Stealth - Unter Dem Radar (2005)

OT: - 120 Minuten - Action
Stealth - Unter Dem Radar (2005)
Kinostart: 15.09.2005
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Stealth - Unter Dem Radar

Von am

Für den Actionfilm ist 2005 ein denkbar schlechter Jahrgang gewesen, woran dann auch Rob Cohen („The Fast and the Furious“, xXx“), in jüngster Vergangenheit eigentlich das Synonym schlechthin für kommerziell orientierte Mainstreamware, nichts mehr ändern wird. Ganz im Gegenteil, mit „Stealth“ liefert er das Negativhighlight des Jahres, gegen das solide, wenn auch größtenteils enttäuschende Genrebeiträge wie „xXx: State of the Union“, „The Island“ oder „Transporter 2“ wie Oscar-Anwärter abschneiden. Immerhin lässt dieser Trend aufgrund der (bis auf „Transporter 2“) enttäuschenden, wenn nicht gar katastrophalen Einspielergebnisse darauf hoffen, dass auch in Hollywood endlich umgedacht wird und diese CGI überfrachteten, seelenlosen, PG-13 – Overkills ein Ende finden. Ein Einspiel von gut 30 Millionen am amerikanischen Boxoffice stellt sich hier gegen ein Mammut-Budget von 130 Millionen. Solche Zahlen sprechen Bände und rütteln vielleicht auch endlich mal die Studiobosse wach. Inzwischen floppen nicht mehr nur die R-Rating-Produktionen („Assault on Precinct 13“, „Hostage“) reihenweise, sondern auch die vermeintlich sichere Familienware.


Dabei muss man sich hier allerdings auch mal fragen, ob Rob Cohen, dessen Begabung sich von Film zu Film auch aufzulösen scheint, ernsthaft geglaubt hat, mit diesem Mist die Kohle wieder einfahren zu können. Wenn ja, leidet der Mann unter Realitätsverzerrung. Ich bin keinesfalls Nobrainment abgeneigt und habe mich dieses Jahr mit Streifen wie „xXx: State of the Union“ sogar ganz passabel unterhalten können, doch „Stealth“ scheint dann doch eher die X-Box – Generation anzusprechen: Schnell, schneller, am schnellsten Arcade.... Ich bin da mit 23 Lenzen wohl schon jenseits der Zielgruppe...

Meine Erwartungen an den Film waren nach den vielen Negativkritiken ohnehin nicht sonderlich hoch, doch was da letztlich fast zwei Stunden (inklusive Cliffhanger für eine mögliche Fortsetzung nach dem Abspann) auf mich hereinbrach, trotzte bis dato jeder Beschreibung. Die ersten Minuten, in denen die drei Navy-Piloten Ben Gannon (Josh Lucas, „Session 9“, „Session 9“), Kara Wade (Jessica Biel, „The Texas Chainsaw Massacre“, „Blade: Trinity“) und Henry Purcell (Jamie Foxx, „Collateral“, „Ray“) in ihren ultramodernen High-Tech-Stealth-Jets während einer Trainingsmission gleich Dutzende von Ziele vernichten, allen Geschossen ausweichen und nebenbei noch cool über Funk plaudern, zeigt auch gleich auf, was Cohen hier vorhat. „Stealth“ ist ein getarntes Computer-Spiel, nur eben als Film verpackt. Diese erste Actionsequenz macht schon Laune, ist nur sofort ein Overkill für die Sinne und so macht der Regisseur für den Rest des Films weiter.

Essentielle Selbstironie keimt dabei leider nie auf. Stattdessen konstruiert Cohen eine scheinbar ernst gemeinte Geschichte um einen geheimen Prototypen, einen selbstständig lernenden Tarnkappen-Fighter, genannt EDI (Extreme Deep Invader .. uiuiui), der mitsamt des Trios auf einem Flugzeugträger stationiert wird und dort in Trainingsmissionen von ihnen lernen soll. Das ehrgeizige Projekt des falsch spielenden Captain George Cummings (Sam Shepard, „Black Hawk Down”, „Blind Horizon”) entwickelt nach einem Blitzeinschlag nur leider ein nicht programmiertes und auch alles andere als geplantes Eigenleben, um sich von nun an selbstständig Zielen zu widmen. Ganz dumm, wenn die dann in Russland liegen und der Film im weitesten Sinn die Situationen so löst, dass nebenher noch alle historischen Feindbilder Amerikas mit abgehandelt werden.

