Das Vaterspiel (2009)

OT: Das Vaterspiel - 117 Minuten - Drama
Das Vaterspiel (2009)
Kinostart: 27.11.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Das Vaterspiel

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Einen Roman zu verfilmen ist nie leicht, schon gar nicht wenn er mehrere Handlungsebenen miteinander verbindet. Trotzdem bemüht sich Michael Glawogger den gleichnamigen Roman von Josef Haslinger zu verfilmen. Mit mäßigem Erfolg. Dass es natürlich unmöglich ist die gesamte Bandbreite eines Romans in einem Film zu verpacken ist nachvollziehbar und verständlich, weshalb sich der Regisseur von vornherein gar nicht darum bemüht den gesamten Roman zu verfilmen. Stattdessen konzentriert er sich auf eine höchst fragmentarische Darstellung der Geschehnisse, erschafft bewusst Lücken und begnügt sich damit bloß einen Teil des Ganzen zu zeigen. Vieles wird nur angedeutet und manches wird überhaupt komplett gestrichen.

 

Dies führt dazu, dass Das Vaterspiel ein großteils überaus subtiler und ruhiger Film ist, der weite Strecken leider auch erschreckend ereignislos und spannungsarm ist. Andererseits gibt es aber wiederum durchaus sehenswerte Momente und lobenswerte Ansätze. Vor allem die Tatsache, dass nichts genau gelöst oder geklärt wird und am Schluss irgendwie alles in der Schwebe hängt, weiß zu gefallen. Dadurch wird einem das Gefühl vermittelt, dass die Figuren auch nach dem Film noch weiter leben und mit ihren Problemen zu kämpfen haben. Alles was der Zuschauer zu sehen bekommt sind bloß vereinzelte Episoden aus dem Leben der Charaktere.

 

Einer dieser Charaktere ist Ratz (Helmut Köpping), der schon seit Jahren an seinem Computerspiel tüftelt, in dem es darum geht seinen eigenen Vater zu ermorden. Mit Hilfe des Spiels versucht er zum einen sich von seinem dominanten Vater (Christian Tramitz) zu befreien, zum anderen will er damit natürlich auch reich und erfolgreich werden und versucht stets sein Spiel anzubringen, was ihm aber bisher nicht gelungen ist. Erst als er seiner Studienfreundin Mimi (Sabine Timoteo) in Amerika helfen soll für ihren Großvater ein neues Zimmer zu bauen, eröffnet sich ihm auch gleichzeitig eine erfolgversprechende Möglichkeit für sein Spiel. Was ihn aber fast mehr fasziniert und beschäftigt ist die Vorgeschichte von Mimis Großvater.

 

Eine andere Figur, ein gewisser Jonas Shtrom (Ulrich Tukur), schildert in einem kahlen Büroraum in Ludwigsburg einem anonymen Zuhörer und einem Tonband ein längst vergangenes, aber nicht vergessenes Verbrechen aus dem zweiten Weltkrieg. Seitdem hat es sich Jonas Shtrom zur Aufgabe gemacht den Mörder seines jüdischen Vaters zu finden. Aus Kindheitserinnerungen, Fotos und Berichten setzt er die Fakten eines nationalsozialistischen Verbrechens zusammen, in dem er sich selbst nicht nur als Opfer, sondern auch als Täter fühlt. Er versucht den Mörder nicht nur aus Gerechtigkeitsgründen zu finden, sondern auch um seine eigene Gewissensfrage zu klären.

 

Das Vaterspiel lebt hauptsächlich von seinen Schauspielern. Ganz besonders Ulrich Tukur schafft es zu überzeugen, und das obwohl seine Geschichte fast einzig und allein auf einen Raum begrenzt ist und im Grunde nichts weiter als einen Monolog darstellt. Dennoch baut er die größte Bindung zum Zuschauer auf. Die restlichen Schauspieler leisten ebenfalls durchwegs solide Darstellungen, mit gelegentlichen, kurz aufflackernden Lichtblicken, die aber leider stets nur für kurze Zeit anhalten und dann wieder erlöschen. Was schade ist hinsichtlich der Komplexität mancher Figuren und ihren Geschichten. So gesehen ist es eine verschenkte Chance um größeres zu leisten.

 

Gleiches gilt ganz besonders für Regie und Drehbuch des Films. Michael Glawogger hat sich hierbei wirklich nicht übertroffen und schon weitaus besseres abgeliefert. Seine ursprünglichen Ambitionen seien dahingestellt, das Endresultat wirkt eher unfertig und uninspiriert. Viel zu konfus kommt der Film daher, man hat fast den Eindruck dass es gar keinen Regisseur gegeben hat. Am Ende fragt man sich eigentlich nur, was der Film bezwecken soll, denn selbst der Unterhaltungsfaktor lässt oftmals sehr zu wünschen übrig. Gleiches gilt für die Intensität der Geschichte, die im Material durchaus vorhanden ist, aber nach dem Filmerlebnis sehr schnell verblasst. Wodurch Das Vaterspiel rückblickend betrachtet einen sehr kurzweiligen Stellenwert im Gedächtnis des Zuschauers einnimmt. Gleichzeitig weist der Film aber während dem Betrachten erhebliche Längen auf, was folglich dazu führt, dass man das Ende herbeisehnt und geistig aus der Geschichte aussteigt.

 

Dabei hätte Das Vaterspiel durchaus Potenzial gehabt. Warum es letztlich verschenkt wurde ist nicht zu eruieren. Fest steht nur, dass der Film schnell in Vergessenheit geraten wird und mit Sicherheit nicht zu den Glanzleistungen eines Michael Glawogger zählt. Romane zu verfilmen ist immer eine schwere Aufgabe. In den meisten Fällen wird der Film seinem Ausgangsmaterial nicht gerecht. Das Vaterspiel ist leider einer von diesen zahlreichen Fällen wo man sich die Verfilmung getrost hätte sparen können.

 

Fazit:

Das Vaterspiel beinhaltet zwar eine gelungene Performance von Ulrich Tukur und durchaus solide Leistungen seiner Kollegen, aber leider auch eine ziemlich planlose Regie, die dem Ganzen keine konkrete Richtung verleiht. Das Fehlen einer exakten Auflösung wirkt dabei überaus passend und vermittelt das Gefühl, dass die Figuren nach dem Filmerlebnis noch weiter leben. Zudem gibt es den ein oder anderen sehenswerten Moment und lobenswerten Ansatz, die aber den Anschein erwecken sich eher zufällig in Das Vaterspiel eingeschlichen zu haben. Leider hat der Film aber abgesehen davon nichts erinnerungswürdiges zu bieten und verblasst deshalb sehr schnell. Selbst die Unterhaltung bleibt oftmals auf der Strecke zurück, weil der Film zu langatmig wird und in seinen Geschichten nicht so recht vorwärts kommt. Im Endeffekt ist Das Vaterspiel eine bitter vergebene Chance.

 

Wertung:

3/10 Punkte

Filmering.at
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