Tetro (2009)

OT: Tetro - 127 Minuten - Drama
Tetro (2009)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Tetro

Von am
"People around here don't know very much about me. I'd like to keep it that way."

 

Francis Ford Coppola hatte wohl eine der interessantesten Karrieren unter allen amerikanischen Filmemachern. Bereits in den 70ern schaffte er es direkt hintereinander vier Meisterwerke zu drehen, eine Reihe die wohl bis heute unerreicht ist. Der Pate (1972), Der Dialog (1974), Der Pate 2 (1974) und Apocalypse Now (1979), zusätzlich schrieb Coppola noch das Drehbuch zum oscarprämierten Patton (1970). Alleine diese Serie in den 70ern brachte Coppola fünf Oscars aus zwölf Nominierungen und zwei Goldene Palmen in Cannes (Der Dialog und Apocalypse Now) ein.

 

Mit diesem Bollwerk an filmischer Qualität im Rücken tat sich Coppola jedoch schwer jemals wieder diese Form zu erreichen. Dies wurde sicher auch dadurch ausgelöst, dass er dank finanziellen Schwierigkeiten (wohl auch mit ausgelöst durch die desaströse Produktion von Apocalypse Now) dazu genötigt war Auftragsarbeiten auszuführen, die nicht unbedingt an seinem Qualitätsstandard zu messen sind. Hinzu kommt, dass Francis Ford Coppola seit jeher bemüht war das verkrustete Hollywoodsystem hinter sich zu lassen, und im Sinne des New Hollywoods frei und unabhängig zu produzieren. Mit Tetro dürfte er nun, nach langer Suche, endlich dieses künstlerische Nirwana gefunden haben.

 

Bennie (Alden Ehrenreich) arbeitet auf einem Schiff, das im Hafen von Buenos Aires liegt, und auf Reparatur wartet. Er nutzt die Gelegenheit um seinen Bruder Tetro (Vincent Gallo) zu besuchen, der vor Jahren jeglichen Kontakt mit seiner Familie abgebrochen hat, und nach Buenos Aires ausgewandert ist. Während Tetro zunächst verschlossen auf den Besuch reagiert, wird Bennie von Tetros Freundin Miranda (Maribel Verdu) liebevoll aufgenommen. Es dauert etwas bis sich die beiden Brüder wieder etwas näher kommen. Doch die Vergangenheit lässt Tetro nicht los…

 

Mit Tetro erzählt Francis Ford Coppola eine klassische, tragische Familientragödie die auch versucht von der schwierigen Suche um Anerkennung im übermächtigen Schatten eines erfolgreichen Vaters, in einer Künstlerfamilie, zu erzählen. Dabei schöpft Francis Ford Coppola natürlich aus seiner unglaublichen Erfahrung im Geschichtenerzählen, und versteht es seine Story auf zutiefst klassische Weise aufzubereiten. Zunächst sind wir völlig im Unklaren was vor sich geht, und erst nach und nach werden uns durch Rückblenden Einblicke in die tragische Vergangenheit der Familie gewährt.

 

Die große Stärke von Tetro ist dabei hinter der Kamera zu finden. Denn man spürt hier in jeder Sekunde, dass ein absoluter Meister auf dem Regiestuhl sitzt. Tetro ist so brillant inszeniert, dass einem förmlich die Augen herausfallen in all der Pracht die sich hier auf der Leinwand entfaltet. Gefilmt in glasklaren und präzisen Schwarz-Weiss Bilder wirkt hier jede Szene perfekt durchkomponiert und erscheint in sich als kleines Kunstwerk. Hier trifft die langjährige Erfahrung eines Meisterregisseurs auf einen Filmemacher der immer noch den Drang zum Experimentieren hat, und das Ergebnis ist auf inszenatorischer Ebene schlichtweg ein Genuss.

 

Dies gilt auch für die fabelhafte Atmosphäre in der man sich förmlich verlieren kann. Seien es die Straßenzüge, die geprägt sind von südamerikanischem Ambiente, oder Theaterinszenierungen, die natürlich klar von Francis Ford Coppolas ausserordentlichem Gespür für Theatralik geprägt sind, oder schlicht die wunderbaren Landschaftsaufnahmen, die uns förmlich mitreißen in eine ferne Welt. Tetro versteht es zu verzaubern, und zu betören, und auf dieser Ebene gibt es gar nichts zu Meckern. Der Film schafft es schlicht spielend das Publikum um den Finger zu wickeln.

 

Hinzu kommt noch Coppolas aussergewöhnliches Gespür für die Schauspielführung. Eine großartige Entdeckung stellt dabei Alden Ehrenreich dar, der nicht nur optisch ein Ebenbild von Leonardo DiCaprio zu sein scheint, sondern auch wirklich Potential in sich birgt, und es schafft uns sehr gut durch den Film zu führen. Vincent Gallo brilliert ebenfalls in einer kauzigen Rolle, die gekonnte zwischen Genie und Wahnsinn oszilliert, während es Klaus Maria Brandauer fabelhaft schafft eine egozentrische Figur zu kreieren die, obwohl sie vor der Kamera nie etwas offensichtlich schäbiges anstellt, einen zutiefst unsympathischen Nachgeschmack hinterlässt.

 

Bei all dieser Größe, gibt es bei Tetro doch einige Schwächen, die aber ausschließlich dem Drehbuchautor Coppola anzukreiden sind, und nicht dem Regisseur Coppola. Denn obwohl seine Story berührend ist, erreicht sie nie die Größe der Inszenierung, und schafft es nicht hier völlig mitzureissen. Zu viele kleiner Längen haben sich eingeschlichen, die den Film etwas strecken, und vor allem fällt auf, dass die Story in Tetro fast schon zu klassisch ist, und wenig Neues in sich birgt. Dies passt natürlich irgendwo zum Stil des Films, jedoch bleibt es eben dennoch so, dass Tetro auf Storyebene nicht die Klasse erreicht, die der Film auf Inszenierungsebene zweifellos hat.

 

Fazit:

Mit Tetro meldet sich Francis Ford Coppola mit einiger Kraft zurück und beweist, dass man von ihm immer noch ein Meisterwerk erwarten kann. Tetro selbst ist zwar nicht dieses Meisterwerk, da sich der Film auf Grund von einigen Längen und Storyschwächen selbst ausbremst, doch ist der Film dennoch so brillant inszeniert, dass dem geneigten Cineasten förmlich die Spucke wegbleibt, und alleine die unglaubliche Inszenierung einen Kinobesuch lohnt. Man kann gespannt in die Zukunft blicken, was Coppola uns noch vorzaubern wird.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 7
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