Es soll ja tatsächlich Leute geben, die anhand des Trailers oder einer Inhaltsangabe mit „Stealth“ eine Diskussion über Zukunftstechnologien und die sich dahinter verbergende Gefahr der Verselbstständigung der selben erwarten haben, beziehungsweise eine moderne Interpretation der guten alten „Frankenstein“ – Geschichte. Nun, diesen Menschen muss man mit einem Lächeln begegnen, was nichts daran ändert, dass in wenigen Dialogen tatsächlich kritische Aussagen zu EDI getätigt werden. Aber diese Dialoge haben dann wirklich mehr Alibicharakter und unterstützen ein wenig den Fortgang der Story. Alles weitere (Uha, sogar Primzahlen werden thematisiert. Wohin nur mit dem ganzen Intellekt?) kehren wir lieber unter den Teppich. So schrecklich viel Substanz ist da angesichts der aussagelosen Dialoge nämlich nicht. Hat allerdings auch niemand erwartet, doch ein paar kernige Sätze hätten schon fallen dürfen, denn den Luftkämpfen fehlt bei aller technischen Raffinesse bei der Umsetzung Adrenalin, Schweiß und Angst.

Als Zuschauer will man sich natürlich von so einem Film in erster Linie unterhalten lassen. Abstriche in der Logik und der Möglichkeit des Geschehens verzeiht man da gern. Mit „Stealth“ versucht Autor W.D. Richter („Invasion of the Body Snatchers”, „Needful Things”) den Zuschauer aber wohl fast permanent zu verarschen und mit Klischees totzuschlagen (u.a. ein in Tadschikistan hausender Warlord, der sich Atomsprengköpfe besorgt hat...). Die Flieger operieren im Verlauf des Films nahezu global, düsen von Kontinent zu Kontinent und müssen auch nur einmal, in einer übrigens grenzdebilen Sequenz (Wer hat sich denn dieses bescheuerte Betankungsluftschiff ausgedacht?), auftanken. Das Arsenal von Raketen, die so mitgeführt werden, scheint unlimited und die unmöglichsten Manöver möglich. Da schaltet sich das Hirn irgendwann ab und böse Erinnerungen an den ähnlich missglückten „Torque“ letztes Jahr werden wach. Was Richter auffährt, sprengt so ziemlich alles, was ich bisher gesehen habe und so wenig ist das eigentlich nicht. Dagegen war der hier nun schon wieder herangezogene „xXx: State of the Union“ ja ein Quell des Realismus. Der wusste auch wenigstens, dass er sich nicht ernst nehmen durfte.

Die Schauspieler haben in dieser wüsten Bombastorgie selbstverständlich nichts zu melden, was wiederum für Leute wie den mindertalentierten Josh Lucas, dem die Heldenrolle zugeschustert wird, auch ganz vorteilhaft sein kann. Sam Shepard agiert zwielichtig routiniert im Hintergrund, während zwischen den Teammitgliedern sich dann auch noch so etwas wie eine als ergänzende Füllung eingebettete Romanze abspielen muss. Jamie Foxx, dessen Engagement ich hier nach seinem jüngsten Karrierehoch überhaupt nicht nachvollziehen kann (War der Vertrag schon länger unter Dach und Fach?), ergibt sich in einer frauenverschleißenden Machorolle und hat den Vorteil seinen Gehaltsscheck früher in Empfang zu nehmen, während sich das schnuckelige Geschöpf namens Jessica Biel wohl endgültig als renitenter Nachwuchs in Hollywood durchzusetzen scheint und mit Kolleginnen wie Jessica Alba („Sin City“, „Into the Blue“) oder Kate Bosworth („Blue Crush“, „Superman Returns“) die neue Generation etabliert.

Ein gewisses Maß an Kurzweiligkeit kann man „Stealth“ gewiss nicht streitig machen. Auf einem, wenn auch niedrigen Niveau, lässt er es fast durchgehend krachen, nur packen kann das den Zuschauer nie. Ernsthaftes Charakterdevelopment erwartet beispielsweise niemand, nur man sollte bei den drei Fliegern schon über ein paar Plattitüden hinauskommen, um zumindest der Gleichgültigkeit, mit denen jeder Zuschauer ihnen und dem Film begegnen wird, entgegen zu wirken. Der Tod einer relativ wichtigen Hauptperson geht im Grunde spurlos an der Handlung vorbei. Weiter geht’s...

