Blutsfreundschaft (2009)

Blutsfreundschaft
Blutsfreundschaft
OT: Blutsfreundschaft, Initiation  

Regie: Peter Kern
Filmstart: 05.11.2009  | Laufzeit: | Drama

Kurzkritik im Rahmen der Viennale 2009:

 

Blutsfreundschaft-Scene01„Islam, bleib daham“, „Soziale Wärme statt Woame“, so proklamiert die erfundene rechtsradikale Partei RWT (Österreichs Partei für Recht, Würde, und Tugend) in Peter Kerns neuestem Aufrührstück Blutsfreundschaft. Man muss natürlich kein Genie sein um offenkundige Parallelen zu einer gar nicht mal so kleinen Partei in unserem kleinen Land herzustellen. Und genau auf diesen Wahnsinn des blinden Populismus legt Peter Kern seinen Zeigefinger, und versucht damit Missstände aufzuzeigen.

 

Alex (Harry Lampl) findet sich nach einem Streit mit seinen Eltern, zwischen den Stühlen, genauer gesagt, zwischen zwei verfeindeten Szenen wieder: Der Neo-Naziszene und er Schwulenszene. Nachdem er gemeinsam mit seinen Nazi-Freunden eine soziale Einrichtung überfällt, es dabei aber zu einer tödlichen Messerstecherei kommt, rettet sich Alex in die Wäscherei von Gustav Tritzinsky (Helmut Berger). Der schwule Gustav fühlt sich sofort an seine Jugendliebe erinnert, und damit auch an ein dunkles Kapitel in seiner Vergangenheit…

 

Regisseur Peter Kern, vorwiegend bekannt durch seine radikalen Filme, die das Publikum aufwecken sollen, ist wieder da. Und wer die Diskussionen rund um die kontroverse Marketingkampagne von Blutfreundschaft mitbekommen hat (die Plakate der erfundenen rechtsradikalen Partei RWT wurden als Werbung für den Film eingesetzt, was viele allerdings nicht verstanden haben, und die Plakate als echt deuteten), kann sich bereits denken, dass leise Töne nicht in seinem Interesse liegen.

 

Blutsfreundschaft-Scene02So legt Kern auch gleich einmal das Skalpell in die Ecke und prügelt mit dem Holzhammer auf das Thema ein. Wobei das Thema eigentlich ein falscher Ausdruck ist, da er sich gleich auf mehrere Themen stürzt, und dadurch versucht aufzuzeigen was für dieses Land immer noch unangenehm ist. Einmal ganz vom Bezug zu einer aktuellen Partei abgesehen, stellt Kern Fragen bezüglich unserer Vergangenheitsbewältigung und unserem, nach wie vor, äußerst hölzernen Umgang mit dem Thema Homosexualität. Blutsfreundschaft thematisiert damit genau das, was das Land eigentlich verdrängen will, und in sofern verdient sich Kern schon einmal Lob.

 

Blutsfreundschaft ist auch sehr gut gespielt, was vor allem Helmut Berger zu verdanken ist, und auch handwerklich gut gemacht. Jedoch täuschen alle diese Pluspunkte nicht darüber hinweg, dass der Film sich keine Zwischentöne erlaubt, sondern einfach in blinder Wut auf alles hindeutet, und dabei scheinbar alle politischen Tabuthemen abarbeiten will. Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen, denn so verkommt Blutsfreundschaft, trotz guten Ansätzen, zu einem grobschlächtigen und viel zu plakativen Film, der es zwar schafft auf Missstände hinzuweisen, aber aus künstlerischer Sicht dennoch zu viele Macken hat, um wirklich zu überzeugen. Denn so richtig viel Neues erzählt Blutsfreundschaft auch nicht, und dass der Film überkonstruiert und zu plakativ ist, wurde auch schon erwähnt.

 

Wertung:

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10/10

Der wichtigste österreichische Film des Jahres!

Sicher - BLUTSFREUNDSCHAFT hat seine kleinen Schwächen. ABER: Er ist mit so viel Ehrgeiz, Elan, ja Herzblut gemacht, das spüre ich in diesem Film jede Sekunde.

Wer braucht hier Zwischentöne?
Braucht sie die FPÖ/BZÖ Fraktion, wenn sie auf Ihre Plakate weitaus schlimmeres druckt als es die Filmplakate tun? Braucht sie unsere Innenministerin, die in ihrer Wortwahl Menschen wie Dreck "eliminieren" möchte, und Homosexuellen immer noch Knüppel zwischen die Füße wirft auf deren Weg zum gemeinsamen Glück?

Oder brauchen sie doch nur Menschen wie "wir", wir Nicht-Außenseiter in der Gesellschaft? Wir, die im österreichischen Kino zuletzt mit so viel gelackter Perfektion "verwöhnt" wurden, scheinen diese Anforderungen zu stellen: Bloß nie Position beziehen, auch Nazis waren Menschen und manche davon keine schlechten etc.pp. - aber wir wissen es ohnehin besser.

Und da kommt endlich ein Film wie BLUTSFREUNDSCHAFT, der uns ohne Fingerzeig und ohne standardisierten Formeln und doch so "bekannt" begenet und wir suchen nach Fehlern im Film, statt anzufangen die Missstände zu beseitigen, die er aufzeigt.

Für mich der wichtigste Film des Jahres aus diesem Land - ein Michael Haneke könnte von dem Engagement und der Ehrlichkeit eines Peter Kern noch viel viel lernen!



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