Mary und Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet? (2009)

OT: Mary and Max - 92 Minuten - Animation
Mary und Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet? (2009)
Drehbuch:
Kinostart: 27.08.2010
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Mary und Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?

Von am
"He smelt like licorice and old books, she thought to herself, as tears rolled from her eyes, the color of muddy puddles."

 

2003 gewann der australische Regisseur Adam Elliot mit seinem tragischkomischen Kurzfilm Harvie Krumpet den Oscar für den besten Kurz-Animationsfilm. Dieser Erfolg eröffnete ihm die Möglichkeit seinen ersten Langfilm zu realisieren. Dabei blieb er seinem Stop-Motion Stil treu, legte dem Film aber die zutiefst persönliche Geschichte zwischen Elliot und seinem autistischen Brieffreund zu Grunde, mit dem ihm seit 20 Jahren eine tiefe Freundschaft verbindet. Herausgekommen ist nicht weniger als der beste Animationsfilm des Jahres.

 

Mary ist acht Jahre alt und lebt in Australien. In der Schule ist sie ein Aussenseiter und wird wegen eines Muttermals auf ihrer Stirn gehänselt. Ihre Mutter ist alkoholabhängig und ihr Vater hat auch keine Zeit für sie, also sehnt sie sich nach einem Freund. Zufällig wählt sie jemanden aus einem New Yorker Telefonbuch aus, und schreibt ihm einen Brief. Der Empfänger ist Max, ein alleine lebender Autist, der mit den Tücken des Lebens zu kämpfen hat. Die beiden entwickeln eine tiefe Brieffreundschaft, und tauschen sich über ihre Lebenserfahrungen aus…

 

Die letzten Jahre konnte man immer schon damit rechnen, dass die qualitativ hochwertigsten Animationsfilme des Jahres aus dem Hause Pixar kommen, und die Oscarübergabe am Ende des Jahres nur mehr Formsache ist. Ratatouille und Wall-E wurden gar als Kandidaten für den Oscar als Bester Film gehandelt. Dieses Jahr hat sich das Blatt jedoch gewendet: Nicht nur, dass Pixar mit Oben nicht ganz so hoch hinaus geschossen ist wie die Jahre davor, vor allem aber stehen mit Coraline und Mary and Max zwei Konkurrenten im Stop-Motion Stil parat, die Oben in Sachen Kreativität und Qualität in die Schranken weisen.

 

Doch was ist es was Elliot’s Mary and Max so besonders macht? Was macht er, was andere versäumen? Ein ganz besonderer Aspekt ist schon einmal die Optik, die einen wohltuenden Kontrast zu den allgegenwärtigen Computeranimationen setzt. Denn wo diese nur damit beschäftigt sind neue Maßstäbe zu setzen, verlässt sich Mary and Max einfach auf seine schlichte, aber durchdachte Optik und kann sich in punktuellen Details verlieren, die dem Film eine besondere Note geben und auf raffinierte Weise den Blick des Zusehers lenken.

 

So zum Beispiel die Farbgebung, die in Australien vorwiegend in Brauntönen gehalten ist, in New York jedoch vor allem auf Schwarz- und Grautöne setzt. Punktuell wird diese Farbpalette jedoch immer wieder aufgebrochen um Akzente zu setzen. Auch wenn ein Geschenk des jeweils anderen ankommt bleibt man dem Konzept der Farben treu und lässt sie in der Welt Einzug halten. Natürlich ist ein solcher Stop-Motion Animationsstil in diesem Detailgrad ausgesprochen aufwändig, und so ist es auch kein Wunder, dass die Arbeiten an Mary and Max fünf Jahre gedauert haben.