Stattdessen wird versucht mit der Moral zu jonglieren, wenn denn die Piloten sich eines Angriffes verweigern, während der programmierte Mitstreiter blindlings auf Gehorsam enormen Kollateralschaden in Kauf nimmt und unglaublich viele sinnentleerter Schwachsinn vom Drehbuch produziert. Ich wage gar nicht zu fragen, was im Programm von EDI ein Angriffsziel in Russland zu suchen hat und warum es da dann nicht doch zufällig den einen oder anderen Sensor gibt, der ausströmendes Kerosin registrieren könnte (Übrigens auch waghalsig auf eine gefüllte Leitung zu ballern...).

Die nicht von der Hand zu weisenden Schauwerte, meist in Form von überdimensionalen Explosionen, die dann auch die optischen Highlights darstellen, sind dann auch die einzigen, die „Stealth“ vor der totalen Bruchlandung bewahren. Trotz völlig unmöglicher Manöver ist das Spektakel in den luftigen Höhen schick, rasant und sehr spektakulär umgesetzt. Es sieht zwar alles nach Spielkonsole aus, aber die 130 Millionen Dollar sieht man. Umherfliegende Raketen, abschmierende Flugzeuge, Ausweichmanöver, hektisches Funkfeuer und dann wieder die Ruhe nach dem Sturm, wenn der MP3s hörende EDI davonrauscht, sorgen für die dringende benötigte Kurzweiligkeit, auch wenn das ewig gleiche rasante und hektisch gefilmte Gewusel eintönig wird. Steigerungen sind nämlich bereits früh nicht mehr möglich.

Insbesondere das überladene Skript, das sich später an zwei Schauplätzen tummelt, in Alaska einen Zwischenstopp einlegt und in Nordkorea eine Rettungsmission startet, zieht sich während dessen einigen Unmut zu. Ob Abschuss (Braucht man da keine Sauerstoffmasken mehr in der Höhe und warum fallen die Wrackteile so fix? Physikalisch unmöglich..) und Flucht vor nordkoreanischen Kommunisten (Klischee komm raus, du bist umzingelt...), konspirierende Industriekräfte auf einer Basis in Alaska (Wie kommen die so schnell dahin? Wie konnten die das vorhersehen?) oder der dann doch noch mit ins Spiel integrierte EDI-Programmierer Dr. Keith Orbit (Richard Roxburgh, scheint seit „The League of Extraordinary Gentlemen“ und „Van Helsing“ wohl ein Riecher für Flops zu haben...), Rob Cohen möchte wohl alles mögliche bedienen, scheißt dabei auf die Dramaturgie und watscht alles so schnell wie möglich ab, um zum nächsten Kapitel überzugehen. Ich könnte noch zig solcher Momente ankreiden... Mir persönlich wurde das irgendwann zu bunt und ich habe in den Stand By – Modus übergeschaltet. Einen Vorteil bringt Cohens Nonsens allerdings mit sich. Hurra-Patriotismus und Werbung für das amerikanische Militär fallen im CGI-Bombast nicht allzu negativ auf.

Fazit:
Unsäglich mieser, sich viel zu ernst nehmender, emotionsloser Schwachsinn, der nun wirklich jeglichen Realismus inklusive die daran gebundenen physikalischen Gesetze auskoppelt und sich damit brüsten kann ein zweistündiges, äußerst hohles und furchtbar belangloses Videospiel zu sein, nur noch getoppt von einer pseudokomplexen Story, die nicht nur die geliebten Feindbilder Amerikas der Reihe nach behandelt, sondern in zweiter Instanz auch noch versucht mit verschwörerischen Thrillerambitionen irgendwie Spannung aus dem vermurksten Stoff zu kitzeln. Wirklich einer der miesesten Streifen 2005, bei dem man kaum daran vorbeikommt sich über den gesammelten, konzentrierten Schwachsinn aufzuregen. Keine Frage, Schonkost fürs Gehirn gehört nach wie vor ins Kino, nur die aktuelle Rezeptur stimmt mittlerweile überhaupt nicht mehr. In Hollywood müssen dringend wieder Filmemacher ans Ruder, die mehr als kommerziell orientiert sind und auch einen unterhaltsamen Film drehen wollen, der gern mal das Machbare ignorieren und mit Bombast protzen darf, dafür aber mit Charme und Seele umgesetzt wird. Nur fraglich, ob es die, in Anbetracht dieses Kinojahres, überhaupt noch gibt. Typen wie James Cameron sind dringend wieder gefragt... Schnapp’ sich doch mal einer The Rock und dreh’ mit ihm einen Actionfilm der alten Schule. So wie „The Rundown“... Ach, ich schweife ab...

 

Wertung:

3/10 Punkte

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