Harvie Krumpet

OT: Harvie Krumpet - 23 Minuten - Animation
Harvie Krumpet
Drehbuch:
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Harvie Krumpet

Von am

„Life is like a cigarette. Smoke it to the butt.”

 

Harvie Krumpet war nach Uncle, Cousin und Brother der vierte Kurz-Animationsfilm von Adam Elliot, und bescherte ihm im Jahr 2003 den Oscar für den Besten Kurz-Animationsfilm. Dieser Erfolg öffnete Elliot die Türen für sein ersten Lang-Animationsfilm, den großartigen Mary and Max. Mit Harvie Krumpet zeigt sich Elliot dabei noch etwas ungeschliffener was die technische Umsetzung betrifft, und auch die Inszenierung wirkt noch weniger ausgeklügelt als bei Mary and Max. Doch dies ändert nichts daran, dass Harvie Krumpet ein wunderbarer Film ist, der das Herz am rechten Fleck hat.

 

Harvie’s Leben ist durchzogen von einer einzigen langen Pechsträhne. Harvie wird in Polen geboren, und leider am Tourett-Syndrom. In der Schule ist er ein Aussenseiter, und bald schon beschließt seine Mutter ihn zuhause zu unterrichten. Als er 18 wird, findet er seine erfrorenen Eltern, und bald darauf startet die Invasion der Deutschen, sodass Harvie nach Australien fliehen muss. Dort angekommen sorgt sein angeborenes Pech dafür, dass er ein Dauergast im örtlichen Krankenhaus wird…

 

Adam Elliot’s Harvie Krumpet ist eine fabelhafte, kleine Animationsfilmperle, die zwar nicht makellos, aber auf jeden Fall sehr überzeugend ist. Realisiert mittels Stop-Motion Technik und unterlegt mit einem stimmigen Soundtrack, erzählt uns der Film die Geschichte von Harvie Krumpet, und schlägt dabei vor allem einen sehr bittersüßen Tonfall an, den man auf keinen Fall falsch interpretieren sollte: Denn der fast schon zynische Humor der aus den Bilder spricht, macht sich in keiner Sekunde über die Figuren lustig.

 

Adam Elliot erzählt in seinem oscarprämierten Kurz-Animationsfilm nämlich von einer ähnlichen Thematik wie im grandiosen Mary and Max. Er zeigt uns Aussenseiter, und psychisch und physisch Kranke, und begegnet ihnen mit Humor, aber auch mit Würde. Er lässt die Kranken mit der restlichen Welt anecken, und konfrontiert die Umwelt mit den Besonderheiten ihrer Krankheit. Durch den offensiven und aufzeigenden Umgang mit den Krankheiten fordert Elliot vor allem die Reflexion, und ist nicht etwa nur auf den nächsten Lacher aus. So ist Harvie Krumpet natürlich auch durchzogen von kleineren Rückschlägen, die Harvie immer wieder zweifeln lassen.

 

Und in dieser Form ist der Film vor allem auch eine Motivation für den Zuseher. Er handelt von der Suche nach dem Platz im Leben, und versucht uns nahe zu legen, dass wir mit uns zufrieden sein sollen, auch wenn wir nicht perfekt sind. Rückschläge gehören zum Leben dazu und sie sollen uns stärker machen. Manche Figuren lernen diese Lektion, manche nicht, und in dieser Hinsicht ist Harvie Krumpet auch ein ehrlicher Film, der seine Figuren sehr ernst nimmt.

 

Erzählt wird der Film von einem lakonischen Erzähler (großartig: Geoffrey Rush) und er erinnert dabei aber auch etwas an Forrest Gump, jedoch mit einem wesentlichen Unterschied. Forrest Gump erzählt uns von einem besonderen, und geistig kranken Menschen, der im Leben großartiges vollbracht hat. Harvie Krumpet beginnt mit einem Zitat, das uns verrät, dass der Film in eine andere Richtung gehen wird, nämlich in eine Richtung die uns alle betrifft:

 

'… Some are born great

some achieve greatness

and some have greatness thrust upon them

and then there are others……’

 

Harvie Krumpet ist einer dieser “Anderen” die nicht für Großes geboren sind, und dennoch vollbringt er für sich etwas Großes. Er durchlebt das Abenteuer seines eigenen Lebens, und er akzeptiert sich am Ende, genau so wie er ist, trotz allen Schwierigkeiten und Hindernissen. Stilistisch offenbart Harvie Krumpet genau die Stärken, die auch Mary and Max auszeichnen: Der Film ist tragischkomisch, jagt nicht hinter dem nächsten Witz her, und erzielt so einen unglaublichen Charme, der einfach zauberhaft ist. Ein großartiger Kurz-Animationsfilm, den ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

 

Fazit:

Harvie Krumpet ist ein großartiger Kurz-Animationsfilm, der es schafft auf bittersüße Art zu überzeugen. Der Film nimmt seine Figuren ernst, und erzählt eine inspirierende Geschichte, die sicher allen Zusehern Ansätze bietet. Stilistisch ist der Film noch nicht zu 100% ausgereift, jedoch verblüfft Harvie Krumpet durch einen ehrlichen Umgang mit seinen Figuren, und einen mutigen Umgang mit den thematisierten Krankheiten. Unterhaltsam und traurig zu gleich. Wer den Stil mag, sollte sich Mary and Max nicht entgehen lassen.

 

Wertung:

8/10 Punkte

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