Paranormal Activity (2007)

OT: Paranormal Activity - 86 Minuten - Horror
Paranormal Activity (2007)
Kinostart: 20.11.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Paranormal Activity

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Ein Mann. Eine Kamera. Ein Film. Paranormal Activity. Ein Mann und seine Kamera kämpfen gegen das Abnorme. Oder so ähnlich. Oren Peli, Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion, verbindet ein mitreißendes Konzept mit einer originellen Idee. Herausgekommen ist einer der wohl besten und wirksamsten Horrorfilme des Jahres, wobei aber der Umstand, dass es dieses Jahr in diesem Genre ziemlich trist aussieht nicht außer Acht gelassen werden darf. Denn wirklich nennenswerte Konkurrenz besitzt der Film im Jahr 2009 nicht, tut sich doch ein gähnendes Loch im Horrorfilm auf, welches mit solch plakativ simplen Filmen wie Carriers oder Survival of the Dead mehr schlecht als recht zugekleistert wird. Verständlich, dass Paranormal Activity nun mit Lob überhäuft wird, klammert man sich doch angesichts solch herber Fehlschläge nur allzu freudig an jeden noch so löchrigen Rettungsring.

 

Und löchrig ist Paranormal Activity leider allemal. Zum einen sind es natürlich obligatorische Logikfehler, die störend und staunend ins Auge springen, kommt man doch nicht umhin die Intelligenz und Handlungsfähigkeit der Protagonisten zu hinterfragen. Mehr als einmal wird man als direkt ins Geschehen hineingezogener Zuschauer vor die unbefriedigende Tatsache gestellt, dass die Figuren bar jeglicher Glaubwürdigkeit agieren. Was jedoch nichts damit zu tun hat, dass sie es mit einem paranormalen Phänomen zu tun haben, sondern dass sie es nicht mal zustande bringen die einfachsten Schlussfolgerungen zu ziehen, wie z.B. die Tür zu schließen oder Hilfe zu holen. Stattdessen versucht vor allem der Mann auf typische Klempnermanier alleine mit dem Problem fertig zu werden. Frei nach dem Motto: Das Wasserrohr ist zwar kaputt, aber ich habe einen Werkzeuggürtel, also brauche ich keinen Klempner. Wenn man allerdings bei mehr als der Hälfte der Werkzeuge nicht mal deren Namen weiß, stellt es einem vor ein gewisses, wohnungsüberflutendes Problem.

 

Aber als wäre das noch nicht schlimm genug, fehlt es Paranormal Activity auch an einer notwendigen Konsequenz. Es ergibt nämlich einfach keinen Sinn, warum der Mann auch die alltäglichsten und somit für die eigentliche Handlung unnötigsten Szenen aufnimmt. Warum ist es wichtig die beiden beim fernsehen oder Zähne putzen zu beobachten? Mit emotionaler Bindung an die Figuren hat dies nur bedingt zu tun, viel mehr damit die notwendige Zeitspanne eines Kinofilms zu erreichen. Die emotionale Bindung wird in einem Film mit diesem Konzept nicht über die Figuren, sondern über die Kamera an sich etabliert. Der Schrecken ergibt sich gerade aus der dokumentarischen Qualität und damit verbundenen Machtlosigkeit des Zuschauers. Die Angst ergibt sich daraus, dass man angeblich reale Szenen hilflos miterlebt, in denen sich die Protagonisten unausweichlich in ihrem Schicksal verrennen, welches nicht selten in deren Tod mündet. Voyerismus in seiner extremsten Form. Dass manche dieser ruhigeren, alltäglichen Szenen natürlich dennoch notwendig sind um einen Kontrast zum nächtlichen Schrecken zu bilden, der sich in das Leben und Schlafzimmer von Katie (Katie Featherston) und Micah (Micah Sloat) einschleicht, ist unumgänglich und nachvollziehbar. Dass einige Szenen zu viel aber zu Langatmigkeit führen und den Zuschauer mehr aus dem Film heraus reißen, anstatt seine Involvierung zu verstärken, ist jedoch auch eine Tatsache, der sich Paranormal Activity nicht erwehren kann.

 

Trotzdem funktioniert der Film auf mancher Ebene. Gerade die nächtlichen Aufnahmen entfesseln ein immer intensiveres Gefühl der Angst. Dadurch lässt Paranormal Activity selbst seine schwächeren Momente schnell vergessen, freut man sich doch stets darauf, wenn ein Tag vorbei ist und sich die beiden endlich wieder schlafen legen. Man kann kaum die nächste Nacht und den darin lauernden Schrecken erwarten. In den meisten Fällen wird man auch nicht enttäuscht, denn die Ereignisse steigern sich zu einem immer stärkeren Ausmaß und schaffen es vorzüglich die Imagination des Publikums mehr und mehr anzuheizen. In Paranormal Activity liegt nämlich gerade im Ungesehenen, in der Leere, im Nichts, die meiste Angst verborgen.

 

Daraus bezieht Paranormal Activity seine nachhaltigste Wirkung, die selbst lange nachdem der Film vorbei ist noch immer wie ein Brandmahl im Hirn des Zuschauers eingeschweißt bleibt und einem sogar Tage danach verfolgen kann. Diesbezüglich ist Oren Pelis (in rein finanzieller Hinsicht) spottbilliges Regiedebüt zweifellos der gelungenste und erfrischendste Horrorfilm des Jahres, ganz zu schweigen vom finanziellen Erfolgszug. Außerdem ist der Film ein hervorragender Beweis dafür, dass es für die Qualität mehr auf eine originelle Idee, gelungene Umsetzung und intensive Atmosphäre ankommt, als auf überteuerte Special Effekte, sich verwandelnde Blechmänner oder blutrünstige Zombies, die mehr zum Lachen animieren, denn zum Fürchten.

 

Fazit:

Paranormal Activity ist trotz seiner (doch recht störenden) Fehler ein guter Horrorfilm, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Für gelungenen Horror wird hier nämlich auf jeden Fall gesorgt. Auch wenn man aus der Grundidee weit mehr hätte machen können, besonders wenn die angesprochenen Fehler vermieden worden wären, ist Oren Peli dennoch ein beeindruckendes Debüt gelungen und liefert, mangels starker Konkurrenz, den besten Horrorfilm des Jahres ab. Ein Kinobesuch ist sicher keine Fehlentscheidung.

 

Wertung:

6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.1/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 35
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