 

Doch diese Gestaltungsebene (die übrigens auch durch eine sehr dynamische Kameraführung punktet) ist nur ein Aspekt. Was Mary and Max nämlich wirklich so großartig macht ist, dass es der Film unglaublich gut versteht ernste Themen anzuschneiden, aber dabei stets unterhaltsam und komisch bleibt, ohne sich jedoch über die Figuren lustig zu machen. Drama und Komödie wohnen sehr dicht zusammen in Elliot’s Welt und gehen eine wirkungsvolle Symbiose ein, die einen großen Einfluss auf die Wirkung des Films hat. In gewisser Weise ist Mary and Max dabei eine sehr gelungene Weiterführung von Elliot’s Kurzfilm Harvie Krumpet, bei dem die Übergänge zwischen Drama und Komödie ja auch sehr fließend waren. Und genau wie Harvie Krumpet ist auch Mary and Max ein Plädoyer dafür, dass jeder sein Leben auf seine eigene Weise leben muss, und seine ganz perönlichen Widerstände überwinden muss. Besonders interessiert Elliot dabei das Leben beeinträchtigter Personen, die noch viel mehr Schranken auf dem Weg zum Glück überwinden müssen.

 

Mary and Max spricht ernste Themen wie Autismus, Alkoholsucht und Außenseitertum an. Nun fallen die meisten Filme, die sich um diese Themen drehen, sehr stark in eine depressive Richtung ab. Mary and Max hingegen erzählt seine Geschichte heiter, jedoch immer mit einem Schuss Melancholie versehen, und schafft es so gleichzeitig zu unterhalten und zu berühren. Die Magie des Films wächst dabei vor allem durch den einzigartigen Stil von Adam Elliot, der es wie kaum ein anderer versteht eine ernste Geschichte mit ungemein viel Humor und Fingerspitzengefühl zu erzählen. Es fällt schwer zu erklären, was man auch die Kraft des Kinos nennt, aber die Filme von Elliot versprühen diese ominöse Kraft zweifellos.

 

Mand darf jedoch nicht den Fehler machen Elliot vorzuwerfen, er würde sich über das Schicksal seiner Figuren lustig machen. Denn dies ist ganz und gar nicht so, konnte jedoch bereits bei Harvie Krumpet fehlinterpretiert werden. Denn Elliot bezieht durchaus einige Gags aus den Problemen und Krankheiten seiner Figuren, er nützt diese jedoch nicht auf hinterhältige Weise aus, sondern geht einen komischen Dialog ein. Er zeigt uns Probleme von Autisten und die Tragik von Alkoholikern mit einem Augenzwinkern, und mit Respekt vor der Person. Er ist aber diesbezüglich kein pessimistischer Filmemacher, sondern hält vor sich immer die lodernde Fackel der Hoffnung, und des Lebenswillens, der schlussendlich (fast) immer triumphiert. Dies macht seine Filme so universell und inspirierend, ohne dass sie einen verlogenen oder kitschigen Beigeschmack hätten.

 

Der Film versprüht dabei in jeder Sekunde unglaublich viel Kreativität und schafft es zu verzaubern. Dies liegt vielleicht auch daran, dass Adam Elliot ein begnadeter Geschichtenerzähler ist, der in seinen bisherigen Werken immer Biographien erzählte die sich plastisch, und trotz ihren Eigenheiten, irgendwie glaubwürdig und richtig anfühlen. Besonders großartig ist auch die Synchronarbeit von Philip Seymour Hoffman, der in der Originalversion Max spricht, und ihm einen ganz eigenen Charakter verpasst. Mary and Max ist somit ein wunderbarer Geheimtipp, bei dem Lachen und Weinen Hand in Hand gehen, und der sicherlich keinen kalt lässt. Der beste Animationsfilm des Jahres. Mehr ist nicht zu sagen.

 

Fazit:

Mary and Max verzaubert und berührt. Adam Elliot schafft es mit seinem ersten Langfilm den Stil seines oscarprämierten Harvie Krumpet zu perfektionieren und überzeugt mit einer unglaublich gelungenen Mischung aus Tragik und Komödie. In Elliot’s Welten werden große Geschichten erzählt die den Zuseher auf vielfältige Weise berühren und inspirieren. Mary and Max ist ein bittersüßes Erlebnis voll brillanter Ideen und ein Film den man schlicht und einfach nicht verpassen sollte. Vergesst Oben, Coraline, Ponyo, Küss den Frosch oder A Christmas Carol: Der Animationsfilm des Jahres 2009 heißt Mary and Max. Dank Adam Elliot ist das Genre wieder um ein Meisterstück reicher.

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.5/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 22
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Liste von shitneyy
Erstellt: 20.05.2015