will seine Ruhe, versäumt es aber Anna zur Hand zu gehen, worauf diese natürlich alles andere als begeistert ist. Noch schlimmer wird es allerdings als Ludos Ex-Freundin Marie (Edita Malovcic) auftaucht, und die beiden Nummern austauschen. Anna vermutet, dass Ludo sie betrügt und liest seine SMS, was diesem wiederum missfällt. Doch gerade als sich alles wieder halbwegs beruhigt taucht Ralf (Ken Duken) auf, ein Ex-Freund von Anna, und dringt in Ludos Revier ein, was naturgemäß für gewaltige Spannungen sorgt...

 

Man musste es ja bereits befürchten, nachdem der erste Teaser-Trailer eigentlich nur eine billige Kopie des Teasers zum ersten Teil war, und das Hauptplakat zum Film das selbe Motiv wie der erste Teil trägt: Zweiohrküken ist nur eine müde, unkreative Kopie des ersten Teils, und kann leider keine eigene Akzente setzen. Das beginnt bereits bei der Eröffnungssequenz (wir erinnern uns: Keinohrhasen eröffnete mit einer großartigen Sequenz, in der Jürgen Vogel mit blonden, langen Haaren und gemachten Zähnen die beiden Reporter Ludo und Moritz verarschte), die nur äußerst schleppend versucht den unterhaltsamen Auftakt des ersten Teils zu überbieten. Doch Ludos feuchter Traum, hat leider keinerlei Charme, und verpufft in seiner Wirkung restlos. Doch dafür gewährt dieser Traum schon einmal einen Einblick in die Probleme des Films: Alles ist etwas derber, lahmer und uninspirierter als beim Vorgänger.

 

Das betrifft leider auch den eigentlich unterhaltsamen Matthias Schweighöfer, der Ludos Kumpel Moritz spielt, und eigentlich völlig unabhängig von der Geschichte des Films agiert. Für ihn wurde quasi eine eigene Subhandlung geschaffen (zu vergleichen mit Scrat in den Ice Age Filmen), die nur den Zweck hat einige Lacher abzustauben. Das Tragische dabei ist, dass diese Szenen auch tatsächlich die unterhaltsamsten des Films sind. Die Haupthandlung hingegen braucht etwas Zeit um überhaupt zumindest irgendetwas interessantes aufzubauen. Dass die Chemie zwischen Schweiger und Tschirner stimmt, hat ja bereits Keinohrhasen bewiesen, doch unter den ständigen Beziehungsproblemen leiden beide Figuren leider erheblich und beginnen etwas zu nerven.

 

Mit dem Auftauchen von Ken Duken kommt zumindest etwas Schwung in die Geschichte, was vor allem dadurch erreicht wird, dass sich Til Schweiger erneut in der Rolle des Alpha-Tieres präsentieren darf, und wie wir im Verlauf seiner Karriere gelernt haben, ist dies die Rolle die ihm am besten steht. Und tatsächlich kommen hier wieder Erinnerungen an den Ludo des ersten Teils auf, und zumindest in einigen Szenen sitzen die Gags wieder besser (man denke nur an die Penisneidszene) und der Film gibt sich zumindest etwas kurzweiliger und spritziger. Die Qualität des Vorgängers wird zwar weiterhin nicht erreicht (und zwar noch nicht einmal annährend), aber der Film hat zumindest seinen eigenständigen Aufhänger gefunden um sich zu entwickeln.

 

Doch das reicht leider nicht um den Film zu retten. Insgesamt gesehen ist Zweiohrküken einfach zu brüchig, und der Film zeigt erneut, dass man Charme nicht erzwingen kann. Denn obwohl man sich sichtlich Mühe gibt die Stärken des ersten Teils zu kopieren, baut der Film nie die Wärme und den natürlichen Unterhaltungsfluss des ersten Teils auf, und plätschert stattdessen in seichten Gaggewässern vor sich hin. Manchmal ist Zweiohrküken durchaus komisch und kurzweilig, aber das kitschige und rührseelige Ende, in dem sich der Film völlig in deplatzierten und bremsenden Weinerlichkeiten auflöst, gibt dem Ganzen den Rest. Da hilft es auch nichts wenn zwischendurch so mancher Gag, wie z.B. das großartige Kasperltheater, aufgeht. Denn man denkt immer wieder wehmütig an die tollen Momente des ersten Teils (man denke nur an Jürgen Vogel, den koksenden Kinderclown, Til Schweiger, Nora Tschirner und Matthias Schweighöfer in Bestform, usw.), und dagegen verblasst Zweiohrküken leider völlig. Schade, eine vergabene Chance, denn es wäre wohl für alle, ausser für die Geldbörse der Produzenten, besser gewesen, wenn man es beim charmanten Keinohrhasen belassen hätte.

 

Fazit:

Zweiohrküken ist leider insgesamt eine sehr enttäuschende Fortsetzung, die es in keiner Sekunde mit dem Charme und der Gewitztheit des ersten Teils aufnehmen kann. Die platten Lebensweisheiten von Ludo haben hier genau so wenig Berechtigung, wie die, zwar unterhaltsamen, aber eigentlich völlig sinnlosen, Auftritte von Matthias Schweighöfer, die völlig abseits der Haupthandlung stattfinden. Aber auch die Haupthandlung selbst nervt leider großteils, da die Chemie zwischen Schweiger und Tschirner weitgehend auf der Strecke bleibt, und das weinerliche Finale im Vergleich zum durchgehend charmanten Erstling, einfach nur enttäuschend ist. Natürlich gibt es einige nette Gags, wie zum Beispiel das Kasperltheater, in dem Ludo und Anna ihre Gefühle ausdrücken können, aber diese Szenen können den Film leider nicht retten. Aber die Filmemacher dürften sich schon bewusst gewesen sein, dass das Ergebnis nicht an den ersten Teil herankommt. Denn es zeugt nicht gerade von Vertrauen in den eigenen Film, wenn man kurzerhand beschließt keine Pressevorführungen anzusetzen. Und etwas anderes als Angst vor schlechten Kritiken kann kaum der Grund dafür sein. Denn sogar James Cameron konnte seinen Avatar vorab der Presse zeigen, und hier war der Zeitplan sicher noch enger.

 

Wertung:

4/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 4.6/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 25
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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013